Reisebericht, vierter Tag

Was für ein heiterer und angefüllter Tag. Großartig. Nach einem köstlichen Frühstück quetschte ich die Füße in die Wanderstiefeletten und nach kurzer Fahrt hielten wir auf einem Wanderparkplatz. Von dort aus erklommen wir den nächsten Berg. Ich glaube, meine Kondition verbessert sich. Meine Gesichtsfarbe war zwar immer noch bei knatschrot und es pochte das Herz im Nacken, aber irgendwie kann man sich auch nicht ununterbrochen darüber aufregen. Und nachdem ich jetzt die ganze Zeit überlebt habe, gehe ich einfach davon aus, dass es so bleiben wird. Darum kam ich nicht ganz so abgekämpft auf dem Gipfel an. Der Gipfel war aber auch recht komfortabel zu erreichen, keine alpine Herausforderung. Eher sowas wie Eifel. Zumindest von der einen Seite. Die andere Seite, ich vermute, es handelte sich um die Eiger Nordwand im Kleinformat, war dann doch recht steil. Ich würde behaupten, senkrecht. Aber ich kann mich irren. Geometrie ist mir aus dem Kopf gefallen, da müsste ich mich erst wieder einlesen.

Was für ein Ausblick. Bemerkenswert. Und ich hatte, obwohl ein Geländer am Rand stand, dieses seltsame Gefühl im Bauch. Dieses Huch-Gefühl, das man normalerweise vor einem Sturz hat. Dann kam noch der Spruch vom Wolkenköpfchen „Vertraue nie dem Geländer“ und das machte es nicht besser. Aber mit ein paar Schlucken Wasser, einem Fernglas und Meditation kam ich gut klar mit der Gesamtsituation.

Das Gipfelkreuz schattierte sich in die Steilwand. Es gab auch ein Gipfelbuch, in das sich schon Unmengen von Menschen eingetragen haben. Man findet manch heitere Einträge, aber auch beunruhigendes.

„hate my parents and wish them to hell
need help“
Seitdem kreisen meine Gedanken um diesen vermutlich pubertären englischen Teenager. Ich hoffe, die Eltern leben noch. Und dass Hilfe kam, bevor es zur Katastrophe am Berg kam. Am Berg sollte man nämlich harmonieren, sonst geht das richtig in die Hose.

Übrigens sollte man am Berg auch nicht dauernd die Bäume anlangen. So wurde mir zumindest heute beim Abstieg im dreißig Sekunden Rythmus mitgeteil. Ich habe nämlich die Angewohnheit, mich hin und wieder an Bäumen hochzuziehen oder bei Abwärtsbewegungen abzustützen. Nicht etwa, weil ich die Bäume entwurzeln könnte, sollte ich die Finger davon lassen. Nein. Ich soll das nicht tun, weil die anderen mein Gequengel nicht hören möchten. Wenn ich „Ochnäää, schon wieder…“ rufe und ein bisschen meckerig werde, dann höre ich nur noch: „Lass die Finger vonne Bäume, Mensch!“.

Weil die Bäume harzen. Das machen, was Killerdog einmal als Berufswunsch geäußert hat. Und Harz an Händen ist einfach scheiße. Das klebt, das glaubt man nicht. Und wenn man zum dritten Mal die Finger verklebt hat, dann kann man offensichtlich kein Mitgefühl mehr erwarten, auch wenn das Abfangen am Baum überlenbenswichtig ist, weil man sonst in die unendliche, bodenlose, fürchterliche Tiefe stürzt.

An einer Viehtränke schrubbelte ich die Handflächen, womit sich das Harz trefflich in der gesamten Hand verteilte. Dann rubbelte ich mit Sand herum und nach zwei Stunden war alles wieder in Ordnung. Morgen fasse ich keine Bäume an. Vielleicht.

Nach getaner Wanderschaft wollte die Reisegruppe einkehren. Zu diesem Zweck setzten wir uns ins Auto und kamen bald an einem Schild vorbei, welches eine Alpe ankündigte. Ich fuhr schon in die Straße ein, da meldete der Gutfrisierte, er wolle lieber auf der anderen Seite der Landschaft etwas zu sich nehmen und daran anschließend an einem wilden Bauch entlang wandern. Was tut man nicht alles um den Gutfrisierten gutgelaunt zu halten. Wir fuhren auf die andere Seite hinüber, kamen an einer Mautstation vorbei, bei der man drei Euro zahlte, um quasi eine Hochfahrerlaubnis zu kaufen. Taten wir. Auf sehr engen Straßen mit sehr vielen Kurven gurkten wir in einem sich wehrenden Auto die Höhenmeter hinauf. Und kamen zur anvisierten anderen Alpe. Die hatte Ruhetag. Nach kurzem Gespräch mit der Wirtin klärten wir, dass das Auto dort trotzdem parken dürfe und gingen noch ein Stück höher, zur nächsten Alpe. Die war leer. Kann sein, die Allgäuer Vampire treffen sich dort in der Nacht, Wandergäste aber offenbar nicht. Mittlerweile lies die Freude etwas nach und der Gedanke machte sich breit, zur Wohnung zu fahren und dort ein wenig miesmuffelig auf dem Balkon ein Wasser zu trinken, anstatt eine frische Milch und ein fettes Kuchenstück einzufahren.
Wir rollten zweihundertfünfzig Höhenmeter runter, da tat sich die nächste Alpe auf. Kurzentschlossen hielten wir dort, stiegen aus und wurden von einem Schild begrüßt, welches erstens die Öffnung verkündete und zweitens, dass man zu schwach sei, wenn einem die hiesige Currywurst zu lang sei. Wir erklommen trotzdem die Terrasse, setzten uns an ein Tischchen im Schatten und beobachteten die Gulaschsuppenvernichtung am Nachbartisch. Ein Blick in die Karte offenbarte Preise, die ein wenig nachdenklich machten. Und dann kam der Höhepunkt.

Helene Fischer plärrte scheppernd aus einem Ghettoblaster. Das Wolkenköpfchen und ich, wir schauten uns an. Schüttelten den Kopf, sprangen auf, schoben die Stühle zurück, riefen dem Gutfrisierten noch zu: „Wir fahren zur ersten Alpe. Jetzt. Sofort!“, und liefen so schnell unsere Wanderstiefeletten uns trugen zum Auto. Der Gutfrisierte folgte uns lachend auf dem Fuße, erklärte uns für verrückt aber kam mit. Was blieb ihm anderes übrig.
Die Flucht vor Helene Fischer und einer sehr langen Currywurst hat Vorrang vor Hunger oder Durst.

Wir fuhren zurück, ich quälte das Auto über einen weiteren Allgäuer Höhenweg und dann hatten wir einen großartigen Nachmittag auf einer wunderbar kleinen und familiären Alpe. Die vierjährige Tochter servierte den Kuchen, die Kälbchen hüpften neben uns herum und die Klotür hatte ein Herz. Dazu gab es frisch gemolkene Bananenmilch (den Witz, die Kuh hätte vorher eine Banane gefressen hatten wir gestern schon mit Erdbeeren), Zitronenlimonade und ein Bierlimomischmasch. Es war so gemütlich und entspannend, ich wollte gar nicht mehr weg.

Gut, es gab Fliegen. Viele Fliegen. Ich vermute, es hat was mit den Kühen zu tun. Aber als Tierfreund heißt es ja leben und leben lassen.

Und man muss auch gönnen können. Wenn wir auf der Alpe eine schöne Pause machen, warum nicht auch die Fliegenfamilie.

Im weiteren Tagesverlauf wurde der Gutfrisierte des Öfteren von seiner Tochter verkaspert für seinen Vorschlag, nicht die erstbeste Alpe aufzusuchen. Wo doch die Erste mit Sicherheit die Beste war.

Wer nun glaubt, das Herumfahren habe damit ein Ende gehabt, weit gefehlt!
Es ging noch weiter. Am Abend musste ein wenig Geld bei einer Bank geholt werden. Dazu fuhren wir in das nächste Kaff. Dort sollte bei einem italienischen Lokal das Geld ausgegeben und im Tausch dafür das Abendessen eingenommen werden. Bedauerlicherweise fanden wir das Freibad, einen Minigolfplatz, das Rathaus und einen Fußballplatz. Aber kein italienisches Lokal. Also fuhren wir mit dem Geld zurück ins Ausgangskaff. Der Plan war in soweit abgeändert, dass in einem Etablissement namens Jäger-Irgendwas gegessen werden sollte. Bei der Anfahrt konnte man schon feststellen, der Parkplatz war bis oben hin voll. Und dann schallte urplötzlich sehr laute Blaskapellenmusik urig über den Platz. Daraufhin wurde hektisch entschieden, doch noch einmal den Italiener im nächsten Kaff zu suchen.
Gesagt, getan, wieder zurück. Und mit etwas mehr Ausdauer fand sich das Restaurant versteckt hinter Kirche und Kriegerdenkmal.
Dann schlugen wir uns die Bäuche voll, nahmen noch ein Eis, auf das zu verzichten kein großer Verlust gewesen wäre, liefen noch ein bisschen herum und dann ging es ab zu den Betten, in denen nun ermattet herumgelegen wird. Der eine schaut sich einen Film an, die andere eine Doku über das Bergsteigen und eine tippt wie blöde auf der Tastatur. 

Und morgen geht es weiter im Land wo die Kühe blühen und läuten.

Reisebericht, dritter Tag

Gut ließ er sich an, dieser dritte Tag. Eine gewisse Form der Akklimatisation hat stattgefunden, der leichte Kopfschmerz ist verschwunden, Frühstück war schon im Haus und das lange nicht gehörte Schnarchen des Gutfrisierten erweckte altvertraute Gefühle, so dass ich mich irgendwie glücklich fühlte. Außerdem war ein Tag im Städtchen angedacht. Nach dem Frühstück also, bei welchem manche Mitglieder der Reisegruppe sich ein Brot mit Obadzdings reinzogen, was bei mir sofort wieder erste Symptome der Käsevergiftung hervorrief, allein vom Hingucken, machten wir uns auf den Weg. Wir fuhren den Berg hinunter und hinein ins Vergnügen. Das Wolkenköpfchen und ich waren sehr erfreut über all die netten kleinen Lädchen, in denen man dies und das und jenes schauen konnte. Wir lasen lachend lustige Postkarten, da war der Gutfrisierte das erste Mal kurzfristig verschwunden. Beim Edelstein- und Esoterikgeschäft verschwand er dann das zweite Mal. Und als wir am Dirndl-Secondhand vorbeikamen, wechselte er auf einmal die Straßenseite und entschwand ohne Erklärung. Kurz wunderte ich mich, überlegte intensiv, ob das Öffnen eines Fasses einen Mehrwert haben könnte, verwarf es, ließ ihn laufen und er kam auch wieder. Merkwürdige Wesen, diese Männer.

In einem Töpferladen fand ich ein schönes Mitbringsel für die Beste aller Schwestern und lauschte einem klassischen Mann-Frau-Gespräch.
„Ist das nicht schön, Günther?“
„Komm schon, nicht nochn Staubfänger.“

Anschließend gab es noch ein ziemlich gelungenes Spaghetti-Eis. Wobei ich feststellen musste, dass Eisdielen sexistische Speisekarten haben können. Ich war erschüttert. Es gab einen „Passion“-Becher und auf dem dazugehörigen Foto der Eiskreation gab es eine nackte Frau zu sehen, deren Brüste von einem dahinterstehenden Mann beziehungsweise dessen Händen bedeckt wurden. Ich überlegte auch hier, ein Fass zu öffnen. Dann fehlte mir die Energie dafür. Ich dachte zwar noch ein bisschen über die Pornoeiskarte nach, habe aber beschlossen, dass ich an dieser Stelle auch nicht die Welt retten kann. Ich habe Urlaub.

Nach nur zwei Stunden war Städtchen fertig. Es ist eben ein kleines Städtchen. Weshalb wir die Straße noch ein Stück weiter fuhren und an einen See kamen. Ein touristisch optimal erschlossener See. Mit Tretbooten, Segelbooten, Standup-Padlern, einer Kletterkiste, einem Biosk (da konnte man Bananen und Biolimo kaufen, erstaunlich) und diesem und jenem. Das Angenehme an diesem See war das Fehlen jeglicher Steigung. Es war flach wie zuhause. Also keine Schweißausbrüche, keine Herzanfälle, keine Beinkrämpfe, einfach nur gemächliches Seeuferrumgeschlappe. Nach zweihundertfünfzig Metern hockten wir uns im Schatten einer Weide auf Ufersteine und ließen die Beine ins Wasser baumeln. Das war heiter, denn man konnte eine Menge Leute beobachten. Zum Beispiel die drei aus Hessen, die sich nacheinander in die Fluten stürzten und dabei auf hessisch ächzten und quiekten.
Plötzlich klatschte es direkt vor uns. Nur ein kleiner Klatsch. Da war aus der Weide eine Raupe gestürzt. Sie wand sich im Wasser.
„Papa!“, rief das Wolkenköpfchen, „Rette die Raupe!“
Aber der Papa sagte irgendwas darüber, das die Raupe gern schwimmen wollte oder Fischfutter sein wollte oder Futter für Blässhühner. Oder einfach suizidal wäre.
Das Wolkenköpfchen empörte sich immer mehr, während der Gutfrisierte sich weiterhin mit den abstrusesten Geschichten vor der Rettung der Raupe drückte.
Ich machte kurz auf das Karma aufmerksam, dass er, wenn er als Raupe wiedergeboren würde, ganz sicher die Arschkarte würde ziehen müssen, wenn er jetzt diese Raupe sterben ließe.
Und weil ihm diese Argumentation keine Entscheidungshilfe war, ich sah, dass die Raupe kurz davor war, den Löffel abzugeben, das Wolkenköpfchen nicht auf die Idee kam, das Vieh selbst zu retten, stieg ich höchstselbst in den See und schwabbte die Raupe mit Händen und einem Stöckchen auf einen Stein neben der Weide.
Dann machte ich einen Schritt auf einen flachen Stein im See. Dieser Stein war, was beim Blick von oben auf die Waseroberfläche nicht zu sehen war, überzogen von Seeschleim. Und Seeschleim ist etwas extrem glitschiges. Was geschieht nun, wenn eine Frau mittleren Alters auf solch einen glitschigen Seeschleimstein tritt? Sie verliert ein kleines bisschen ihr Gleichgewicht. Sie beginnt hektisch mit den Armen zu rudern, sucht verzweifelt ihren inneren Mittelpunkt und schreit hektisch: „HAND!HAND!HAND!“
Erfreulicherweise legte der Gutfrisierte an dieser Stelle etwas mehr Leidenschaft an den Tag als bei der Raupenrettung, so dass es lediglich zu einem klatschnassen Kleidsaum kam, der große Aufprall, auch bekannt als „Die ungeschickte Arschbombe in flachem Wasser“ ausblieb.
Mit Hilfe der hingehaltenen Hand konnte ich mich fangen und wieder auf einen Stein setzen.
Als der Gutfrisierte fünf Minuten später vorschlug, ein bisschen um den See zu rennen, lehnten zwei Drittel der Reisegruppe den Vorschlag ab, blieben sitzen, die Füße im Wasser kühlend und so lief er allein. Das Wolkenköpfchen und ich betrachteten weiter die Menschenmengen in und um den See, hörten waschechte Allgäuer Buam nach ihrem mittäglichen Biergenuss so laut rülpsen, wie wir noch nie jemanden haben rülpsen hören und auch sonst war es amüsant.
Zwanzig Minuten später stand der Gutfrisierte wieder vor uns und wir schlenderten zum Auto zurück. Weitere Unternehmungen lehnten wir ab und so kam es, dass wir am frühen Nachmittag auf dem Balkon unter einem Sonnenschirm saßen, ich ein paar Essig-Chips knusperte, las, wunderbare Orangen-Hopfen-Limonade trank und meine Beine alle drei Minuten dankbar seufzten.

Als es in Richtung Abendessen ging, war noch die Frage, ob und wenn ja, wo die Urlauber-Fütterung stattfinden sollte. Nahezu fast einstimmig fiel die Entscheidung, noch einmal zur Alpe aufzusteigen. Ausgeruht vom Tag ließ ich mich breitschlagen. Und außerdem, dachte ich, hatte ich gestern so hart trainiert in der Klamm, da müsste doch ein halbstündiger Aufstieg heute aus dem Hemdsärmel zu schütteln sein. 

Es kam, wie es kommen musste. Meine Kondition ist nach wie vor bedauerlich. Mein Schnaufen hörten sie wahrscheinlich noch weit unten im Tal.
Nach Dreiviertel der Strecke erbat ich eine kleine Rast und erwähnte mein hämmerndes Herz. Beim anschließenden Pulsvergleich musste ich doch eingestehen, dass mein Herz auch nicht signifikant schneller oder härter klopfte als bei den anderen Reisegruppenmitgliedern. Erstaunlich. Ich wähne mich dem Tode nah, weil mein Herz so klopft. Bei den anderen klopft das genauso und die merken das nicht mal. Was ist da los? Sind die irgendwie gestört? Wie kann man das nicht merken?
Die haben doch eine völlig verkorkste Körperwahrnehmung. Unfassbar.
Außerdem wollten die mir in die Schuhe schieben, dass ich möglicherweise vegetativ überlagert sei und deshalb meine körperlichen Vorgänge etwas überwahrnehme.
Ja, geht`s noch?

Wie auch immer. Ich kam rauf, ich kam runter und ich habe keine Käsevergiftung, weil ich Nudeln gegessen habe. Der Gutfrisierte hatte Sauerkraut. Ich beobachte ihn sehr genau, vermute aber, dass ihm die Sauerkrautportion nicht einmal ein laues Lüftchen ein müdes Lächeln entlocken wird.

Zur untergehenden Sonne saßen wir dann wieder auf dem Balkon, spürten den warmen Wind, lauschten Grillen und Kuhglocken und entspannten maximal.
Morgen wird dann ein weiterer Berg erklommen. So ist der Plan. Es bleibt spannend.

Reisebericht, zweiter Tag

Die Nacht, oh diese Nacht. Ich nutzte die Nacht, um meine Käsevergiftung auszukurieren. Um das genauer zu erklären, muss ich ein Frauen-Tabu-Thema ansprechen. Die Flatulenz. Entsorgung unphysiologischer Gasansammlungen des Magen-Darm-Bereichs. Offensichtlich hatten die geschätzt fünfhundert Gramm Käse mit Zwiebel eine verheerendere Auswirkung als noch am Abend vermutet. Wie ein gestrandeter Wal lag ich auf dem Bett, mit dem bleichen und aufgetriebenen Bauch nach oben. Es machte Geräusche innen drinnen, als hätten sich mehrere Aliens dort eingenistet und spielten Räuber und Gendarm.
Kurz gesagt, auch Frauen furzen. Sie versuchen es mit Würde, Grandessa und Noblesse. Nach einer Käsevergiftung geht aber zuallererst die Würde flöten. Alles andere folgt den Bach runter.
Irgendwann schlief ich ein. Um halb vier war es noch nicht wirklich besser. Um acht aber schon. Der Bauch war annähernd in normaler Schwabbelform zurück, kein Trommelbauch mehr.
Die Folge ist, keiner braucht mir mehr mit Käse zu kommen, in den nächsten Tagen. Oder Wochen. Jahren?

Morgens früh wurde gutgelaunt allerlei eingekauft. Frühstückswaren, Getränke, was man so braucht. Und nach einer kleinen Mahlzeit zog sich die Reisegruppe Wanderschuhe an die Füße und machte sich auf zur Klamm. Die sollte mit digitaler Hilfe gefunden werden. Ich glaubte dem Digital auch erst einmal. Bis wir an einer Straße standen, für die ein eindeutiges Verkehrsschild die Weiterfahrt nicht erlaubte.
Ich hatte mich schon vorher gewundert, schien mir die Richtung irgendwie nicht korrekt. Aber mir wurde hin und wieder gesagt, ich solle dem Digital vertrauen und einfach dort entlang fahren, wo er sagt.
Ich drehte dem Digital nun aber kurzentschlossen den Saft ab, den Hahn zu, was auch immer, dann fuhr ich auf gut Glück, nach Gefühl und Pi mal Daumen. Nach fünfundzwanzig Minuten hatten wir unser Ziel erreicht. Geht doch.
Dann fanden wir auch noch einen Parkplatz und los ging es.

Eine Klamm.
„Eine Klamm ist ein im Festgestein eingeschnittenes, schmales Tal. Das Wort Klamm ist vor allem im österreichischen und bairischen Sprachraum geläufig und bezeichnet eine besonders enge Schlucht im Gebirge mit teilweise überhängenden Felswänden.“
Dem gibt es an Erklärung nichts mehr hinzuzufügen.
Die roten Pfeile auf dem nun folgenden Bild zeigen das Loch, welches der Eingang in die Klamm ist.

Klaustrophobie kann man sich an diesem Ort nicht leisten. Im weiteren Verlauf zeigte sich, dass Höhenangst ebenfalls nicht ratsam ist. Und zu guter Letzt darf man dem eigenen Körper gegenüber nicht zimperlich sein. Was sich mit vierhundertfünfzig Höhenmetern anhört wie ein Spaziergang, entpuppt sich in der Realität als eine Angelegenheit, die über Leben oder Sterben entscheidet.
„Sollen wir zurückgehen?“ wurde ich regelmäßig von den Mitgliedern der kleinen Reisegruppe gefragt, wenn ich wieder japsend über einem Geländer hing, hinter welchem es gefühlt tausend Meter in die Tiefe ging und ich mir überlegte, wie schnell ich doch wieder unten sein könnte.

Aber wer bin ich? Memme oder Mutprotz? Also, den Mutprotz, den trage ich wie einen Fatsuit um mich rum. Innen heult die Memme, dass ich mich offensichtlich einem Herz-Kreislauf-Versagen am Berg hingeben will.
Und so krabbelte ich immer weiter. Alles pochte, klopfte, triefte vor Schweiß, ich schnaufte wie eine olle Lokomotive, aber ich dachte, ich kann das. Ich will das jetzt können. Alle zehn bis zwanzig Kletterschritte blieb ich stehen, um irgendeinen Scheißblick zu bewundern. Ich sehnte mich nach einer Flasche Sauerstoff. Und wenn Familien mit Kindern an mir vorbeizogen, dann fühlte ich mich auf seltsame Art erniedrigt. Fünfjährige kleine Penner, die auch noch zwischendurch hüpften.

Nach knapp einhundertfünf Minuten waren wir irgendwo angekommen. Oben. Und ich war kurz davor, die Bergrettung einzufordern. Sollte doch bitteschön ein Hubschrauber kommen, um mich hinunter zum Parkplatz zu fliegen. Alsdann würde ich mich ins Auto werfen und mit meinen mit Wanderstiefeletten bekleideten Füßen das nörgelige Gaspedal bis zum Bodenblech durchtreten und zurück in die Wohnung rauschen.

In der Ferne grollte ein Donner. Ich sprang nach einigen Schlucken abgestandenen und lauwarmen Wassers und einem halben Müsliriegel auf und ermahnte zum schnellen Abstieg. Man kennt das ja. Das Unwetter bricht über die bergsteigenden Wandersleute herein und keiner überlebt. Oder vielleicht maximal einer, der dann die Geschichte des Unglücks verfilmt, massenhaft Geld damit verdient und niemals mehr zu arbeiten braucht. Ich wäre das ganz sicher nicht. Bei Gewitter am Berg oder gar in der Klamm würde ich schon allein vor Angst sterben. Ich hätte keine Chance.

Unten kamen wir übrigens schon nach zwanzig Minuten an. Sehr lustig, wie schnell man irgendwo herunterkommt, wo man vorher mühevoll hinaufgestiegen ist. Es kamen uns noch ein paar suizidale Klettermaxe entgegen, denen ein Donner egal war. Es gab letztlich auch kein Gewitter. Aber es hätte eins geben können. Und dann hätten wir Probleme gehabt.
Egal. Die anderen Klettermaxen schnauften übrigens auch sehr ordentlich beim Aufstieg, während ich lässig die Klamm hinunterturnte.
Ein Frau ranzte ihren Mann an: „Beim nächsten Mal Strand, mein Lieber!“ und zwar an einer Stelle, an der ich vor gar nicht langer Zeit exakt dieselbe Äußerung tat. Vermutlich hing das mit diesen komischen Wurzeln zusammen, die einem ein Bein stellten.

Später saßen wir im Auto, ich fuhr zurück dahin, wo wir hergekommen waren und warf mich auf den Balkon, wo ich langsam ausdampfte. Ich trank Zitronenlimonade, las ein bisschen Zeitung und dann sprang die restliche Reisegruppe auf, zog sich wieder die Wanderschuhe an und marschierte los, hinauf auf den Grünten. Ich winkte ihnen hinterher und dachte, wie bekloppt kann man sein?

Nur vier Stunden später, kurz vor Sonnenuntergang und kurz vor einem Nervenzusammenbruch meinerseits, wo sie denn bloß bleiben würden, tauchten sie wieder auf. Jetzt können sie nur noch sitzen oder liegen. Morgen, so vermute ich, gibt es eine Wanderpause. Ich habe nichts dagegen. Ich fahre dann ins Städtchen und ziehe mir ein Spaghettieis in der Eisdiele am Marktplatz rein.

Der zweite Tag der Reise war ganz großes Kino. Ich bin weit über meine Grenzen gegangen und erwarte in den nächsten Tagen eine Beglückwünschung durch den Bundespräsidenten für meine Verdienste um den Behindertensport.

Selten so nah am Tode hantiert. Echt mal.

Reisebericht, erster Tag

Nach nun immerhin bald sechs Jahren, oder ganz genau zweitausend und neunundfünfzig Tagen gab es keinen richtigen Urlaub mehr. (Nachtrag: Ich bitte diesen miserablen ersten Satz zu entschuldigen. Gerade, um vier Uhr früh, fiel mir seine unlogische Aussage ein und auf. Was ich sagen wollte: Lange keinen Urlaub gemacht. Also nicht „Nach nun“ sondern besser „In den“. Und ja, lautes Schnarchen bin ich nicht mehr unbedingt gewöhnt. Da wird die Nacht…, lassen wir das.) Gründe gab es viele und letztlich gewöhnt man sich den Urlaub auch ab. Urlaub; kaum fährt man irgendwohin, ist mit Tod und Verderben zu rechnen. Tod links und Verderben rechts.
Irgendwann sollte man sich aber ein Herz fassen, die abergläubischen Gedanken aus dem Hirn verbannen und trotz allem das Köfferchen packen und die rheinische Tiefebene hinter sich lassen.
So geschah es heute Morgen.

Das eigene Kissen noch zum Köfferchen dazugelegt, ja, im Alter ist es ratsam, das eigene Kissen mitzunehmen, wo doch noch ein bisschen Platz im Auto ist, die Köfferchen vom Gutfrisierten und dem Wolkenköpfchen dazugepackt, Killerdog noch einmal genauestens instruiert, was die Versorgung des Hundes angeht (ich habe in der ganzen Küche Klebchen angebracht mit den Aufrufen: „Der Hund braucht Wasser und Liebe“, „Denk an den Hund!“ und ähnliche), darauf hingewiesen, dass mein Zimmer nicht betreten werden darf von irgendwelchen dahergelaufenen Schnöseln, die sich zu einer eigentlich verbotenen Hausparty einfinden und dass alle Zerstörungen von den Zerstörern zu zahlen sind und schon ging die Reise los.

Erste Entspannung fand auf der A acht statt. Da musste man nicht mit hundertzwanzig Sachen über die Autobahn blasen, man konnte ganz gemütlich mit zwanzig Stundenkilometern die wunderbare Umgebung genießen.
In Phasen des schnelleren Vorankommens musste ich mich von ein paar Holländern mobben lassen. Die dürfen ja in den Niederlanden nie schneller als einhundertdreißig fahren, sonst gibt es deftig was auf den Sack. Das ist natürlich blöd, wenn man ein Auto hat, das einhundertneunundneunzig fahren kann. Deshalb freut sich der holländische Mitmensch sehr, wenn er auf der Autobahn in Baden Württemberg mal in den Grenzbereich fahren darf. Blöd nur, wenn genau dann ich auch dort vorbeikomme. Denn mein Auto, in den Papieren steht hundertzwanzig PS, ist eine lahme Gurke. Es sieht schnittig aus, es behauptet von sich, sportlich zu fahren, aber wenn ein Hügel aufwärts führt, was soll ich sagen. Da beobachte ich die Tachonadel, die leicht zitternd immer weiter abfällt, bis sie bei achtzig ankommt und ich keine andere Möglichkeit sehe, als in den dritten Gang zu schalten. Auf der Autobahn. Ich bin ein bisschen empört von dem Auto. So kenne ich Autofahren nur von damals, Ende der Neunzehnachtziger. Der kleine schwarze Schrottkarren, der hatte ähnliche Beschwerden. Wenn der Urlaub fertig ist, werde ich in eine Werkstatt fahren und fragen, was das Auto für Probleme hat. Es braucht wohl professionelle Hilfe.
Wo war ich? Ach ja, die mobbenden Holländer. Die kommen im Affenzahn von hinten angebraust, drücken mir eine Lichthupe rein, überholen und schneiden mich dann ganz elegant. Jedesmal musste ich schreien: „Verdammte Scheiße, ich kann doch nicht schneller…!“.
Haben die natürlich nicht gehört, die waren dann ja schon weg.

Statt der geplanten fünfeinhalb Stunden kamen wir nach fast sieben Stunden am Ziel an. Das kann passieren. Davon geht die Welt nicht unter. Wir warfen die Klamotten in die Ferienwohnung, der nette Vermieter informierte uns über die Möglichkeit, auf der Alpe noch ein Abendessen zu bekommen, zeigte uns die Richtung, Wolkenköpfchen wechselte noch das Schuhwerk und dann gingen wir los. Hinauf. Schritt für Schritt. Nach fünf Minuten wurde mir sehr warm im Nacken, nach sieben Minuten befürchtete ich, meine Ohren könnten überkochen. Irgendetwas wummerte hinter meinen Augen, ich vermute, da war kurzfristig eine Heavy-Metal-Band eingewandert. Ein wunderbarer Blick auf Berge, auf satte grüne Wiesen, das läuten großer Glocken (die ich auch jetzt, während ich auf der Couch liege, sehr gut hören kann; als würde ein durchgedrehter Eisverkäufer mit seinem Eiswagen in einer  Endlosschleife ums Haus kurven; wann schlafen Kühe?), herrlich. Dazu Sonne auf die Rübe, Bergauflaufen und ein lustiges Gefühl in den Oberschenkeln. Das ist doch Urlaub, wie er besser nicht sein kann.
Nach etwas über dreißig Minuten erreichten wir das Ziel. Die Entfernung, die bewältigt wurde, lag bei eintausend Metern. Ja. Einem Kilometer. In einer halben Stunde. Ich bin kein Anwärter auf eine Siegerurkunde oder Ehrenurkunde.
Aber ach, was soll es denn. Es war steil. Oder nicht richtig steil, eher ansteigend. Zumindest so, dass das Wolkenköpfchen froh war über die Turnschuhe und das abgebrochene Vorhaben, in Flipflops zur Alpe zu laufen. Ich hatte Sandalen an. Die kamen auf dem Rückweg richtig zum Tragen. Davon später.

Wir erreichten also die Alpe, ich im Zustand einer Tomate aus der Mikrowelle, setzten uns gleich an einen Tisch im Schatten (ich spannte sofort den Sonnenschirm auf und fragte dann erst die Bedienung, ob das in Ordnung sei; sie konnte nicht nein sagen, schon gar nicht bei meinem Teint) und bestellten Getränke.
Dann schauten wir in die Speisekarte. Die zeigte sich als Karte des Albtraums für Veganer. Zum Glück sind wir keine, sonst hätten wir gleich wieder gehen können. Aber eine Vegetarierin war an Bord. Darum gab es dann Käse, eine saure Käseplatte. Mit Romadour und Zwiebeln.
Das war sehr lecker, sehr herzhaft, man bekam erstklassige Käsefinger und war anschließend so satt, dass man nicht einmal ein Kaugummi kauen wollte, obwohl man das ja nicht runterschluckt.
Anschließend wurde noch kurz von zwei Mitgliedern der Reisegruppe (und ich war es nicht) auf der Schaukel geschaukelt (mir wäre sonst der Romadour wieder hochgekommen), die Route für die angedachte morgige Bergbesteigung hinauf zum Grünten geplant und dann ging es wieder hinunter zur Ferienwohnung.
Bergab rutschten mir die Füße vor in den Sandalen. Was ist das für ein Mist? Meine Zehenspitzen titschten ununterbrochen vorne an den Schuh, der vorn geschlossen ist. Das tut irgendwann echt weh.
Die Empfehlung, Tippelschritte zu machen, führte zu einem linksseitigen Wadenkrampf, für den ich mich auch artig bedankte und dann begann das große Rumoren. Offensichtlich gab es in meinem Bauch eine Kernfusion zwischen zweierlei Käse, rohen Zwiebeln, Essig und einem Kilo Mirabellen, die ich mir während der Fahrt reingezwirbelt hatte. Plus vier Lakritzschnecken.
Jetzt liege ich auf dem Sofa, habe einen Wanst wie einen Fesselballon, bin sehr froh, dass ich heil den Hügel wieder heruntergekommen bin und bemerke mit großem Erschrecken, dass ich meine Wärmflasche zuhause vergessen habe. Und den Fenchel-Anis-Kümmel-Tee. Und meine Kopfhörer. Wie soll ich einschlafen, ohne dass mir jemand etwas vorliest?

Alles in allem also ein wunderschöner erster Urlaubsreisetag. Es geht mir gut und ich bin zufrieden.

Mutationen

Jeden Tag hoffe ich aufs Neue, dass die Menschen nicht so dämlich sind, wie sie manchmal tun. Manchmal da tun sie nämlich Blödes, das glaubt man einfach nicht.

Zum Beispiel räumen sie Sachen nicht in den Kühlschrank. Sie lassen Sachen einfach herumstehen. In einer Ecke, verborgen hinter anderen Sachen. Und es gibt Sachen, die lieben den Kühlschrank. Die brauchen den Kühlschrank. Zum Glücklichsein und, auch und sogar, zum Überleben. Wobei der Kühlschrank im Moment selbst um das Überleben kämpft. Um ihm das zu erleichtern, sollte man die Kühlschranktür nach dem Öffnen in Windeseile wieder schließen. Es stimmt nämlich nicht, dass sich der Raum abkühlt, wenn man den Kühlschrank aufstehen lässt. Im der Umkehr wird ein Schuh daraus. Nicht der Raum wird kalt, der Kühlschrank wird von innen warm.
Wie auch immer, die Sachen im Kühlschrank sind eben nicht aus Spaß in ihm drin.
Sachen, die nicht in den Kühlschrank kommen, obwohl sie dort hinein gehören, die fangen an zu mutieren. Und das ist gefährlich. Selbst wenn man noch keine Mutation erkennen kann. Sie führen dazu, dass Menschen kotzen. Mutierte Sachen zu essen, das reizt zum Aufschwulken.
Wenn die Mutation fortschreitet, dann besteht seltener die Gefahr, dass die Sachen noch gegessen werden. Schon allein wegen der Optik.

Aber es besteht die Gefahr, dass man von der Mutation angefallen wird. Während man noch sein Gesicht näher heranbringt, um genauer zu inspizieren, was man da gefunden hat, bedauerlicherweise die Lesebrille nicht in der Nähe ist und darum alles leicht verschwommen wirkt, da springt einem die Mutation laut schreiend ins ungeschützte Auge.

(Die Mutation könnte genetisch mit den Mainzelmännchen verwandt sein. Oder sie hat eins zum Frühstück gefressen.)

Viel Gelaber, wenig Sinn: Sachen gehören in den Kühlschrank, spätestens wenn der Deckel geöffnet wurde. Wurst gehört immer in den Kühlschrank. Menschen gehören nicht in den Kühlschrank, scheißegal wie das Wetter ist. Der Kühlschrank gehört geschlossen.
Mutationen sind gefährlich. Bei jedem Wetter. Aber im Moment besonders.
Bei mehr als dreißig Grad im Schatten möchte man nicht noch magenverdrehende Übelkeit.

Soviel dazu.

Das wirklich Wichtige aber ist:
Nicht draußen rauchen. Das ist so extrem blöd, das ist nicht steigerungsfähig. Siebzig Meter die Straße rauf ist der Waldrand. Dort ist alles sehr knusprig. Ein winziges Flämmchen reicht und mein Zuhause ist Geschichte.
In diesem Sinne an die Tussi im VW-Angeberkäfer mit örtlichen Kennzeichen:

Bescheuert oder was? Kippe aus dem Autofenster werfen? Direkt am Wald?
Komm mir in die Finger und ich zwinge Dich, hier Sachen zu essen, dann drück ich Dir die Kippe auf dem nackten Hintern aus und abschließend fackel ich Dein Auto ab.
Nur zur Information.

Meine Güte.

Ein leises Lachen

Sie hat ganz schön viel Kraft. Ihre Arme pressen die Luft aus meinem Körper und sie hält mich mit ihrer Stärke fest. Die Sekunden vergehen und die Umarmung wird noch intensiver.
„Weißt du, vielleicht hatten wir Angst.“
„Das kann schon sein.“
„Angst davor, uns zu treffen. Angst, Essen zu gehen.“
„Bestimmt ein bisschen.“
„Aber jetzt tat es doch gar nicht so sehr weh.“
„Ein bisschen tat es weh. Nicht übertrieben.“
„Ja, genau richtig. Nicht zu viel Schmerz, nicht zu wenig.“
„Finde ich auch.“
„Aber vermisst habe ich sie schon. Dieser dritte Stuhl war in manchen Augenblicken so ausgesprochen leer.“
„Vielleicht war er gar nicht so leer wie wir glauben.“
„Meinst du?“
„In meinen Gedanken jedenfalls war er nicht leer. In meinen Gedanken saß sie bei uns.“
„Stimmt. Und hast du nicht auch dieses leise Wispern gehört, wenn wir mal einen Moment still waren?“
„Als du auf dem Klo warst, da habe ich auf jeden Fall etwas gehört.“
„Was denn? Was hat sie gesagt?“
„Sie hat gesagt: „Warum habt Ihr das nicht schon viel früher gemacht, Ihr beiden Angsthasen?“ und ich habe geantwortet: „Weil du Du uns so sehr fehlst und wir es noch immer nicht glauben wollen, dass Du nicht mehr bei uns bist.“ und dann habe ich möglicherweise ein Kichern gehört.“
Ihre Arme werden weicher, sie lässt mich langsam los, gibt mir einen kleinen Kuss auf die Wange.
„Sie wäre zufrieden gewesen mit diesem Abend.“
„Das wäre sie. Das Essen hätte ihr geschmeckt, die Wärme des Abends hätte ihr gefallen, unsere Gesprächen hätte sie genossen.“
„Darum müssen wir das wieder machen. Essen gehen.“
„Und es genießen.“
„Dann hören wir sie wenigstens wieder leise Lachen.“

Ähnlichkeiten bei der Frisur

Und plötzlich war es mir klar. Warum ich den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Absurdistan Amerika nicht leiden kann, ganz abgesehen von seinen offensichtlichen Merkwürdigkeiten.

Ich hatte schon einmal eine innere Auseinandersetzung mit dem Thema, kurz nachdem das böse Kind zum Präsidenten gewählt und mit einer Machtbefugnis ausgestattet wurde, die zum Erschrecken taugte. Seitdem schaue ich zu und habe mal größere und mal kleinere Panikattacken bei den Kapriolen, die er schlägt, der Potus.

Aber gerade eben, als ich las, was der Großmeister der Unberechenbarkeit auf seiner Tour d`Europe sprach und tat, und dabei ein Foto seiner selbst sah, da fiel es mir ein.
Dieser Kerl sieht aus wie anno dunnemals mein erster Chef. Auch der war nicht von der sympathischen Seite. Nach einem harten Arbeitstag in der Küche fragte er gern mit lauter Stimme, ob man nur Frittenfett im Kopf habe und behauptete, dass man das Ergebnis einer großgezogenen Nachgeburt sei.
Außerdem legte er seinen weiblichen Azubis gern unten im Kühlhaus, fernab von den Blicken seiner giftigen Frau und der in deren Fußstapfen tretenden Tochter, die Hände nicht auf die Schultern. Tiefer und weiter vorn, da legte er die Hände hin. Ganz überraschend und unerwartet, während man in den Kaisergranaten oder den Seezungen herumwühlte, hatte man auf einmal vernarbte, harte und häßliche Hände an den Brüsten und da gehörten sie definitiv nicht hin.
Diese beiden Männer, sie haben eine Ähnlichkeit. Im Aussehen und im Benehmen. Nur hatte der eine die Macht über eine Küche, einen Herd mit sechs Gasflammen und ein paar Auszubildene , wohingegen der andere die Macht über Atomwaffen, Gesetze und vieles mehr hat.
Der Chef von damals, dieser Grabscher, und der Präsident, sie sind ein Kopp- ein Arsch, wie man so schön sagt.
Sogar bei der Frisur gibt es Parallelen.

Bei mir wohnt eine Fledermaus

Ich lebe unter einem Dach mit einer Fledermaus. Sie kackt mir auf die Fensterbank meines neuen Zimmers. Erst dachte ich, eine Maus sei irgendwie aufs Dach gekommen, bei genauerer Untersuchung stellte sich das Geknödel als Fledermauskacke heraus und da Fledermäuse wohl stets kurz vor dem Einflug ins Zuhause ihren Darm entleeren, liegt es nahe, dass sie genau über mir ihr Nest hat. Das finde ich reizend. Abends ist sie wohl immer unterwegs, deshalb stört sie mich nicht. Sie feiert auch keine Partys und hält mir mit Sicherheit das ein odere andere Insektengesocks vom Hals.

Mein neues Zimmer. Oben unter dem Dach. Das Zimmer, von dem ich dachte, dort fühlt sich alles anders an, wenn ich dort bin. Seltsam ist doch, dass ich so etwas immer noch denke. Müsste ich es nicht besser wissen? Dass man immer man selbst ist, egal wo man schläft?
Ich stellte mir eben vor, ich würde hier oben mein Laptop zücken und schreiben, was das Zeug hält, weil ich endlich weit genug weg von der Familie bin und in Ruhe in einen Schreibfluß kommen könnte. Könnte, hätte, würde. Jetzt tappen die Leute eben die Treppe nicht zu mir herunter sondern herauf. Und wenn ich zehn Mal die Tür zumache, sie kommen trotzdem. Und wenn ich mir mit Kopfhörern laut Musik ins Hirn blase und gar nicht höre, dass sie kommen, erschrecken sie mich auch noch so, dass ich um mein Leben fürchte. Herzkasper droht. Ich kann so nicht arbeiten. Schreiben im Angesicht des Alltags.
„Mama, ich muss tanken, gibst du mir…“ und „Ich bin fett. Ich bin ganz sicher fett.“ oder „Ich wollte nur mal gucken, was du machst.“
Versuche ich, in Stille zu schreiben, dann wummert der ein oder andere Bass durch die Wände. Manchmal kommt er von ganz tief unten, manchmal nur von wenigen Treppen tiefer. Wenn ich dann lese von Menschen, die sich zu irgendwelchen Schreibworkshops oder Schreibwerkstätten oder Schreibsonstwas ans Meer, in die Berge oder in die Wüste zurückziehen, dann bin ich neidisch. Nicht nur so ein bisschen. Richtig neidisch bin ich dann.
Und frage mich jedes Mal, warum ich das nicht mache. Die Antwort ist so einfach. Weil ich mich auf das Ohne-Mich-Geht-Es-Nicht-Pferd gesetzt habe und seit über zwanzig Jahren auf diesem ollen Gaul durch die Prairie reite. Das ist doch völliger Mumpitz. Denn es geht ohne mich. Definitiv. Alle sind alt genug. Alle sind bereit dazu. Der einzige, der es hier nicht schafft, das bin ich selbst.

Drei Monate wollte ich letztes Jahr abhauen. Zwei Tage habe ich geschafft. Das ist wirklich ein bisschen armseelig.

Aber das Pferd lässt mich nicht so ohne weiteres absteigen. Vermutlich muss ich abspringen, denn stehenbleiben tut es nicht. Wie früher, wenn die Füße auf der Schaukel bis über die Kronen der Pappeln reichten und genau dann der Moment war, in dem ich sprang. Und flog. Mit einem Kribbeln im Bauch und einem ordentlichen Schlag in alle Knochen beim Aufkommen. Früher war es so einfach. Und heute ist es so schwer.

Musicaltour

Stellen Sie sich vor, wie ich in einem Auto sitzen. Die Sonne brennt auf das Dach, der Stau quält sich über die Autobahn und im Schritttempo geht es voran. Das Auto gibt Warnsignale von sich, eine kleine Zapfsäule blinkt hektisch am Armaturenbrett. Die Nerven werden von flinken Gedanken gezupft wie eine wilde E-Guitarre.

Und dann ist es soweit. Auf dem überall internetfähigen Smartphone suche und finde ich den Soundtrack. Ich verbinde das Ding mit den Boxen, drehe die Klimaanlage aus, die Lautstärke rauf, lasse die Fenster herunter und los geht die wilde Fahrt.
In meinem Kopf. Denn in meinem Kopf sehe ich die Wahrheit des Paralleluniversums.
Mein Bauchspeck ploppt leise und statt weicher, muskelarmer Masse fühle ich eine glatte, steinharte Fläche unter meiner schwarzen Ledercorsage. Feste Brüste wippen im Takt der Musik. Das Haar fliegt im Fahrtwind, die Sonne brennt auf die Straße und lässt die Luft flirren. Auf dem Beifahrersitz liegt meine Pumpgun. Ich lasse meinem Arm lässig aus dem Fenster hängen und streichle den Fahrtwind mit meinen langen, roten Nägeln. Vor mir kommt ein dunkler SUV in Sicht. Schnell schließe ich auf und fahre ihm ganz nah an den Kofferraum. Ich hupe, der Wagen wird nicht schneller. Ich nehme meine Pumpgun, ziele durch das Beifahrerfenster und beim Überholen schieße ich dem Penner den Spiegel ab. Dann fahre ich irre lachend weiter. Die Kilometer fliegen an mir vorbei, mein Ziel ist das Nirgendwo. Knappe fünf Minuten lang. Ich schieße noch den ein oder anderen Spiegel ab und ich kann nicht dafür garantieren, dass es keine Verletzte gab.
Nach den fünf Minuten gibt es den Sprung raus aus dem Paralleluniversum.

Und hinein in das, was war. Vergangenheit. Gewesen. Vorbei. Der Körper wechselt in seine zwanzigjährige Form. Im Auto. Dunkelheit. Fahren durch Käffer, in denen nur jede zweite Straßenlaterne leuchtet und niemand mehr auf dem Bürgersteig zu finden ist. Und wieder sind die Fenster unten und in unfassbarer Lautstärke klingt es durch die Luft. Und dann werden Köpfe geschüttelt. Und dazu wird gelacht. Ein Lachen, tief aus dem Bauch. Aus den Eingeweiden. Ein Lachen, das schüttelt. Tränende Augen, schmerzende Muskeln, ein Lachen, das nicht enden möchte, dass immer weiter durch den Körper perlt. Wunderbar. Keine Gedanken an das, was ist, wenn es hell ist. Wenn die Sonne scheint, leuchtet sie das Unglück aus. In der Dunkelheit lösen sich Gefühle, verdichten sich Gedanken und sterben will man nicht, aber manchmal wünscht man sich, nicht geboren zu sein. Wie gut, es lauthals in die Dunkelheit zu singen. Sechs Minuten lang Freiheit. Sechs Minuten in vergangenen Zeiten. Und dann…

… kommt das dicke Ende. In einem anderen Universum lasse ich den Wagen einfach mitten auf der Autobahn stehen. Ich springe heraus. Die Autos um mich herum halten an. Ich renne zwischen ihnen herum, tanze, biege mich in tausend Richtungen, springe auf sie, springe wieder herunter, und dabei singe ich. Dass die Musik meine Liebe ist. Das alles in einem wunderbaren Kleid, dass sich im Takt der Musik dramatisch um mich herumwindet. Überhaupt. Es scheint, der Wind liebt mich, so wie er mich anpustet und großartig in Szene setzt. Vermutlich liebt mich die ganze Welt. Auf jeden Fall liebt sie es, wie ich singe, wie die Musik in unglaublicher Lautstärke aus meinem Auto dringt und wie ich tanze. Mein ganz eigenes Lalalaland.

Die Autobahnabfahrt kommt in Sicht. Soll ich? Den Standstreifen? Es sind nur noch achthundert Meter. Aber es ist doch verboten. Das darf man doch nicht. Also etwas Geduld. Und Anstand. Keine Schüsse, kein Headbangen, kein Tanz. Einfach im Auto, mit der Tanknadel kurz vor dem Zusammenbruch, warten.
Anständig. Wie es sich gehört.

Und dabei noch ein bisschen durchdrehen. Innen.

Balkonblicke

Eben kroch ich wieder einmal im Wohnzimmer auf allen Vieren mit einer Tierhaarentfernungsbürste über den Teppich und bürstete mit Hingabe.
Ich sage: schwarzer Hund, beiger Teppich, Fellwechsel. Jeder, der einen Hund besitzt, braucht keine weitere Erläuterung. Diejenigen, die einen beigen Teppich besitzen, sind vermutlich phantasiebegabt genug, sich die Bedeutung der Kombination vorzustellen. Wer weder einen Hund noch einen beigen Teppich besitzt, sollte auch nicht auf die Idee kommen, selbiges besitzen zu wollen. Gehen Sie bitte und kaufen Sie sich einen dunkelbraunen Flokati. So einen gab es in meiner Kindheit im elterlichen Wohnzimmer, bis ein enges Familienmitglied auf dem Töpfchen vor dem Fernseher saß und im Überschwang des Gesehenen das Töpfchen beim Aufstehen mit der Verse über den Flokati kegelte. Das war sein Ende.
Auf dem beigen Teppich lassen sich mit der Bürste kindskopfgroße Haarbälle zusammenbürsten. Anschließend noch mit dem Staubsauger darüber und schon sieht der Teppich aus, als ginge er noch. Eine Woche. Oder drei. Es gibt aber, solange der Hund lebt, auf Geheiß des Gutfrisierten keinen neuen Teppich, weil er sagt, dass dieser doch sowieso sofort wieder eingehaart und nach Hund riechen wird. Das ist wohl richtig. Aber ich kann diesen Teppich nicht mehr sehen.
Natürlich wünsche ich mir in der Konsequenz nicht, dass der Hund stirbt. Ich wünsche mir eigentlich nur, dass er weniger haart und weniger stinkt. Weil er ein sehr netter Hund und er beliebt ist, möchte keiner einen neuen Teppich. Kein Teppich wäre auch keine Alternative, erstens wegen der Behaglichkeit und zweitens fliegen die Hundehaare so zumindest nicht durch alle Räume sondern sammeln sich hübsch auf dem Teppich.

Außerdem betreibe ich im Moment auch wieder körperliche Ertüchtigung. Nach Jahren des Dahinschluderns und der Abbaubeobachtung war mir plötzlich klar, dass es so nicht weitergeht, weshalb ich auch vom Schrank die Yogamatte holte. Ich habe Erfahrung mit der Ertüchtigung, ich muss mich nur daran erinnern. Und die Yogamatte ist elementar. Als ich sie aus ihrer Hülle holte, traf mich ein Geruch. Und auf diesem Geruch kann ich nicht eine einzige Übung für den maladen Rücken machen. Weshalb ich die Matte, ein Geruch aus Muff, alten Instrumenten aus dem Musikantenstadel des Gutfrisierten, Schaf (welches die Matte einmal war) und Staub ausdünstend, ganz schnell an die frische Luft befördern wollte. Auf dem Balkon hängte ich sie über die Brüstung, zupfte noch ein paar undefinierbare Fusseln ab und wurde plötzlich angesprochen. Von der Nachbarin auf dem gegenüberligenden Balkon.
„Hallo!“, rief sie herüber. „Hallo!“, rief ich zurück.
„Immer, wenn ich Sie sehe, denn putzen Sie!“, rief sie. Und ich guckte sie an. Es gibt diese Sekunden, die sind sehr voll und gleichzeitig sehr leer. Voll mit Gedanken aber leer in der Umsetzung. „Immer, wenn ich Sie sehe, sitzen Sie rum, trinken Wein und spielen Kniffel!“, erschien mir keine adäquate Reaktion. Außerdem lief im Hintergrund noch der Horrorfilm „Putzteufel! Töten mit dem Feudel“ in meinem Kopf.
Bin ich etwa in der Nachbarschaft verschrien als die Irre, die immer nur putzt? Weil ich kürzlich Fenster geputzt habe? Idiotischerweise an dem Tag, an dem der Blütenstaub das komplette Kaff gelb einfärbte. Weil ich staubsauge, an zwei bis drei bis keine Tage die Woche? Wenn die Nachbarschaft auf dem Balkon sitzt, schauen sie mir ins Wohnzimmer und beobachten meinen Kampf mit dem Hundehaar und flüstern sie sich zu: „Da, schau, die Bekloppte saugt schon wieder!“ ?
Und was soll man denn sagen? „Ich putze so gern!“ oder „Putzen ist meine Leidenschaft!“ oder sonst eine Absonderlichkeit?
Hätte sie doch nur nichts gesagt. Mein Gehirn ratterte und klackerte auf der Suche nach einer gescheiten Reaktion. Nur leider vermute ich, hält sich mich nun nicht mehr nur für putzsüchtig sondern auch noch für ein bisschen einfältig. Denn die Zeit dehnte sich ein kleines bisschen zu sehr. Ich lächelte zwar über den Balkon hinüber, aber es kam einfach nichts raus aus meinem Kopf. Sie schaute, ich schaute, sie schaute, ihr Partner schaute, sagte aber nichts, ich schaute. Das war ein einziges Hin- und Hergeschau.
Und dann sagte ich: „Tja, wir haben den Hund. Der macht viel Dreck.“
Die Beiden drüben haben keinen Hund. Die haben auch keine vier bis sechs Personen im Haus. Nicht mal Fische. Ein paar Blumen. Letztens ist ein Oleander über die Brüstung gegangen. Den Scheiße-Ruf konnte ich durch das geschlossene Fenster hören. Ich glaube nicht, dass es der Oleander war, der rief.
„Ja, so ein Hund, der macht schon ein bisschen Dreck. Aber er ist so freundlich, Ihr Hund.“
„Ja, ein toller Hund. Ganz lieb. So ein guter Hund.“
Und noch blablabla. Und blablabla. Auf beiden Seiten.
Und dann ich: „Und wenn Sie mich nicht sehen, dann lieg ich in der Ecke und lese ein Buch.“
Gleichzeitig dachte ich: „Was sage ich denn da? Was soll das denn? Warum halte ich nicht einfach die Klappe und gehe rein und lege mich in die Ecke und lese ein Buch, verdammt nochmal. Ich Depp. Mein Leben. Putzen und Lesen. Toll.“
Ich ging rückwärts vom Balkon, ließ die Nachbarn nicht aus den Augen und kaum dass ich mich getrollt hatte, hörte ich das Klappern der Würfel beim Kniffel. Die spielen jeden Tag Kniffel. Auf dem Balkon. Außer bei Regen.
Was willste machen. Die denken, ich putze nur und lesen. Ich denke, die Kniffeln nur und gucken Fernsehen.

Und jetzt ist es mir wichtig, mitzuteilen: Ich bin kein Putzteufel. Gut. Vielleicht habe ich eine klitzekleine Reinlichkeitsstörung. Aber das hatte schon meine Großmutter. Ist also genetisch. Wenn überhaupt, dann bin ich Freund des Wischens. Und des Teppich-bürstens.