Die Kaffeemaschine meiner Mutter ließ Kaffee nur noch in Maßen aus sich herauströpfeln. Wäre sie ein Mann auf dem Klo, die Diagnose würde Prostatahyperplasie lauten. Das Symptom, mann möchte gern und kann doch nicht, lieferte die Maschine sehr eindrücklich. Auf einer Seite schien die Düse sogar kurz vor dem endgültigen Aus zu stehen. Nur noch wenige Tropfen pressten sich heraus.
Gestern noch scheiterte ich an der Wiederherstellung der Durchlässigkeit der Düsenpinöckel, ich schaute bereits nach neuen Modellen. Aber es kamen mir auch Tutorials unter, wie man so eine Problematik möglicherweise beheben könnte.
So versuchte ich es heute gleich noch einmal. Ich kämpfte mit einer Verkleidung, ich zupfte sehr viel Schleim in braunschwarz hervor und letztlich konnte ich mit Hilfe eines Schraubenziehers, einer Pinzette, drei Pfeifenreinigern und fünf Wattestäbchen die Maschine heilen. MacGyver hätte sich von mir eine schöne Scheibe abschneiden können. Es gibt also wieder Tassen gefüllt mit Kaffee im Haushalt meiner Mutter, zu ihrer hellen Freude.

Nachdem ich diese Sache erledigt hatte, kümmerte ich mich um das Auto des ehemaligen Fürsten der Finsternis, den man umbenennen muss, heutzutage. Die Pubertät liegt hinter ihm, er ist ab Oktober ein voll ausgebildetes, arbeitendes Mitglied der Gesellschaft, das in seiner eigenen Wohnung sein eigenes Leben lebt. Bis das Auto kaputt geht. Dann bekomme ich den Anruf. Ich habe ihm empfohlen, Mitglied in einem Automobilrettungsverein zu werden. Könnte sich als hilfreich erweisen. Heute jedoch eilte ich zur Rettung. Genau wie schon vor zwei Wochen. Vor zwei Wochen lag das Problem in lauten Geräuschen, die mich dazu anhielten, sofort für einen Aufenthalt in einer Werkstatt zu sorgen. Eine Kette im Auto, statt eines Zahnriemens, sieht nach dem Ausbau aus wie eine olle Fahrradkette. Der Meister zeigte mir alle schadhaften Utensilien, die er aus dem Auto ausbaute. Sehr interessant war das.
Jetzt weiß ich auch, wie man den Fürsten noch nennen kann. Meister der Fokussierung. Er war nämlich so auf das Lernen fokussiert, dass er dabei sämtliche störenden Autogeräusche ausgeblendet hat. Fokus-Meister.
Heute war es so, dass das Auto nicht mehr ansprang, weswegen ich zum Fokus-Meister eilte. Ich setzte mich ins Auto, drehte den Schlüssel, das Auto machte genau gar nichts und ich stellte umgehend die Diagnose Batterieversagen.
Wegen fehlender Starthilfekabel rief ich den Automobilrettungsverein, der bestätigte meine Diagnose, mit wenigen Handgriffen brachte er das Auto wieder an den Start und entschwand. Ich beglückwünschte mich selbst zu meiner treffsicheren Situationsbeurteilung und fand mich toll. Erst die Kaffeemaschine, dann das Auto, ich bin ein echter Hecht.

Später dann am Tag, noch immer getragen von dem Gefühl, ich könne alles und wisse alles, ging ich in den Supermarkt, um ein paar Kartoffeln und Eiscreme zu erstehen. Im Laden war noch recht viel los. Unter anderem kicherten sich drei Mädchen um die elf, zwölf Jahre durch die Gänge. Ich war ihnen bei den Limonaden begegnet und sie machten mir, als ich sie höflich darum bat, auch sofort Platz, um mich mit meinem Einkaufswagen durchzulassen. In ihrem Einkaufswagen befanden sich eine Gurke, Nudeln, dies und das, ich vermutete, sie wurden von Erwachsenen geschickt, um einzukaufen. Auf jeden Fall hatten sie viel Spaß und waren, dem Alter entsprechend, wunderbar albern.

An der Kasse, als ich meine Kartoffeln, Eiscreme und sonst noch allerhand andere Dinge auf das Warenbeförderungsband legte, hörte ich die Mädchen wieder lauthals kichern und lachen. Und ich hörte eine dröhnende Männerstimme.
„Ihr müsst das mal lernen, das Stillsein…“
Ich drehte mich um und sah einen großen, dicken Mann in Shorts und T-Shirt, fünf Mal so groß wie die drei Mädchen zusammen, vor ihnen stehen und sich aufpumpen.
„Bitte, was haben Sie gesagt?“, fragte ich ihn mit lauter Stimme. Dummdreist grinste er mich an. „Ja, Mädchen müssen lernen, auch einmal still zu sein!“, blökte er mir rüber.
„Oh nein!“, rief ich genauso laut zurück. „Mädchen! Mädchen müssen lernen, sehr laut zu sein. Dringend. Und dicke, laute Männer, die müssen dringend lernen, einmal still zu sein!“
Der dicke, laute Mann guckte mich an, das Grinsen entschwand und murmelnd schob er zügig seinen Einkaufswagen in Richtung Fleischtheke.
„Mädchen! Seid laut. Bitte. Hört jetzt bloß nicht auf damit!“, rief ich den Mädchen zu, die sofort wieder kicherten und im Süßwarengang verschwanden.
Die Verkäuferin schaute mich lachend an, nickte wohlwollend und ich sagte: „Ja meine Güte, das geht doch nicht. Manchmal, da kann ich nicht mehr an mich halten, wenn ich so einen Scheiß höre.“
Sie nickte und lachte weiter und wünschte mir ein besonders schönes Wochenende. Ich ihr auch.

Dicke, laute Männer. Legt Euch nicht mit einer Frau an, die ihr MacGyver-Diplom abgelegt hat. Lasst kleine Mädchen in Ruhe und wagt es nicht, sie zu Stille und Schweigen anzuhalten. Seid selber still und geht weg. Nachdenken. Geht nachdenken.