Ich kann nicht sagen, ich hätte mich nicht bemüht.
Sehr habe ich mich bemüht. Ich habe versucht, mich an den guten Dingen entlang zu hangeln. Seit einundzwanzig Tagen versuche ich das. Gnadenlos. Seltsam ist nur, dass ich, je länger es dauert, um so mehr weinen muss. Heimlich, versteht sich. Dann sitze ich im gelben Sessel, den ich mir einmal zum Geburtstag schenkte, direkt am Fenster, starre hinaus in das trübe Grau.
Und heule. Und heule. Und heule.
Furchtbar ist das. Dann glaube ich, all die guten Gedanken und Erinnerungen, die ich mir zusammensuche, sind keine Seile, an denen ich mich festhalten kann, es sind nur Spinnenfäden, die dem Gewicht dessen, was sie tragen sollen, nicht stand halten. Sie reißen einfach und ich falle.

Die Frage ist, was tun?
Die Antwort ist: Fünf Minuten. Wie immer. Halte es fünf Minuten aus. Wenn diese fünf Minuten geschafft sind, dann fühlt es sich schon anders an. Länger als fünf Minuten erträgt der ganze Mensch so ein Gefühl nicht und schraubt sich darum wieder runter. Fünf Minuten. Man schafft es, weiter fünf Minuten zuzusehen, wie das Kind ums Überleben kämpft. Man schafft es fünf Minuten weiter zuzusehen, wie der Vater stirbt. Fünf Minuten schafft man es, auszuhalten, dass Bärbelino nicht mehr da ist.
Fünf Minuten erträgt man noch weiter das eigene Kindgewesensein. Fünf Minuten hält man das Verlassenwerden aus. Das Ungeliebtsein. Das Verzweifeltsein.

Also heute hinter dem Türchen fünf Minuten für jeden, der denkt, er erträgt es keine Sekunde mehr.
Versuch es. Für fünf Minuten. Dann schau weiter.
Und wenn fünfundzwanzig mal fünf Minuten vorbei sind, sitzt man nicht mehr auf einem gelben Sessel und weint.
Hat man viel Glück, sitzt man auf einem Küchenstuhl, daneben drei Halbwüchsige, die eine Menge Unsinn erzählen und man lacht.

Fünf Minuten.