Ich bin der Mülleimer. Eigentlich ist er bis obenhin voll. Es passt kein Bonbonpapier mehr rein. Und trotzdem wird gleich noch eine leere Konservendose, ein leerer Milchkarton, eine Gummibärchentüte und zwei Joghurtbecher dazugepresst. Mit aller Macht wird alles zusammengestaucht, damit noch ein bisschen mehr Abfall Platz findet im Eimer.

Irgendwann dreht sich das Blatt, der untere Müll rebelliert und mit einem schleimigen Geräusch drückt er von unten den Dreck nach oben und alles, was vorher gequetscht, gefaltet, gedrückt wurde, springt aus dem Eimer und verteilt sich auf dem Boden. Zumindest die letzten vier bis acht Pressungen.

Und dann? Stehen alle da, schauen sich das Malheur an und fragen sich: Wie konnte das passieren?
Ja, wie denn wohl? Es ist doch ersichtlich, dass nichts mehr reinpasst, wenn der Deckel nicht mehr zugeht. Da muss man doch kein Studium der Atomphysik mit summa cum laude abgeschlossen haben. Das sagt einem der normale Menschenverstand.
Der Deckel steht auf, der Müll guckt schon raus, da stopft man besser nichts mehr dazu.

Ich als Mülleimer mache ja nur meinen Job. Ich kann nicht anders. Immer her mit dem Müll. Was soll ich auch tun? Wie mich wehren? Es liegt in meiner Natur, den Müll aufzunehmen. Und es ist mir schrecklich peinlich, wenn ich inkontinent werde und den Müll nicht halten kann. Dann schäme ich mich, denn ich habe meine Arbeit nicht gut genug getan und um mich rum ist alles schmutzig.

Es war nicht mein Traum, Mülleimer zu werden. Ich hätte mir auch ganz andere Lebenswege vorstellen können. Nur manchmal passieren einem die Dinge einfach und die Entscheidungsmöglichkeit ist recht gering. Es hätte mich sicher schlimmer treffen können, ich hätte Windeleimer in Berlin werden können. Aber ich hätte auch Eimer für Popcorn werden können. Oder für Schaumerdbeeren. Oder lindgrüne Wandfarbe.

Was soll`s.
Mülleimer ist Mülleimer.

(Ein Schelm, wer Metapher ruft.)