Soweit ist es schon mit mir gekommen, dass ich Emails an Radiosender schreibe.

Ich saß im Auto mit dem Wolkenköpfchen. Das wollte in die Fahrschule und ich wollte eigentlich nichts. Nur noch vor mich hin vegetieren. Der Tag war hart und lang und ich war, nach Kämpfen mit Vorhängen, Wasserkästen und dem Drucker, der so tat, als sei er nicht da (was für ein netter Titel für eine Geschichte: „Der Drucker, der tat, als sei er nicht da“, gefällt mir) auf einem erhöhten Aggressionslevel.
Da kam mir Alanis Morisette gerade recht. „You oughta know“ schmetterte sie durch das Auto und ich fühlte mich gleich ein bisschen besser.
Erheiternd fand ich, dass die Zeile „… are you thinking of me when you fuck her?“ auch heute, zu Zeiten, wo eine Bezeichnung der Geschichte des Dritten Reichs als Fliegenschiss straflos erfolgen darf, ein kleines Fuck immer noch ausgeblendet wird.
Aber schon durch das nächste Lied legte sich meine Erheiterung und machte dem nächsten Wutanfall Platz.
Denn ein gewisser Dean Lewis, dessen Name mir absolut gar nichts sagte, sang „… I know it wasn’t right, but it was fucking with my head“. Klar und deutlich und keineswegs ausgeblendet. Herr Lewis darf also, was Frau Morissette nicht darf?
Warum?

Und genau diese Frage schrieb ich kurz und bündig an das Radio.
„Warum wird bei Alanis Morissette „Are you thinking of me when you fuck her “ ausgelassen, wohingegen Dean Lewis ohne Probleme „but it was fucking with my head“ vor sich hinträllern darf?
Ist das in Ordnung?
Ich finde es nicht in Ordnung. Entweder dürfen beide fucken oder keiner.
Denkt einmal darüber nach.“
Und stellt Euch vor, nur Minuten später antwortete mir das Radio:

„Hallo Frau Lavendel,
das ist ein berechtigter Hinweis. Eigentlich sind da nicht empfindlich, und deshalb läuft dieser neue Song von Dean Lewis genau so. Vor 20 Jahren war man allgemein etwas zurückhaltender, diese Version des Alanis-Morissette-Songs wurde damals von der Plattenfirma so produziert, und das ist die, die wir heute noch spielen. Könnte man in der tat mal austauschen. Danke!

Beste Grüße
der Radiomann“

Dann wollte ich bei youtube die Songs noch einmal nachhören.

Bei einsfünfzig singt sie das anstößige Fuck. Und es hört sich an, als würde ihr jemand das Wort zurück in den Hals drücken.

Er hier singt bei knapp fünfundfünfzig Sekunden klar und deutlich sein Fuck.

Aber an den Laden schreibe ich jetzt nicht. Ich bin nicht mehr aufgeregt genug. Meine Echauffierung ist einer Müdigkeit gewichen. Und auch eine Petition werde ich nicht einreichen, denn es ist nun einmal so. Vor zwanzig Jahren hätte auch Herr Lewis nicht Fuck sagen dürfen.

Und heute darf man eben Sachen sagen, gegen die ist Fuck ein echter Fliegenschiss.