Wenn mir etwas wehtut, habe ich ein gewisses Mitteilungsbedürfnis. Das kommt daher, dass der Gutfrisierte ein aus Prinzip nicht mitleidender Mensch ist, mir das Mitleiden jedoch gut tut und dementsprechend fehlt.
Weshalb ich heute schon wieder hier herumlarmoyiere. Damit ich das Gefühl habe, ich bin nicht so allein.
Außerdem entbehrt das Ganze mitunter nicht einer gewissen Komik und ist somit auf jeden Fall blogable (gibt es das überhaupt, dieses Wort? Nein. Egal.).

Als kurzes Zwischenspiel und im Hinblick auf den nicht mitleidenden Gutfrisierten eine Anekdote einer alten Dame. Es ist ja mittlerweile bekannt, dass ich mit alten Damen recht gut zurecht komme. Meistens zumindest. Es gibt auch Ausnahmen. Das ist eine andere Geschichte. 
Eine alte Dame also. Ihr Mann starb vor vielen Jahren und sie war sehr traurig darüber. Sie kamen Zeit ihres Lebens recht gut zurecht miteinander. Er wurde begraben, sie verlängerte die Grabzeit alle fünf Jahre und ließ von einem Gärtner alles schön in Ordnung halten. Vermutlich ging sie hin und wieder auch selbst zum Grab und goß ein paar Blumen. 
Nun verging Jahr für Jahr und die alte Dame wurde immer älter. Und ihr Gehirn fing an, kleine Kapriolen zu schlagen. Hier und da wurde dies und das vergessen. 
Eines Tages war es soweit, in irgendeinem Areal geriet etwas sehr durcheinander im Oberstübchen und plötzlich wusste sie, ihr Mann war wieder auferstanden von den Toten. Er lebte. Was für eine Überraschung. 
Die Sache hatte einen Haken. Er kam nie zu ihr, obwohl sie ihn regelmäßig zum Essen einlud, für ihn kochte und den Tisch deckte. Schnell kam sie dahinter, warum er sie nicht aufsuchte. Er hatte, empörender Weise, eine Neue. Eine blonde Schnalle. Und mit der betrog er sie. Da hatte er aber die Rechnung ohne seine Witwe gemacht. Als erstes wollte sie die Witwenrente nicht mehr haben. Denn er war nicht tot. Und sie wollte die Scheidung. Als nächstes kündigte sie die Grabstätte und Pflege. Das hatte er beim besten Willen nicht verdient, dass sie sich weiter um sein Grab kümmerte, während er sich mit der Blonden verlustierte. Und als Lebender ein Grab, was soll das denn? 
Nun hat sie beschlossen, dass sie ihn nicht mehr leiden kann, weil er so ein untreuer Geselle ist und weil keiner sie bei ihren Plänen bezüglich einer Scheidung unterstützt, wird sie einfach so tun, als hätte sie ihn nie kennengelernt. So kann`s gehen, in der Ehe.

Ich fühle mich nicht gut, der Hund muss trotzdem raus. Wie immer. Und wie ich bereits erwähnte, Bewegung ist gut, so wird es behauptet. Bevor ich mit dem Hund das Haus verließ, stand ich vor dem Renovierungsstau an den neu eingesetzten Fenstern, für die ich höchstselbst aus Rigips eine Innenverkleidung basteln wollte. Ich fuchtelte mit einem Zollstock, notierte wahllos Zahlen auf einem Block, wuschelte in der Dämmung herum und wusste auf einmal, das Ding hier ist eine Nummer zu groß für mich. Trotzdem ging ich noch in den Keller, nahm mir einen Holzbalken, sägte ein bisschen mit der stumpfesten Säge, die je ein Holz zuvor gesehen hat, an dem Balken herum, versuchte es mit zwei anderen stumpfen Sägen, alleweil der Rücken lauthals herumbrüllte, ob ich wohl noch alle Tassen im Schrank hätte.
Dann brach ich zusammen. Ich lief, so schnell es meine momentan quasimodoeske Fortbewegung erlaubte, die Treppe hinauf, schluchzte, warf mich nicht auf das Bett, sondern ließ mich sehr vorsichtig über die Seite hineingleiten und wurde sodann von einem Heulkrampf geschüttelt. Weil ich fand, dass das alles eine riesengroße Scheiße sei. Ich heulte mich selbst an: „Warum muss immer ich diese ganze Kacke machen? Warum ich? Warum nicht… egal. Wo ist mein Papi? Ich will meinen Papi!!“
Herrjeh.
Zwischen fünf und fünfzehn Minuten jaulte ich aus tiefstem Herzen, dann jaulte der Hund. Ich rollte mich achtsam aus dem Bett, zog mir artistisch die Schuhe an und watschelte in Richtung des Waldes.
Direkt am Waldeingang, da stand der Mann, der sein Haus ein Jahr lang umgebaut, saniert, renoviert hat. Der Mann, der immer lässig mit einer Kippe im Mundwinkel grüßt. Der zwei kleine Klopshunde hat. Und er sprach in sein Handy: „Diese Woche ist ziemlich ruhig.“
Und ich kam plötzlich vom Planeten Quatschbacke.
„Guten Morgen! Eine ruhige Woche? Na sowas! Wie schön. Ich hätte da mal eine Frage…“
Morgen kommt er und macht diese dammische Innenverkleidung. Vermutlich denkt er, ich habe sie nicht mehr alle. Aber was soll es denn. Ist ja auch so. Realität. Ich bin behämmert. Was habe ich mir dabei nur gedacht? Innenverkleidung mit Rigips. Alter, ich bin Köchin, Heilpaprika, Klempner, Waschmaschinenanschließer, Steuerfritz, Autobeauftragter und was nicht noch alles. Aber ich bin kein Trockenbauer. Ich habe keine Ahnung davon. Null.

Demnächst ducken sich alle weg, wenn ich in den Wald gehe. Denn wenn ich den Mund aufmache und sage: „Ich hab da mal eine Frage…“, dann ist das verbunden mit meinem Irrsinn. Aber auf diese Art und Weise kam das Wolkenköpfchen zu einer native english Sprecherin, die ihr in der mündlichen Prüfung zu einer durchaus erfreuliche Leistung verholfen hat.
Die hat einen beigen Hund, der gern mit meinem schwarzen Hund spielt. Und zack, hatte ich sie nach ihrem Akzent gefragt und ob sie sich vorstellen könne, jemandem das Englische nahe zu bringen. Sie konnte.

Nun denn, morgen früh gehe ich, während hier trocken gebaut wird unter der Aufsicht meiner Schwester, zur Physiotherapie und lasse mir die unteren Lendenwirbel amputieren bewegen. Und renovieren tu ich nicht.