Da ist doch schon wieder so ein Tuppes auf der Straße, der die Uhr nicht lesen kann.
„Mitternacht!“, möchte ich aus dem Fenster schreien. „Mitternacht ist erst in vier Stunden, die Hirselhuber!“
Aber was will man machen. Die Jugend von heute hat vermutlich wirklich die Uhr nicht gelernt. Gut, vielleicht liegt es auch an der Jugend als solche, denn dunkel erinnere ich mich, dass schon immer junge Menschen frühzeitig anfingen zu ballern, am Silvestertag.

Letzter Tag von zweitausendachtzehn also. Die Jahrtausendwende ist bald schon neunzehn Jahre her. Als ich achtzehn war, da lag die Jahrtausendwende in ferner Zukunft. Einunddreißig zum Milleniumsgedöns. Das erschien mir schon sehr alt. Neunzehn Jahre später fühle ich mich älter und doch nicht älter. Manche Dinge in mir fühlen sich nicht anders an als damals. Andere sind sehr anders.

Und leider bin ich heute so verworren, dass ich gar nicht genau ausführen kann, was ich meine. Denn mein Kopf ist viel zu heiß, meine Nase viel zu voll und mein Hals viel zu rot. Da kommt gedanklich etwas heraus, das aus der Entfernung an Rührei erinnert. Nicht aus dem Hals. Aus dem Kopf. Also die Gedanken. Die sind das Rührei. Meine Güte, so schwer ist das doch nicht zu erklären. Oder? Doch.
So ist auch klar, meine heutige Party findet in meinem Bett statt. Mit einem Riesenpack Taschentücher, Nasenspray, für dessen Erfindung ich zutiefst dankbar bin, Tabletten gegen Kopf- und Gliederschmerzen, für deren Erfindung ich Lobpreisungen rufe und etwas Orangensaft.
Und ich hoffe, gleich einfach sanft einzuschlafen und morgen in einer etwas besseren Verfassung wachzuwerden. Aber wenn ich das Geknalle jetzt höre, kann ich den Rückschluss ziehen, um zwölfe bin ich wach.

Dann werde ich das neue Jahr begrüßen, in dem ich huldvoll aus dem Bett winke und rufe: Da biste ja, du neues Stück. Wie wäre es denn, diesmal keinen sterben zu lassen? Wäre das ein Deal? Was ich dafür anbiete? Ich habe in meiner Nachttischschublade noch einen Erdnussschokoladenriegel. Was meinst du? Wie, das reicht nicht?!
Was willst du denn noch?
Jetzt hör aber auf. Du hast genau dreihundertfünfundsechzig Tage. Ich kann nicht dafür sorgen, dass du ewig dauerst. Tut mir leid. Aber wenn du einen Rat von mir möchtest, dann sage ich dir, mach was draus. Dreihunderfünfundsechzig Tage kann man so oder so nutzen. Ganz geschmeidig dafür sorgen, dass es rund läuft. Oder holpern und knirschen. Das ist deine Entscheidung.
Willst du aber in der Erinnerung lange bestehen bleiben, und zwar auf gute Art und Weise, dann setze Highlights.

Welche Highlights? Lass deine Phantasie spielen.

Ich erwarte dich jedenfalls mit einem gerüttelt Maß an Neugier.