Gerade hatte es schreiben gelernt, das Wolkenköpfchen, da wollte es Schriftstellerin werden. Und weil ich mich gern daran erinnere, wie es damals war, als seine ersten Buchstaben zu Wörtern wurden, Wörter zu Sätzen und Sätze zu Geschichten, habe ich in meinem Computer herumgekramt und die erste Geschichte gefunden, die aus Wolkenköpfchens Kopf herauskam.

 

Weshalb das Kamel weint

Es lebte einmal ein Kamel. Es wollte etwas bestimmtes. Es wusste niemand, was das war, aber das Kamel wollte es auch nicht sagen. Es schwieg so lange, bis seine Freunde kamen. “Was ist mit dir los?” Erst wollte das Kamel nichts sagen, aber dann antwortete es.
“Ich will eine Mama. Sie ist tot. Ich will einen Papa, aber er ist ebenfalls tot.” Und das Kamel sagte:” Ihr dürfte es aber niemandem sagen.” “Wir schwören es auf unsere Namen!” sagte der Fürst. “Ja!” sagte Killerdog. So hießen die Kamele. Das Kamel weinte und weinte, wein, wein und nochmals wein. Sie wussten nicht, wie sie es trösten sollten. Sie beratschlagten sich nun. Selbst der Kamelkönig wusste sich keinen Rat. “Warum weinst du überhaupt?” “Ich will es nicht sagen.” “Warum nicht? Ist es etwas schlimmes, was andere nicht mögen?” “Nein!” Dann sagte das Kamel alles. “Meine Mama ist tot obwohl ich sie so gern mag, und mein Papa ist tot obwohl ich ihn so gern mag.” “Du kriegst vielleicht meinen Bruder und meine Schwester. Die wollen nicht König sein.” “Oh ja, das ist toll!” Und es wurde ein großes Fest gefeiert und das Kamel war voll glücklich.

Wolkenköpfen