Heute ist wieder so ein Tag.
Ein Tag, an dem ich von mir selbst denke: Du bist eine Pfeife.
Die Königin der Falschabbieger. Herrscherin über falsche Entscheidungen.
Ich musste ein Formular ausfüllen für die örtlichen Ordnungs- und Sicherheitskräfte, da das von Killerdog benutzte Auto eine Delle aufweist, die durch eine Horde merkwürdig agierender Randalierer verursacht wurde.
Und bei einer Sachbeschädigung muss derjenige, dessen Sache beschädigt wurde, seinen Beruf angeben.
Und genau da fängt es an.

Ich habe überhaupt keine Ahnung, was ich als Beruf angeben soll. Ich war einmal Köchin. Das habe ich gelernt. Das habe ich ein paar Jahre gemacht. Das habe ich gehasst. Damit habe ich aufgehört.
Dann habe ich damit wieder angefangen und habe in Kindergarten und Schule gekocht. Aber auf dieser dämliche-Frau-braucht-keine-Sozialversicherung-Minijob-Basis. Und habe wieder damit aufgehört.
Ich war im Gesundheitssektor tätig. Dafür habe ich drei Jahre gelernt und anschließend noch dazu fast vier Jahre gelernt. Leider funktionierte das die-Frau-macht-eine-Praxis-auf-Experiment nicht. Jahrelanges Lernen und viel Geld nicht gewinnbringend angelegt.
Dazwischen gab es Kinder, bekanntlich derer drei, da läuft rententechnisch auch nicht viel. Geputzt habe ich. Anderer Leute Wohnung. Damit ich mal rauskam und damit ein bisschen mehr Geld reinkam. Unter anderem bei einem Zahnarzt, den ich schriftlich dafür rügte, dass er Drogen konsumierte und diese in seinem Kühlschrank verwahrte. Ich hatte damals schon ein Sendungsbewusstsein für ein drogenfreies Leben.

Heutzutage arbeite ich in einem Büro. Dort gebe ich allerhand in den Computer ein, sortiere dies und das, telefoniere mit diesem und jenem und raschele ausdauernd mit Papieren. Natürlich ist es wieder auf der altbekannten Frau-braucht-keine-Sozialversicherung-Minijob-Basis.
Kurzzeitig war ich auch Mutter und Schrägstrich oder Hausfrau. Das ist zwar viel Arbeit aber kein Beruf. Geld gibt es dafür auch nicht. Annerkennung eh nicht.

Und so war ich wirklich versucht, in die Zeile für den Beruf „Pfeife“ zu schreiben.

Denn hätte/wäre/würde, dann würde/wäre/hätte.
Habe ich aber nicht. Einen eierigeren Lebenslauf als meinen, den muss man erst einmal hinbekommen. Und keinen Schritt in der beruflichen Laufbahn würde ich als erfolgreich bezeichnen. Im Sinne von Karriere. Denn Kinder großzuziehen, das heißt, sie in den ersten Jahren davon abzuhalten, sich mit Steckdosen, Häkelnadeln, Multivitaminbonbons, Badewasser, Küchenmessern, Scheren oder auch Hosenträgern umzubringen, und später zu verhindern, dass sie sich mit Taschenmessern, Inlinern, Fahrrädern oder Trampolins entleiben; damit macht man jedoch keine Karriere. Selbst wenn man vierundzwanzig Stunden Schichten schiebt. Achtzehn Jahre lang. Oder länger. Dafür gibt es nichts. Nicht einmal eine echte Berufsbezeichnung außer Mutter und Mutter klingt irgendwie scheiße. Denn Mutter heißt: Alles Schuld.
Wirklich. Meine Mutter auch. Alles Schuld. Immer.
Ist auch kein geschützter Beruf.

Hätte ich mal etwas anderes gelernt. Wäre ich an dem einen Abend nicht so kuschelig drauf gewesen. Hätte ich in der Schule besser aufgepasst. Würde ich heute nicht einen Zusammenbruch über einem Formular bekommen, weil ich nicht weiß, was ich bin.
Und würde nicht in mir dieses gehässige Arschloch rumbrüllen:

EINE PFEIFE BIST DU