Wenn schon früh morgens der erste Gedanke mordlüstern ist, wie soll aus einem solchen Tag noch etwas werden? Um fünf Uhr in der Frühe den Wunsch nach einem laxen Waffengesetz zu verspüren, da erkenne ich mich kaum wieder. Denn eigentlich möchte ich ein pazifistischer und friedliebender Mensch sein. Im Moment ist das nur leider nicht ganz einfach. Ich vermute, es ist etwas Hormonelles.
Wer käme sonst auf die Idee, unter Zuhilfenahme eines Raketenwerfers laut jubilierende Singvögel zu eliminieren? Genau. Niemand, der noch bei Sinnen ist. Die zwitschern doch nur, ruft mein Dr. Jekyll-Anteil weinerlich herüber. Aber Mr Hyde grunzt und ist kurz davor, den Hulk von der Leine zu lassen.
Und mit diesem leichten Schimmer von grün bewege ich mich durch den restlichen Tag. Da kreischen Nachbarskinder unter meinem Fenster und wiederholen in einer endlosen Schleife: „Du bleibst bei miaaaaaa!“
„Neiiiiin, duuuu bleibst bei miiiiaaaa!“
Und wieder sehe ich den Raketenwerfer vor mir und es wird in einem kurzen Moment besser, als eines der Kinderstimmchen ruft: „Hör auf, du blöder Kacka.“
Sie beschimpfen sich noch ein Weilchen, bis eine Mutter dazwischen geht und um mehr Anstand und Freundlichkeit bittet. Sie kassiert ein: „Du bist so fett wie die ganze Welt!“
Was mischt sie sich in Sachen ein, die sie nichts angehen. Ich hätte mich ja auch gern aus dem Fenster gelehnt und gezielt. Oder zumindest gekeift. Aber das habe ich nicht. Ich erfreue mich an „Du stinkst wie ein fetter Haufen.“ und „Du hässliche, dumme, alte Kotzblume.“
Und ultimativ: „Du eine Billionen fetter Blumenkohl.“

Sie drücken einfach nur aus, was ich fühle. Ich möchte auch herumlaufen dürfen und Personen rundmachen. Mit bösen Worten. Einfach mal dem Gutfrisierten ein „Und du stinkst und du pupst wie ein Auto.“ entgegenwerfen. Zur Begrüßung. Anschließend gehen. Oder Killerdog sagen: „Bist du blöd geworden, du Popospinne?“, kaum dass er zur Tür hereinschaut. Dem Wolkenköpfchen ein stacheliges: „Ist mir doch scheißegal!“ entgegenzwitschern. Der Fürst ist in Sicherheit. In seiner eigenen Wohnung kann ich ihm nix, ich kann noch so laut brüllen, der hört das nicht. Ich könnte natürlich vorbeifahren und ihn anmeiern (schreibt man anmeiern mit ei?), der Aufwand wäre mir aber zu groß.

Und das alles nur aus diesem inneren Gefühl heraus, nicht ganz gerade sortiert zu sein. Ich bin schon mit dem Hund durch den Wald gerannt. Also nicht gerannt. Zügig gegangen. Stechschritt nannte man das früher. Und mir diesen Zorn herauszulaufen. Ich habe einiges herausgeschwitzt. Aber das irrwitzige innere Toben war nicht dabei.

Jetzt hoffe ich, dass ich morgen nicht mehr ganz so grantig bin. Dass es vom Schlafen besser wird. Dass ich nicht als erstes Gedanken habe, mit denen man das Storyboard eines Tarantino-Films bestücken könnte. Denn ich kann schon fühlen, wie mein Gesicht eine weiter Falte bildet. Die klimakterische Zornesfalte. Und das möchte ich unterbinden. Ich möchte nämlich ein freundliches Gesicht haben. Mit Lachfalten. Keine Griesgramfresse.

(P.S.: Und ich möchte allen Politikern auf dieser Welt die Twitterkonten sperren. Trump, Söder, Lindner, allen! Damit man den Stuss, den sie sich ausdenken, während sie auf dem Lokus sitzen und Langeweile haben, weil es doch ein bisschen dauert bis zur Niederkunft, nicht mehr mitbekommt. Ist nämlich auch nicht gut für Haut und Wohlbefinden meinerseits.)