Manchmal möchte man dreißig Sekunden nach dem Wachwerden einfach wieder einschlafen, nur damit man nicht denken muss. Es ist so angenehm, an nichts zu denken. Direkt nach dem Aufwachen, wenn das Hirn noch träge ist und die Gedanken sich noch nicht sortiert haben. Sie flitzen durch den Kopf und lassen sich gar nicht richtig denken, sind viel zu schnell. Dann aber kommt dieser Augenblick, an dem klärt sich die Sicht, das Hirn kommt in Gang und erkennt und versteht die Gedanken, die eben noch vorbeiflogen. In diesem Augenblick ist das Gestern und Vorgestern wieder da, und noch viele vergangene Tage mehr. Mit allen Geschehnissen.

Dann freut man sich aus ganzem Herzen auf den Abend, an dem man sich wieder ins Bett legen darf. Ist ja auch schön, sich den ganzen Tag auf etwas zu freuen.
Heute morgen habe ich darüber nachgedacht, ob es nicht sinnvoller wäre, einfach liegen zu bleiben. Die Augen fest zukneifen und im Kopf leise murmeln: Keiner da, keiner zuhause, keiner da, keiner zuhause.
Zumal ich gefühlt die halbe Nacht in meinem Traum versuchte, dem Gutfrisierten in einer fremden Stadt meinen Standort per Handy mitzuteilen, damit er mich finden und mit mir gemeinsam das Auto suchen könnte, von dem ich nicht mehr wusste, wo ich es geparkt hatte. Aber das Handy spielte nicht mit, zeigte mir nur ständig Werbung für Käsebrote und Handtaschen.
Als ich wach wurde, hatte ich einen völlig verspannten Nacken, vermutlich weil ich die ganze Nacht nach unten auf das Handy in meiner Hand gestarrt hatte. Oder möglicherweise, weil ich mein Kissen im Schlaf auf unphysiologische Art unter meinen Kopf geknüddelt hatte. Das scheint mir wahrscheinlicher.

Liegen bleiben oder nicht, fragte ich mich also, während ein heftiger Regen auf das Dachfenster prasselte. Und mein Nacken zwirbelte. Meine innere Stimme ermahnte mich streng: Bei Verspannungen helfen Bewegungen, also heb den Hintern hoch.
Ich antwortete der inneren Stimme, sie würde mich maximal abnerven und ich hätte keinerlei Interesse an ihren klugscheißerischen Äußerungen. Sie solle sich in die Ecke legen und stille schweigen.
Inneren Stimmen sind nicht zimperlich, auch nicht empfindlich, die antworten umgehend und unhöflich.
Also stand ich doch auf. Ich bewege mich heute, wie es die innere Stimme befiehlt. Ich war die sehr große Runde mit dem Hund spazieren, auch wenn es kübelte und der Hund zum ersten Mal seit langem eine Matschansammlung auf vier Beinen wurde. Ich kreiselte dabei mit den Schultern, ich drehte den Kopf hin und her, dehnte hier, dehnte da. Anschließend duschte ich so heiß es ging, ließ mir das Wasser direkt ins Genick prasseln. Dann erledigte ich moderate Arbeiten.
Und dann sagte ich meiner inneren Stimme: Oller Penner! und legte mich auf die Couch. Meinen Kopf mit einem Kissen abgestützt hing ich herum, verschwendete Zeit, die mir wahrscheinlich irgendwann hintenraus fehlen wird, mit albernen Filmchen und was man sonst noch macht, im Internet.

Kurze Zeit später rief die Werkstatt an, um mir mitzuteilen, das Auto sei fertig. Und wieder ließ ich ein kleines Vermögen dort. Der Werkstattmeister hatte herausgefunden, warum mein Auto und ich so leicht von Holländern gemobbt werden konnten. Warum das Auto fuhr wie ein alter Eselskarren, zumindest bergauf.
Es war irgendwas mit Luft, Zündkerze, Filter, Aditiv und Nüssen. Die Nüsse lagen im Motorraum und es war etwas Angekautes daneben.
Nun fährt das Auto mit Elan und Schwung und ich habe große Lust, ins Allgäu zu fahren, um mir weitere Grenzerfahrungen im Berreich der Herzleistung zu genehmigen.

Leider muss das warten, es stehen noch ein paar beinharte John-Wayne-Jobs auf dem Programm.