Ich bin es so leid. So abgrundtief leid! Ich kann gar nicht sagen, wie leid ich es bin. Also mehrere Sachen, meine ich.
Und ich weiß gar nicht, was ich am meisten nicht mehr möchte. All die Todesfälle, die sich so sehr um mich herum häufen, dass ich mir mitunter überlege, ob sich das Aufstehen noch lohnt. Jetzt hat es schon wieder eine Frau erwischt, der ich ein Weiterleben mehr als gegönnt habe, die aber schon mit Anfang fünfzig dem Krebs nicht mehr entfliehen konnte. So eine verdammte Scheiße. Und die nächsten wundervollen Frauen stehen schon in der Reihe und der Tod lässt vermutlich nicht mehr allzulange auf sich warten. Da wird dann die nächste Beerdigung kommen, auf die ich gehe.
Dabei möchte ich Leben. Fröhliches Frühlingsleben in lindgrün. Übersprühende Freude. Verdammt. Das ist doch nicht zu viel verlangt.
Stattdessen liege ich in der Ecke und habe eine schlimme Krankheit nach der nächsten. Husten? Lungenkrebs. Kopfschmerzen? Hirntumor. Beinschmerzen? Arterielle Verschlusskrankheit. Außerdem noch Lungenembolie, Darmkrebs, Magenkrebs, Pankreaskarzinom, der ganze Scheiß. Ich hab sie alle. Wie in meinen schlimmsten Hypochonderzeiten.
Aber verdammt, es passiert. Es ist real. Die Leute sterben um mich herum wie die Fliegen. Und wie kommt es, dass ich noch am Leben bin? Ich hätte schon mit sechs Jahren sterben können, als ich im Mittelmeer von der Luftmatratze kippte und nur durch unerhörtes Glück an den Haaren aus dem Wasser gezogen wurde, weil einer gut tauchen konnte. Oder mit zehn, als ich dieses elende Stück Apfel im Hals klemmen hatte, das keine Luft mehr durchließ. Einen Kopfstand und mehrere Rückenschläge später ging es weiter, das Leben.
Auch Geburten sind immer eine Wanderung auf dem Grat zwischen Leben und Tod.
Wer wirft die Würfel in diesem Spiel? Doch wohl niemand. Also heißt es: der eine lebt, der andere stirbt.
Und irgendwann erwischt es jeden. Wirklich jeden. Den einen früher, den anderen später. Und manchmal einfach nur die Falschen.
Wem ich es wirklich gönnen würde, tot vom Gaul zu kippen, muss ich das wirklich explizit sagen? Wenn ich die Zeitung aufschlage, den Computer hochfahre, Nachrichten anschaue, dann denke ich jedes Mal: Warum? Warum kann dieser schreckliche Mann nicht einfach einen feinen Infarkt bekommen? Einen Apoplex. Opfer eines Attentats wird er nicht, er ist gut geschützt. Aber warum kann sich die Welt nicht selbstreinigend von so einem Idioten befreien? Einem Idioten mit der Macht, die Welt zu zerstören.
Ich ertrage es nicht mehr. Gute Menschen sterben. Bescheuerte Volltrottel leben. Wo bleibt da bitte die Gerechtigkeit?
Gibt es nicht? Genau.
Es gibt keine Gerechtigkeit. Kein Karma. Das ist alles für den Eimer.
HimmelArschundZwirn.
Ich werde so was von ungehalten über den Gesamtzustand. Die Gesamtsituation.
Diese Welt, sie macht mich fertig, dieser Tage.