Als ich vor vielen, vielen Jahren meinen Führerschein machte (unglaublich, es sind schon dreißig Jahre vergangen, seit es soweit war, dieser Gedanke macht aus mir soeben und mit einer Heftigkeit, die ich nicht erwartet habe, eine alte Hippe), da prognostizierte der Fahrlehrer mir ein schnelles Ende meiner Autofahrerkarriere.
Der kleine, cholerische Giftzwerg mit schlechter Laune biblischen Ausmaßes lebte nicht mehr lange genug, um seine Vorhersage zu überprüfen. Weshalb ich „Und ich hab meinen Führerschein immer noch, du Depp!!“ in den Himmel rufe, obwohl ich mir sicher bin, das ist ihm in seinem Zustand eh egal.
Nur weil ich während der Prüfung über eine durchgezogene Linie gefahren bin, als er irgendwelche Geheimzeichen mit dem Daumen geben wollte und ich das alles nicht geblickt habe und hektisch rüberzog, musste ich die komplette Strecke noch einmal fahren. Meine Prüfung dauerte über eine Stunde. Bei der zweiten Runde machte ich den Fehler nicht noch einmal.
Als mir der Prüfer den rosafarbenen Lappen mit dem unsäglichen Foto überreichte, kam die Ansage des Zwergs: „Den haste nicht lange, Frolleinschen, jede Wette!“.
Tja, nimm das, du Unglücksunke. Ich habe meinen Führerschein nie verloren, ich habe keine Punkte und ich bin, neben Annika, die beste Autofahrerin der Galaxis. So sieht das aus. Gut, ich hatte einen heftigen Auffahrunfall bei regennasser Fahrbahn. Der Fiesta vor mir war nicht robust und ich hatte anschließend ein Problem mit meinem Nacken. Aber sonst war das nur Blech. Ach, und einen Fahrradfahrer hatte ich mal auf der Motorhaube. Aber das Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung wurde eingestellt, weil der Typ auf dem Bürgersteig gefahren ist, nach hinten schaute und noch einen halben Meter Platz gehabt hätte, mir auszuweichen. Hat er aber nicht gesehen. Weil er ja woanders hingeguckt hat. Ich wünsche ihm, dass sein Schlüsselbein gut verheilt ist.

Mein erster Wagen war ein Fiesta mit roten Ralley-Streifen, ein Zweitürer, dessen Fahrersitz nach einem Vorklappen nicht mehr einrastete. Bei jeder Bremsung klappte ich gemeinsam mit dem Sitz vor. Den Fiesta hatte ich bekommen, damit ich zur Arbeit fahren konnte und nicht immer das Auto meines Vaters nehmen musste. Denn der liebte sein Auto sehr und war nicht ganz zufrieden damit, es vorübergehend mit mir teilen zu müssen. Nicht, weil er mir nicht vertraut hätte, er wollte es immer nur gern in seiner Nähe haben.
Das zweite Auto war ein Corsa. Es war eine treue Seele, hatte aber hin und wieder Probleme. Einmal sprang seine Windschutzscheibe. Plötzlich war es, als würde ich durch dichtesten Nebel fahren. Ich sah nichts mehr. Ein anderes Mal fiel ihm der Auspuff ab. Als er nach langen Kämpfen mit der Dichtung des Zylinderkopfes bei einem Startversuch sehr laut knallte und kräftig qualmte, war seine Zeit gekommen.
Dann hatte ich einen Peugeot. In Gold-Metallic. Was war das für eine Farbe. Begnadet. Ich wollte mir einen Hut anschaffen und eine Klorollenversteckbarbie. Das hätte gepasst. Den habe ich verschenkt, als der Gutfrisierte hinten nicht mehr zwischen die Kindersitze passte. Denn drei Kindersitze und ein Mann, dafür war nicht genug Platz in diesem Auto.
Es gab einen großen Wagen. Einen Van. Wir fuhren zusammen viele Kilometer, mit dreihunderttausend (hunderfünfzigtausend waren meine) verschenkte ich auch den an einen Autotüftler. „Der Rote“, wie wir ihn heute noch nennen, war unser aller Liebling. Selbst die Falschbetankung mit Super statt Diesel nahm er mit einer hustenden Lässigkeit.
Danach kam „Der Dunkelblaue“. Wir sind zusammen zweihunderttausend Kilometer auf der Erde herumgefahren. Es war wie in einem Schiff. Er schaukelte mich montagsmorgens um fünf über die A drei bis Mannheim und zurück, verlässlich, liebevoll, treu und sicher. Bis auf die Steinschläge war alles gut. Und den Rußpartikelfilter. Und der Auspuff fällt bald ab. Und die fünfte Scheibe möchte die Versicherung vielleicht nicht mehr bezahlen.
Alter, treuer Blauer.
Aber Diesel eben. Und ich fahre ein bisschen weniger. Also überlegte ich, einen neuen zu erstehen. Gedacht, getan.

Jetzt habe ich ein leuchtend blaues Auto. Kleiner im Ausmaß. Damit komme ich nicht gut zurecht. Außerdem hatte ich ihn fünf Tage und schon war eine Schraube im Reifen. Bei all dem neuen Schnickschnack kann so ein Reifen schon sehr viel Geld kosten. Zum Glück ging es gerade noch anders. Jetzt muss ich schauen, ob es im Auto wieder pingt und mir sagt, der Reifendruck wäre zu kontrollieren. Überhaupt macht mir das Auto einiges an Vorschriften. Es pöbelt rum, wenn ich mich nicht anschnalle, was ich aber tue, nur manchmal eben erst nach drei gefahrenen Metern. Da springt das Auto schon aus der Hose.
Dann nölt es, wenn man am Bordcomputer rumfummelt, man soll auf die Straße gucken. Sowas alles.

Trotzdem glaube ich, wir kommen klar. Aber! ABER! Es muss in die Werkstatt, das kleine Indigoblaue. Denn es hat Probleme. Die Lüftung röhrt wie ein kranker Hirsch. Damit könnte ich leben. Womit ich nicht leben kann ist eine defekte Klimaanlage. Und nun muss ich an mich halten, dem Autoverkäufer nächste Woche, wenn ich die Kiste hinbringe, nicht an die Gurgel zu gehen mit den Worten:
„MAN KANN EINER FRAU IM KLIMAKTERIUM NICHT EIN AUTO OHNE FUNKTIONIERENDE KLIMAANLAGE VERKAUFEN, VOLLHORST!“
Wenn ich in dem Auto sitze, läuft mir die Brühe, so schlimm wie bei der Gartenarbeit.