„Nun, meine Herren, wollen wir beginnen. Ich begrüße Sie recht herzlich zu unserem heutigen Seminar zum Thema: „Was Frauen wollen“.
Mein Name ist Frau Lavendel und ich bin Ihre heutige Seminarleiterin. Was also ist der Sinn und Inhalt der Veranstaltung? Frauen zu verstehen und ihnen zu geben, was sie möchten, was sie wollen, was sie brauchen.
Und Sie, meine sehr verehrten Männer, haben für sich die Entscheidung getroffen, genau an der Stelle nach Unterstützung zu suchen. Auf dass Sie im alltäglichen Umgang mit den Frauen in Ihrer Umgebung Verbesserungen erleben und sich damit ein Stück weit auch das eigene Leben leichter machen.
Ich beglückwünsche Sie zu Ihrer Anwesenheit und verspreche Ihnen den ein oder anderen Aha-Moment, den Sie mit in Ihr Leben tragen können.

Nun wollen wir anfangen mit einem Thema, welches sich als sehr konfliktträchtig zeigt. Das Thema lautet: Der Müll.
Meine Herren, wer kennt das nicht. Mann kommt von der Arbeit, freut sich, die Schuhe von den pochenden Füßen zu streifen, auf Socken in die Küche zu gehen und sich aus dem Kühlschrank eine Kleinigkeit herauszunehmen. Ein Stück Fleischwurst, einen Joghurt, ein Bier, da ist der Mann sehr individuell. Meist ist die Entnahme verbunden mit der Entstehung einer kleinen Portion Müll. Dieser Müll, dass hat der kompetente Mann bereits im Seminar: „Ich möchte nicht angemault werden! Wie Männer Konflikte vermeiden.“ erlernt, wird nicht auf der Arbeitsfläche sondern in dem dafür vorgesehenen Müllbehälter entsorgt.
Nur kurze Zeit später hört der Mann aus der Küche einen lauten Fluch in Verbindung mit aktionistischem Getöse. Der sensible Mann bemerkt sofort, dass er mit den Vorkommnissen in der Küche in direktem Zusammenhang steht. Der etwas stoischere Mann bemerkt erst einmal nichts.
Was ist nun geschehen, in der Küche?
Die Frau öffnete den Bereich der Müllentsorgung und erblickte folgendes:

Nach der Ansicht der Situation im Mülleimer ist die Frau erzürnt, denn sie hatte schon mehrfach darum gebeten, dass der Müll in die dafür vorgesehenen Mülltonnen im Außenbereich entsorgt werden sollte. Dies ist offensichtlich noch nicht geschehen und sorgt bei ihr für die Entstehung eines zornigen Gefühls.
Was genau ist passiert? Können Sie sich die Situation erklären, meine Herren?
Was meinen Sie? Hier vorne? Sie? Wie ist denn Ihr Name?“
„Klaus.“
„Klaus. Was glauben Sie, könnte hier der Grund für die weibliche Verstimmung sein?“
„Hm.“
„Klaus, kommen Sie schon. Erzählen Sie uns, wie Sie die Situation einschätzen.“
„Hm, also… . Hm. Vielleicht…, naja, der Deckel…“
„Sie sind auf dem richtigen Weg, Klaus. Was ist mit dem Deckel?“
„Der ist nicht zu.“
„Richtig. Und was schlussfolgern Sie daraus?“
„Der hätte den Müll bisschen mehr zusammendrücken müssen. Dann wäre der Deckel auch zu gewesen.“
„Fast, Klaus. Fast. Nicht ganz, aber fast.
Der Deckel hat durchaus etwas mit der Harmoniestörung zu tun. Aber nicht im Sinne von: Fester drücken, Deckel zu. Es ist folgendes. Wenn der Deckel nicht mehr zugeht, muss der Müll hinausgetragen werden. Und dieses Müllhinaustragen ist ein männliches Monopol. Die Frau hat nichts zu suchen bei der Müllentsorgung. Sie fühlt sich damit überfordert und möchte, ja sie erwartet sogar, dass der Mann dieses Monopol fest in seinen Händen hält und auch verteidigt. Das erhöht das Ansehen des Mannes und den Stolz der Frau auf denselbigen.
Wenn also der Deckel des Mülleimers sich nicht mehr schließen lässt und der Mann schon vor einigen Stunden einen versteckten Hinweis auf sein Monopol erhalten hat, dann sollte er tunlichst und sofort den Müll raus oder runter, auf jeden Fall aber aus der Küche und in die Tonne tragen.
Wie kann so ein versteckter Monopol-Hinweis aussehen? Irgendjemand eine Idee?
Kommen Sie schon, meine Herren, so schwer ist das nicht. Jeder von Ihnen wird doch einmal einen bekommen haben.
Klaus?“
„Ja?“
„Eine Idee?“
„Wozu?“
„Wie lauten die ersten Hinweise, wenn der Müll voll ist?“
„Hmm…, weiß nicht so genau…“
„Klaus. Bitte. So schwer ist das nicht. Der erste Hinweis lautet:´Klaus, bring den Müll raus!`
Haben Sie soetwas schon einmal gehört?“
„Joah…“
„Gut. Wie reagieren Sie?“
„Also meistens warte ich erst mal ab.“
„Warum, Klaus? Warum warten Sie erst einmal ab?“
„Naja, es kommen ja in der Regel noch ungefähr weitere fünf Hinweise dazu. Die möchte ich eigentlich gern noch abwarten.“
„Aber Klaus, hier geht es ja heute nicht darum, was Sie möchten, sondern was Frauen wollen. Und Frauen wollen, dass der Müll entsorgt wird, wenn sie sagen, der Müll muss entsorgt werden. Ganz einfach. Aktion-Reaktion. Die Frau sagt es- Sie tun es. Und schon ist alles in bester Ordung. Es mag Frauen geben, die keine Hinweise geben und darauf hoffen und vertrauen, dass Sie als Männer selbst sehen, wenn der Müll voll ist. Klaus? Sehen Sie, wenn der Müll voll ist?“
„Joah…“
„Und was tun Sie dann?“
„Ich warte auf die Hinweise.“
„Warum?“
„Ich dachte, das muss so…“
„Das ist die hohe Kunst, sehr geehrte Herren. Männer, die es selbst bemerken. Und damit ganz genau wissen, was Frauen wollen. Die müssen aber einen Kurs wie den heutigen nicht besuchen.
Soviel erst einmal bis hierhin. Machen wir jetzt eine Pause. Im Foyer stehen für Sie einige Erfrischungen bereit. Auch ein paar Lineale haben wir hingelegt. Damit können Sie, wenn es Ihnen ein Bedürfnis ist, kurz vergleichen, wer von Ihnen den längsten Daumen hat.
Wir treffen uns in zwanzig Minuten wieder hier.“

PAUSE

„Meine Herren, schön, dass Sie wieder hier sind, beim zweiten Teil unseres Seminares „Was Frauen wollen“.
Der zweite Teil beschäftigt sich mit verbaler und nonverbaler Kommunikation. Kommunikation, was bedeutet das eigentlich? Es bedeutet, man teilt sich gegenseitig Dinge mit. Über Sprache oder Gesten, Mimik oder Hinterlassenschaften. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, sich mitzuteilen. Schwierig ist nur, dass manchmal das Gesagte und Gemeinte nicht deckungsgleich ist und vor allem der Mann bei dem, was die Frau will, was sie sagt und was sie tut, in schwer nachzuvollziehende Situationen geraten kann.
Klaus, darf ich Sie noch einmal als Erfahrungsobjekt benutzen?“
„Ja, benutzen Sie mich bitte…!“
„Klaus, wenn Ihre Frau ins Zimmer kommt und sagt ´Ich habe Ohrenschmerzen`, wie reagieren Sie?“
„Hm.“
„Wie reagieren Sie?“
„Na, genau so! Ich sag: Hm!“
„Sehr schönes Beispiel. Wissen Sie, meine Herren, wie die Frau von Klaus darauf reagieren wird? Ja? Sie dahinten, in dem roten Pullunder.“
„Guten Tag, Tobias mein Name. Also meiner Erfahrung nach wird Klaus Frau bestimmt meckern und sagen:´Dein Mitgefühl ist ja wieder supertoll. Interessiert dich wohl gar nicht, wie es mir geht. Blödmann!`. Also so macht meine das jedenfalls.“
„Tobias, das ist sehr interessant. Klaus? Was sagt Ihre Frau?“
„Nix.“
„Nein?“
„Nein. Die guckt dann nur so.“
„Wie guckt sie?“
„Naja, als hätte ich eine ganze Kiste voll Katzenbabys mit einem Skateboard fünfmal hintereinander überfahren.“
„Mögen Sie diesen Blick?“
„Nein.“
„Und was könnten Sie tun, damit dieser Blick gar nicht erst entsteht?“
„Hm. Keine Ahnung.“
„Erstens könnten Sie ihr in die Augen schauen, zweitens könnten Sie ihrem ´Hm`noch weitere Worte zufügen.“
„Und welche?“
„Wie wäre es mit einer Bekundung des Mitgefühls? So in etwa: Du Ärmste, das ist nicht schön.“
„Ja, und dann?“
„Sie könnten Ihr sagen, dass es sicher bald wieder besser wird.“
„Aber das ist doch klar. Dass es wieder besser wird. Sind doch nur Ohrenschmerzen.“
„Klaus, haben Sie manchmal Ohrenschmerzen?“
„Nein. Mit meinen Ohren ist alles cool.“
„Sind Sie manchmal krank?“
„Oh ja! Manchmal habe ich sehr schrecklichen Schnupfen. Wirklich übel. Dann geht es mir gar nicht gut. Das ist immer ein bisschen wie sterben. Und ich hatte mal einen Nierenstein. Meine Güte, bis ich den rausgepinkelt hatte, ich glaube, das war schlimmer als ein Kind zu gebären. Diese Schmerzen, unerträglich.“
„Und Ihre Frau?“
„Naja, die hat mir Schmerzmittel gegeben. Und Tee gekocht.“
„Hat sie auch etwas zu Ihnen gesagt?“
„Ja, das ein oder andere…“
„Was denn?“
„Och, du Ärmster. Komm mal her.“
„Und dann?“
„Hat sie mich in den Arm genommen.“
„Und wie fühlte sich das an?“
„Okay.“
„Glauben Sie, dass Ihrer Frau das auch gefallen könnte? Eine Umarmung, wenn es ihr nicht gut geht?“
„Joah, schon.“
„Hervorragend, Klaus. Meine Herren. Das ist es. Eine Umarmung. Ein paar Worte der Zuwendung. Bei Ohrenschmerzen zum Beispiel, kann man als Mann die Größe seiner Hände nutzen. Mann kann sagen: Es wird bestimmt bald besser, und dann legt Mann die große, warme Handfläche zart, sanft auf das Ohr und ich sage Ihnen, in dem Moment ist es besser.
Das haben Sie, meine Herren, sicher schon in ganz jungen Jahren von Ihren Müttern gelernt. Schmerz wegpusten, Unwohlsein fortstreicheln. All das ist keine Zauberei. Es funktioniert. Erinnern Sie sich.
Und schon haben Sie das getan, was Frauen so gern und dringend von Ihnen wollen. Zuwendung und Mitdenken. Es ist nicht mehr und auch nicht weniger. Und das können Sie mit ein klein wenig Anstrengung schaffen. Ein bisschen Einsatz. Sie wissen nun, was gewollt ist.
Hiermit endet unser Seminar für heute. In drei Wochen können Sie mein nächstes Seminar buchen. Es wird um das Thema: Wer will warum und überhaupt Sex oder nicht? gehen. Ich würde mich freuen, Sie wieder zahlreich begrüßen zu dürfen und wünsche Ihnen für die Zeit bis dahin alles Gute. Seien Sie harmonisch und achten Sie auf die Zwischentöne. Bis dahin.“