Der Schnee fällt leise knisternd in harten Flocken und der Abend ist hell von all dem Weiß. Blaues Licht blinkt über die Bäume, die eingewickelt sind von den kalten Kristallen.

Vor dem Haus steht ein Rettungswagen und alle Fenster sind erleuchtet. Geschäftiges Treiben hinter Gardinen. Das alte Paar, immer freundlich und höflich. Schon im Herbst sah er aus, als habe er einiges an Gewicht verloren. Und sie trägt eine Perücke, denn ihr Haar hat sie fast verloren durch all die Therapien, die sie macht, um die Krankheit in Schach zu halten.
Wem von beiden mag es gelten?

Ich schaue aus dem Fenster, schaue hinüber. Möchte nicht neugierig sein. Bin es auch nicht. Trotzdem schaue ich immer wieder. Um einen Blick auf das Geschehen zu werfen. Um zu wissen, wer es ist, an den ich denken soll. Für den ich hoffen will.
Denke zurück an eine Nacht vor drei Jahren, vielleicht genau vor drei Jahren.
Als mein Telefon klingelte, ich ins Auto sprang und hinfuhr, zu meinem Vater, der sich nicht mehr zu helfen wusste, vor Schmerz.
Auch da kamen sie, die Wagen mit den blauen Leuchten, die Menschen mit den schweren Schuhen und orangefarbenen, roten, gelben Hosen und Jacken. Den Handschuhen. Den Koffern und Taschen. Den Spritzen, elektrischen Geräten. Pflastern und Verbänden. Schläuchen und Flaschen.
Und sie sorgten dafür, dass die tiefen Furchen und Falten, die der Schmerz in das Gesicht gegraben hatte, sich ein bisschen glätteten.
Dass das Gesicht nicht mehr grau, nur einfach blass war.
Sie nahmen ihn mit, ich fuhr hinterher, so wie es hier auch geschieht. Der Wagen lädt die Trage, die Fahrt geht los und dahinter ein Auto, zwei Menschen darin, die bangen. Die hoffen. Die nicht wissen, was als Nächstes geschehen wird. Wie wird es weitergehen.

Ich schaue ihnen hinterher.

Meine großen Kinder sind so spät noch auf der Straße, werfen Schneebälle. Lachen und rufen und ich frage mich, ob sie nicht ruhiger sein müssten. Schließlich passiert gegenüber gerade eine Katastrophe. Vielleicht.
Ob sie nicht leise sein müssten. Nur noch flüstern. Denn es kann sein, dass dort ein Leben bald zuende sein wird.

Sage nichts. Als der Rettungswagen vorbeifährt, sind sie still. Schauen ihm hinterher. Kann sein, sie denken kurz an den Großvater.
Kann sein, sie denken an die Schneebälle, die sie gleich werfen. Still sind sie.
Und dann lachen sie wieder. Und wirbeln weiter durch den Schnee.