Auf youtube kann man sich Filme ansehen von Menschen, die sich freuen. Die ausflippen vor Glück und Freude. Im Radio hört man sie, die kreischenden, quietschenden, nach Luft schnappenden, von Freude schier überwältigten Leute, die etwas gewonnen haben. Eine Reise nach Belutschistan oder das Geld für die letzte große Rechnung.
Ungläubig schreien sie, rufen ihren Unglauben in die Welt hinaus, springen aus dem Stand einen Meter hoch oder zwei Meter weit.
Und ich suche schon die ganze Zeit nach einer Gelegenheit, zu der ich mich so unbändig gefreut habe.
Ich klappere die Erlebnisse ab.
Als ich meinen ersten erfolgreichen Auftritt als Schauspielerin hatte? Ich war das Brüderchen aus „Brüderchen und Schwesterchen“. Und somit auch das Reh. Und ich bekam freundlichen Applaus. Es war das erste Schuljahr und ich hatte eine Hauptrolle. Also freute ich mich. Vor allem, als es vorbei war. Aber die Freude war nicht die, die ich suche. Ich suche nach diesem hirnlosen Glücksmoment.
Als ich den Gutfrisierten bekam? Auch nicht. Die Kinder? Das war anders.
Neue Kleider? Schuhe? Auto?

Kann es wohl sein, dass ich noch nie so exaltiert vor Freude aus dem Häuschen war? Bin ich jemand, der sich nicht freut wie bekloppt, sondern eher freut mit einer gewissen Zurückhaltung? Würde ich gern einmal ausflippen?
Oder bin ich wirklich da zuhause, wo die Freude etwas leiser ist?
Gehe ich zum Freuen in den Keller?

Nein. Das tue ich nicht. Aber ehe ich komplett aus mir herausfalle, kann es schon eher sein, dass mir ein Tränchen ins Auge kommt vor Glück.
Denn ich hatte schon einige Momente des Freuens. Aber schrei vor Glück, das ist möglicherweise nicht mein Metier.

Den Rest des Tages werde ich mich fragen, ob ich dies bedauere. Ob ich gern einmal komplett ausklinken möchte. Und ob ich das im Rahmen von Freude machen möchte. Oder ob ich nicht einfach so einmal aus mir raus will.
Irgendwo hinstellen und losschreien, all das herauslassen, was tief drin steckt. Hineingestopft in die Tiefe des Seins. Hochblubbern lassen und raus. In einem wilden Rausch.
Lohnt sich ein Seminar „Urschreitherapie – Lass es raus!“ für mich?
Ich probiere es erst einmal im Keller, wenn ich nachher allein im Haus bin.
Wenn jemand etwas hört, bitte nicht erschrecken. Ich erschaffe mir neue Erinnerungen, in denen ich einmal alles loslasse.

(Wie schrecklich, dass mir jetzt das hier durch den Kopf blubbert. Das habe ich so nicht gewollt! Wie bekomme ich den Scheiß da wieder raus? Hilfe!)