Es ist mittlerweile soweit, dass ich es abgrundtief hasse. Das Kochen. Und ich habe mir Gedanken darüber gemacht, wie es so weit kommen konnte, wo ich doch einen Gesellenbrief im Kochen habe und eigentlich auch sehr gern esse. Ich kann kochen, ich weiß, wie das geht. Ich habe keine Probleme mit dem Timing, mit Gewürzen, ich komme klar in der Küche. An Weihnachten habe ich eine Telefon-Hotline, die regen Zuspruch in der Familie findet. „Wie ging das noch mit der Mousse?“ oder „Wirklich richtig heiß anbraten?“ und „Wie lange braucht das?“.

Aber für die Familie zu kochen, das kotzt mich an, wenn ich es einmal so rüde ausdrücken darf.
Warum ist das so? Erst einmal fällt mir einfach nichts mehr ein. Es ist, als wäre mein Kopf leergefegt, wenn ich darüber nachdenke, was ich kochen könnte. Da ist nichts. Gähnende Leere. Als ich hätte ich mich leergekocht.
Dann kommen die einzelnen Geschmacks- und Gesinnungsvorlieben dazu. Der eine isst kein Fleisch aus Überzeugung (jetzt ratet mal, wer? Genau. Alle Mädchen in der Pubertät, die etwas auf sich halten, wenden sich mit Grausen vom Töten der Tiere ab. Den Schwenk zum Veganen habe ich erfolgreich unterbinden können.), der nächste ist auf keinen Fall etwas vom Schwein, denn das ist unreines Fleisch (auch in unserem Haus darf jeder seine Religion leben, wie es ihm gefällt. Ich mache trotzdem Speck in den ein oder anderen Pfannkuchen, nimm das Allah.) und ein ganz anderer verweigert so gut wie jedes Gemüse, von Salat ganz zu schweigen und das völlig ohne Begründung.
Die fehlende Begeisterung für die Dinge, die ich koche, tut das Übrige dazu. Habe ich mich aufgerafft und zum Beispiel Lasagne zubereitet (zweierlei Lasagne, eine mit Gemüse, eine mit Fleisch von der Kuh, ja, so irre kann man sein!) und rufe: „Zu Tisch, zu Tisch, gekocht ist der Fisch! Herbei, herbei, gekocht ist der Brei!“ mit heiterem Frohsinn in der Stimme, passiert erst einmal genau nichts. Überhaupt gar nichts.
„Essen!“ in der Lautstärke der Trompeten von Jericho wird mit einem müden „Komme.“ beantwortet.
Ich sitze dann am Tisch, warte, und langsam trödelt einer nach dem anderen herbei.
Da hocken sie dann, stopfen sich in Hyperschallgeschwindigkeit (so wurde der Warp-Antrieb erfunden) ihr Essen hinter die Kiemen und sonst nichts. Es gibt keinen Kommentar über die Qualität des Zubereiteten, kein Wort zu Würze, Konsistenz, Geschmack, allenfalls wird über irgendetwas dumm rumgelabert. Laberlaber.
Und dann kommt der Höhepunkt. Wenn sie fertig sind, dann ist das höchste der Gefühle, dass mal Teller in die Spülmaschine geräumt werden. Und dann ist die Küche „aufgeräumt“. Ich setze das mit voller Absicht in Anführungszeichen.
„Aufgeräumt“
Ich lache mich tot.
Wenn ich sage, ich habe gekocht und würde deshalb die Küche nicht aufräumen, wie ich das so schön zuhause gelernt habe, in meiner ansonsten nicht unbedingt nachahmenswerten Herkunftsfamilie, wo der Vater einkaufen ging, kochte, sich täglich um die Speisung kümmerte und die Küche nur sehr selten reinigen musste, nur dann zum Beispiel, wenn er sie zu arg eingesaut hatte, wenn ich das also sage, nein sage, ich räume die Küche nicht auf, dann ist das, als würde man einen Haufen Kellerasseln oder Küchenschaben mit einem Flutlicht bescheinen. So schnell sind alle davon, so schnell kann man nicht schauen (auch hier wieder der Verweis zum Warp-Antrieb).

Wenn die ein oder andere Assel nicht schnell genug türmt, dann lässt sie sich hinreißen zu Reinigungstätigkeiten. Aber was soll ich sagen? Wieviel ist gewonnen, wenn die Küche zwar auf den ersten Blick recht reinlich wirkt, es aber grundsätzlich nicht dazu reicht, zum Beispiel die Kacheln hinter den Herdplatten so abzuwischen, dass sich nicht ein veritabler Fettfilm darauf befindet.
Oder wenn sich anschließend im Waschbeckenabfluss ein halber Kopf Salat mit fünfzehn Nudeln vermählt. Oder die Pfanne, der Topf und das Backblech bei der nächsten Benutzung zeigen, was sie als letztes getan haben? Man sozusagen das Essen der vergangenen Woche wie Jahresringe am Baum abzählen kann.

Das ist doch alles Scheiße und der Grund, warum ich einfach keinen Bock mehr habe, zu kochen.
Und andere kochen zu lassen, führt auch zu nichts. Erstens kommt sowas nur in Ausnahmefällen vor und zweitens sieht es danach eben auch aus wie in der letzten Schmuddelküche eines Schnellimbiss.

Was sollen wir mal essen?
Pfannekuchen.