Das soll man sich ja gern auch selbst einmal fragen, wenn es kein anderer tut. Also zumindest niemand von den Personen, mit den man sich Tisch und Klo teilt.
Damit sich überhaupt jemand interessiert. Also, wie war er denn, mein Tag?

Ich sag mal so, ich liege gerade auf meinem Bett und erfreue mich des nahenden Tagesendes (ist lass das jetzt mal so stehen, obwohl das eventuell fragwürdig formuliert ist mit des Endes). Ein Stockwerk unter mir toben zwei fast Postpubertierende und necken sich.
„Aua, aua, nicht die Kniescheibe…“
„Du haarige Omma, huiiii, Schnuffel…“
Es ist fast wie früher, aber nur fast, denn früher musste ich einschreiten, heute hören sie von allein auf.
„So, ich muss los, die Kumpels warten.“
„Du kannst doch nicht deine Schwester immer allein lassen, das ist nicht in Ordnung!“
Meine Wampe ist voll mit Wrap und viel Salat, weswegen ich mich kurzatmig fühle. Ich war heute lange mit dem Hund im Wald, habe den Keller aufgeräumt, der von der Familie als Rumpelkammer benutzt wird (Dinge aus dem Regal holen, mitnehmen, nicht mehr brauchen, in den Keller werfen) und Wäsche gewaschen.
Und ich habe ein Päckchen bekommen.

Von wem habe ich ein Päckchen bekommen?
Von der Pistazienfirma. Die haben mir nämlich geantwortet auf mein heiteres Anschreiben. Und gleich noch eine Ersatztüte Pistazien geschickt. Und eine Beeren-Nuss-Mischung. Und getrocknete Apfelringe. Pistazien, darüber habe ich mich gefreut. Der Rest wird im Küchenschrank liegen, entweder bis zum Sanktnimmerleinstag oder bis zu dem Moment, an dem eine nationale Lebensmittelkrise mich dazu zwingt, getrocknete Apfelringe zu essen. Weil alles andere schon weg ist. Sogar der Klee auf der Wiese. Aber dann werde ich mich sehr über die Apfelringe freuen.
Oder es kommt jemand zu Besuch, der Apfelringe in getrockneter Form furchtbar gern mag.
Oder ich drehe sie meiner Nichte an, statt Gummibärchen. Das könnte erheiternd werden.

Wie war der Tag also?
Unspektakulär. Aber ich habe ein sehr gutes Buch ausgelesen.
„Mein Ein und Alles“
Ich war ein bisschen traurig, dass ich es ausgelesen habe, und ich war erleichtert, dass ich es ausgelesen habe, denn es war emotional herausfordernd.
Wenn jemand sich gerade fragt: „Verdammich, was soll ich nur lesen?“, ich würde „Mein Ein und Alles“ empfehlen.
Ich hatte es aus der Bücherei ausgeliehen, werde es mir aber noch selbst zulegen, denn Bücher, die mir ans Herz wachsen, habe ich gern in meiner Nähe.

Ansonsten hatte ich zum ich weiß nicht wievielten Male eine amerikanische Kiefernwanze im Bett. Die gehen mir maximal auf den Keks, diese stinkigen Mistviehcher. Plattklatschen geht nicht, weil sie stinken. Anfassen geht aus gleichem Grund nicht. Wegsaugen geht nicht, da stinkt der ganze Staubsauger. Also muss man sie möglichst vorsichtig einfangen und vor die Tür setzen. Und ist man nicht vorsichtig genug, stinken sie.
Und sie verlieren ganz schnell Beine. Da kann schon mal ein Bein auf dem Kopfkissen bleiben und wenn man ein bisschen sensibel ist, was Insektenextremitäten angeht, muss man sich mindestens das Kopfkissen frisch beziehen.
Ich hoffe, diese Mistwanzen frieren sich jetzt langsam endlich den Arsch ab und ich kann das Fenster wieder entspannt aufstehen lassen, in der Nacht, ohne dass ich solche Stinker zu Besuch bekomme.

Mein Tag, Liebling, war ein normaler Tag.
Und Deiner, Schatz?