Sie hat ganz schön viel Kraft. Ihre Arme pressen die Luft aus meinem Körper und sie hält mich mit ihrer Stärke fest. Die Sekunden vergehen und die Umarmung wird noch intensiver.
„Weißt du, vielleicht hatten wir Angst.“
„Das kann schon sein.“
„Angst davor, uns zu treffen. Angst, Essen zu gehen.“
„Bestimmt ein bisschen.“
„Aber jetzt tat es doch gar nicht so sehr weh.“
„Ein bisschen tat es weh. Nicht übertrieben.“
„Ja, genau richtig. Nicht zu viel Schmerz, nicht zu wenig.“
„Finde ich auch.“
„Aber vermisst habe ich sie schon. Dieser dritte Stuhl war in manchen Augenblicken so ausgesprochen leer.“
„Vielleicht war er gar nicht so leer wie wir glauben.“
„Meinst du?“
„In meinen Gedanken jedenfalls war er nicht leer. In meinen Gedanken saß sie bei uns.“
„Stimmt. Und hast du nicht auch dieses leise Wispern gehört, wenn wir mal einen Moment still waren?“
„Als du auf dem Klo warst, da habe ich auf jeden Fall etwas gehört.“
„Was denn? Was hat sie gesagt?“
„Sie hat gesagt: „Warum habt Ihr das nicht schon viel früher gemacht, Ihr beiden Angsthasen?“ und ich habe geantwortet: „Weil du Du uns so sehr fehlst und wir es noch immer nicht glauben wollen, dass Du nicht mehr bei uns bist.“ und dann habe ich möglicherweise ein Kichern gehört.“
Ihre Arme werden weicher, sie lässt mich langsam los, gibt mir einen kleinen Kuss auf die Wange.
„Sie wäre zufrieden gewesen mit diesem Abend.“
„Das wäre sie. Das Essen hätte ihr geschmeckt, die Wärme des Abends hätte ihr gefallen, unsere Gesprächen hätte sie genossen.“
„Darum müssen wir das wieder machen. Essen gehen.“
„Und es genießen.“
„Dann hören wir sie wenigstens wieder leise Lachen.“