Ich weiß es doch auch nicht.
Eben war noch Weihnachten, dann Silvester und jetzt hampeln hier schon wieder die Jecken umeinander. Nächste Woche knallt das Rheinland durch, mutiert zur Hauptstadt der Frohnaturen und ich bin, wie in jedem Jahr, damit beschäftigt, meine Angst vor diesen verdammeleiten Lappenclowns im Zaum zu halten.
Ich mache mir dabei die Techniken der Selbsthypnose zunutzen.
Dazu brauche ich ein Sofa, wahlweise eine Couch, gern mit weichem Kissen und behaglicher Decke. Es darf auch ein Bett sein.
Ich lege mich in eine bequeme Position, in welcher nichts drückt oder zwickt oder sonst wie einengt. Beim Nachspüren, ob alles soweit kommod ist, zeigt sich schnell, dass der momentan getragene BH nicht ganz den Ansprüchen an Behaglichkeit entspricht, weshalb ich mich halb aufrichte und mit dem Büstenhaltertrick bei einigen Verrenkungen den BH aus meinem Pulloverärmel herauszaubere.
Wenn dann die Gesamtsituaton als wohlig eingestuft werden kann, atme ich einige Male ein und aus, in den Atempausen spreche ich innerlich mein Mantra.
„Ruhig, gelassen, ein und aus, doremifasolatido.“
Dann hypnotisiere ich mich.
Ein und aus, ein und aus, der Atem fließt.

Und wenn ich fertig bin mit der Hypnotisierung, werde ich wieder wach.tauche ich aus den Tiefen meines Bewusstseins wieder auf. Und freue mich.
Schlafen Hypnose am Mittag kann so erfrischend hilfreich sein.
In dieser Zeit der Hypnose, ich nenne sie auch gern Qualitytime, angelehnt an Qualitystreet, die aber früher sehr viel besser schmeckten als heute, wo ich sie nicht mehr mag, außer die langen Karamellstäbchen mit Schokoladenüberzug, die sind immer noch gut, auch die in Goldpapier gewickelten Karamelltaler, die Zähne töten, aber diese Erdbeer- und Orangencremedinger sind mittlerweile wirklich widerlich aber egal, in dieser Qualitytime habe ich auch keine Angst. Vor nichts und niemandem. Schon gar nicht vor diesen albernen Clowns. Nimm das, Pennywise!

Habe ich nicht genug Zeit für eine tiefergehende Selbsthypnose, so greife ich zur Phantasiereise. Auch diese leite ich mit ein paar tiefen Atemzügen ein, begebe mich aber nicht in eine besondere Position oder an einen besonderen Ort, so eine Reise ist überall und immer möglich.
Ein und aus, ein paar Mal tief in den Bauch atmen, das Zwerchfell gründlich durchbewegen und dann dem Gehirn ein paar einfache Befehle geben.
„Stopp. Nicht über dieses oder jenes nachdenken. Nicht in die Richtung der Traurigkeit schauen, nein, hier geht es lang, bitte, keiner aus der Reihe tanzen, alle Gedanken in diese Richtung, ja, genau, folgen Sie bitte den Wegweisern!“
Und was steht auf den Wegweisern?
„Reise ins eigene Zimmer“ steht darauf. Und die Gedanken schippern vergnügt darauf zu. Die Wände werden weiß gestrichen, der Fensterrahmen auch, die Tür frisch lakiert. Ein neues Bett wird gekauft, mit richtig feinen Matratzen, damit der Rücken sich freut. Der Sessel kommt auch hinein und es kann sein, dass sich irgendwo eine schöne Gardine findet, die an einem Sommertag am geöffneten Fenster sanft hin und her schwingt, denn es wird ein Dachfenster geben, damit man Durchzug machen kann. Der Wandschrank wird herausgerissen und aus dem Fenster geworfen, mit Schwung, damit er nicht auf dem Balkon zwischenlandet. Stattdessen kommt eine Kommode dort hin, damit Handtücher und Bettwäsche ordentlich untergebracht werden können.
Auf dem hübschen und ebenfalls neu lakierten Nachtschränkchen wird eine schöne Lampe stehen und ein paar Bücher liegen. Und welches Bild hängt an der Wand? Dieses? Jenes? Das da? Oder nicht? Ein ganz anderes? Gemach, Gedanken, jetzt nicht in Hektik ausbrechen, noch ist ein bisschen Zeit. Nichts überstürzen.
Nur die Patchworkdecke ist schon fertig und wartet darauf, in das eigene Zimmer umziehen zu dürfen.

Wenn die Realität dann an meinem Hosenbein zippelt und möchte, dass ich mich mit den realen Dingen beschäftige, drehe ich den Lautstärkeregler der Gedankenreise einfach um zwei Striche herunter, denke ein bisschen leiser.

Aber nichts desto trotz. Diese Reise hat ein Ziel. Und das ist im wahren Leben. Und Ende April wird es den Zieleinlauf geben und im Mai, da wird es soweit sein.
Das erste Kind zieht aus, mit Sack und Pack und dann: Zimmer frei.

Das geht, wie anfangs erwähnt, rasant schnell, war doch eben erst Weihnachten.