Kind der Achtziger. Da hatte man dort, wo ich mich herumtrieb und mit verhaltenskreativen Möchtegernhippies als Eltern die Verpflichtung, friedensbewegt zu sein. Und sich mit dem Direktor des Gymnasiums, auf dem man sich noch für kurze Zeit herumtreiben würde, bevor man mit freundlichen Worten zur Tür gebracht worden sein wird, herumzustreiten darüber, ob man nun auf die große Friedensdemonstration in die damalige Bundeshauptstadt gehen dürfe oder nicht. Nicht. Weil es ein Schulsamstag war und da musste man in die Schule gehen. Der Direktor war mitnichten friedensbewegt und nicht gewillt, irgendwelche Ausnahmen zu gewähren. Schon gar nicht, wenn es sich um Kolleginnenkinder handelte.
Ich war jedenfalls in der Tiefe meiner Seele unglücklich, wollte ich doch meinem ausgeprägten inneren Pazifismus Ausdruck verleihen. Und durfte nicht.
„Waffen? Nein Danke!“ und „Pershing II? Nein Danke!“
Damit dekorierte ich meine Schulutensilien. Um meinen Standpunkt klar zu machen.
Ich diskutierte über die Verwerflichkeit jeder Waffe, ob klein oder groß und war thematisch nahe bei Jesus, die andere Backe, die Geschichte ist bekannt.
Und was ist aus mir geworden?

Was ist nur aus mir geworden.
In den Raunächten passierte folgendes. Lähmende Langeweile machte sich breit. Weil ich mir selbst versprochen habe, mehr Spaß zu haben und nicht erst zum Jahreswechsel damit anzufangen, ließ ich mich inspirieren zu einer Freizeitbeschäftigung, die ich damals, in den Achtzigern, als friedensbewegte Pubertistin ins Reich der Hölle verwiesen hätte.
Lasertag.
Mit Laserstrahlen andere Leute abknallen.
Und was soll ich sagen. Ich war gut. Ich habe geballert wie eine Irre und hatte Punktzahlen, da konnten meine familiären Mitstreiter nur von träumen.
Als ich erst einmal geschnallt hatte, dass die Jungs aus der familienfremden Gruppe schon sehr routiniert waren und uns schossen wie die Häschen, entfesselte ich das Ballertier in mir und los ging die wilde Hatz.
Die familien- und auch sonst fremden jugendlichen Jungs aus der anderen Gruppe, sie kannten keine Gnade. Und ich auch nicht. Gut, ein paar Mal gab es das Problem, dass ich familieneigene Gruppenmitglieder abschoss. Friendly fire. Man kennt das ja. Die kommen um die Ecke und Bähmm, erledigt.
Nach fünf Sekunden laufen sie ja wieder rund. Da ruft man kurz: „Scusa!“ und dann muss auch gut sein.
Den Fremdlingen bietet man nach dem Abschuss ein Pflaster an und lacht sich kaputt. Insgesamt habe ich sehr viel gelacht, es fehlte ein bisschen der Ernst bei der Sache. Häuserkampf in lustig, das ist ja schon pervers.
Aber es entspannt, es bringt Erfolgserlebnisse, noch Tage später denke ich daran und ein irres Lächeln huscht über mein Gesicht.

Noch bin ich nicht sicher, ob ich das öfter machen soll oder ob sich da in meinem Kopf das ganze bedenklich nah an einem Schalter abspielt, den umzulegen für die Menschheit keine gute Idee ist.

(Egoshooter? Zuhause? Tut mir leid. Das geht nicht. Sobald sich digitale Spiele im Dreidimensionalen Raum bewegen, muss ich nach nur fünf Minuten brechen. Dafür reicht es in meinem Hirn dann doch nicht. Zuhause nur Kartenspiele.)