Es gibt Momente, da hätte ich es gern anders. Wirklich gern. Da würde ich mein Leben gern so haben:

– deutlich weniger denken!
– religiös sein und deutlich weniger denken!
– seltener zweifeln!
– noch weniger denken!

Dieses Denken, diese unablässige Bewegung in meinem Kopf, das macht mich wirklich irre. Das sind nicht ständige Gedanken wie zum Beispiel, was soll ich morgen kochen? Muss ich heute noch staubsaugen? Ich muss noch die Puppe fertignähen, was soll sie nur für eine Haarfarbe haben? Warum habe ich vergessen zu tanken? Muss ich meine Mutter anrufen? Wie oft muss ich noch auf einem Klo ohne Kopapier sitzen bleiben?
Auch, aber nicht nur.
Es sind andere Gedanken, die kreisen und herumkurven, und diese Gedanken sind manchmal so unerträglich laut.
Dann schreit es förmlich in meinem Kopf herum.

Warum sind Kinder so schwierig?
Hätte ich etwa anders machen sollen? Müssen? Können?
Wird es mir irgendwann gelingen, mein Leben so auf die Reihe zu bekommen, wie ich es gern hätte?
Werde ich mich jemals in der Tiefe glücklich fühlen können? Länger als einunddreißig Sekunden?
Wie groß ist das Weltall? Wo ist es zuende? Gibt es die Unendlichkeit? Sind meine Gedanken nach dem Denken weg? Was machen Gedanken mit meinen Gehirnwindungen? Verändert sich etwas in meinem Kopf, wenn ich denke?
Wie klein bin ich? Wie groß bin ich?
Wie kommt es, dass ich immer weniger lache?
Wie kommt es, dass ich immer noch lachen kann?
Wo sind alle meine Toten hingekommen?
Warum liegen immer noch die Ballons im Wohnzimmer herum?
Werde ich Schokoladenkuchen ohne Desaster backen können?
Kommen Magenschmerzen von zuviel denken?
Hat der Hund einen Floh?
Was stand noch in dem Buch, das ich gestern fertig gelesen habe? Warum fahre ich manchmal los und weiß plötzlich den Weg nicht mehr? Wie schalte ich den Autopiloten aus?
Warum schenkt mir der Gutfrisierte keine Blumen?
Warum lasse ich mich von meinen Kindern anmeckern?
Kann ich meine Kindheit jemals hinter mir lassen? Werde ich sie irgendwann nicht mehr spüren?
Wie klein können Narben werden?
Warum habe ich so wenig Schuhe? Warum ist mir das egal, dass ich so wenig Schuhe habe?
Stirbt in diesem Frühling wieder einer, der mir fehlen wird?

RUHE! Haltet das Maul, ihr verdammten Denkvorgänge! Eine kleine Meditationsübung später sind die ganzen Kollegen schon wieder da und texten mich munter weiter zu.
Das kann doch nicht wahr sein, wirklich. Die wollen einfach nicht still sein.

Ich vermute, es liegt an der Jahreszeit. Es gibt Jahreszeiten, die sind besser als die anderen. Da denke ich nicht so viel.
Und in manchen Zeiten reicht der Platz im Kopf nicht.