Mit einer Sechzehnjährigen durchs Städtchen zu bummeln, das kann erheiternd, nervtötend, nostalgisch und komplett bescheuert sein.
Denn Sechzehnjährige wechseln ihre Laune schneller als… mir fällt einfach kein passender Vergleich ein. Unterhosen wechselt man günstigerweise einmal am Tag, das ist also deutlich zu wenig. Für Strümpfe gilt das Gleiche.
Was wechselt man denn mehrfach in der Stunde? Gibt es da irgendetwas? Was tauscht man aus im fünf Minuten Takt?

Eben noch beschwingt hüpfend durch das erste Geschäft geturnt, kommt so eine Sechzehnjährige mit einem Gesicht aus dem Laden wieder raus, als hätte man ihr dort Leberkässemmeln und Hackbraten angeboten. Und ja, Vegetarierin. Natürlich. Was sonst (Jungs: Fleisch, Fleisch, gib mir Fleisch; Mädchen: Ihgittigitt, weg mit dem Fleisch, gib mir Salat, Gemüse, Salat, Gemüse, Quinoa, Bulgur!).
Auf dem Weg zum nächsten Kleiderwarenladen wird die Laune gleich schon wieder besser, nur um in den Geschäftsräumen runterzukühlen. Man bereut, keinen Schal dabei zu haben.
Zurück an der frischen und tropfenden Luft wird erst einmal gekichert und beim Anblick der Klamottenbude fünf Meter weiter kommt es zur ersten zweiten dritten Depression des Tages. Es wird schon vor dem Eingang gejammert, dass es dadrin ganz bestimmt auch keinen gäbe und alles sei ein elender Mist und wo, bitte sehr und schön, denn ER nun herkommen solle, da sich ja offensichtlich die Welt gegen sie verschworen habe.

ER. Der Bikini. Most wanted, zur Zeit.
Ein Bikini für eine Sechzehnjährige. Schon vorher wurden einige Million Stunden im Internet verbracht, auf der Suche nach einem Bikini. Und es wurde einer, ein einziger, der Einzigste wie man hier sagt, gefunden und bestellt. Nach zwei Wochen und drei Tagen kam die Benachrichtigung, der Bikini sei nicht lieferbar. Danke.
Die Tage am Strand rücken näher und nun wird doch wieder eine panikartige Suchsituation kreiert.

Aber siehe da, in der Klamottenbude gibt es Bikinis, die auch einer Sechzehnjährigen einigermaßen erträglich scheinen. Auf den ersten Blick.
(Und wundere nur ich mich darüber, dass es jetzt Bikinioberteile und Bikiniunterteile getrennt zu kaufen gibt, aber insgesamt zum doppelten Preis?)
Mit vier verschiedenen Oberteilen entschwindet sie in die Umkleidekabine. Ich stehe wie ein Mann davor, gelangweilt, mit dem Hang zum Nasebohren. Dann kommt ein undefinierbares Geräusch aus dem Verschlag mit dem schlechten Lichtkonzept. Gefolgt von einem Röcheln und „… ach, du Scheiße…“.
Ich luge durch den Vorhangspalt und was ich da sehe, verschlägt mir den Atem. Alle Spucke ist auf einen Schlag weg. Mir schwindelt. „Eher nicht, oder?“
„NIEMALS!“
Wer welche Worte sagt, ist egal. Austauschbar. Klar ist, ein Super-Bikini, wenn man professionell am Strand arbeiten möchte.
Der nächste ist kein bisschen besser. Unfassbar.
Brüste, eigentlich ganz normal in Größe und Form, sehen durch diese Stoffkonstruktionen auf einmal so aus, als wären sie aufgeblasen (ein A kann ein D sein, auch wenn sich in mir alles sträubt gegen solche Unlogik, denn ein A ist ein A und bleibt auch erst einmal ein A, zumindest im Alphabet!) und hätten sich der Schwerkraft widersetzt. Und so folgt ein Bikinioberteil dem nächsten und bei jedem sehe ich schon die jungen Lackel sabbernd im Sand liegen, vor den Füßen meiner Tochter. Ich wage noch einen Blick auf diverse Unterteilchen und habe auf einmal genug von der Suche nach dem Bikini.
Die Laune ist bei mir langsam und stetig auf dem Weg nach Mandalay. Oder sonst noch wo. Und die Sechzehnjährige schwingt lustig hin und her zwischen Hass, Verzweiflung und albernem Gelache.

Ich überlege jetzt, ob sie nicht einen Burkini tragen sollte. Und eine Fußfessel.