Das sechste Türchen

Die Urgroßmutter Lieselotte war sich zu diesem Zeitpunkt nicht darüber im Klaren, was in der Zukunft passieren würde. Das bringt die Gegenwart mit sich. Dass man nicht weiß, was kommt. Alles voller Geheimnisse und Überraschungen.

Umgekehrt ist aber auch vieles voller Geheimnisse. Denn nicht alles, was geschehen ist, ist auch überliefert. Unklarheiten also in beide Richtungen.

Wenn ich dieses Bild betrachte, ist mir aber eine Tatsache vollkommen klar. Woher ich meine Patsche-Händchen habe.

Das fünfte Türchen

Alleweile die Urgroßmutter also Erziehung genoss, trieb sich der noch nicht mit ihr bekannte spätere Urgroßvater in Frankreich herum und mit den Kameraden sein Unwesen.

Sie machten ordentlich viel kaputt und waren beteiligt an der ersten weltumspannenden Kriegsszenerie.

Es wurde gebombt, geschossen, getötet was das Zeug hielt.
Nicht alle von den Soldaten kamen zurück:

Der Urgroßvater, ganz rechts stehend im Bild, aber schon.

Wie kommt er jetzt zur Urgroßmutter?
Ich habe keine Ahnung. Aber es ist geschehen.

Das vierte Türchen

Die Ur-Urgroßmutter schickte ihr Töchterlein also in das Pensionat, wo diese sich mit anderen jungen Damen zusammentat.

Ob die Ur-Urgroßmutter sich schwer oder leicht von ihrer Tochter trennen konnte, wer weiß das schon. Die Tochter jedenfalls scheint sich recht gut amüsiert zu haben, im Pensionat.

Es wurde im Schnee getanzt und posiert.

Die Damen brauchten nämlich zu jeder Jahreszeit frische Luft.
Im Haus lernten sie wichtige Dinge.
Zum Beispiel das Tischdecken. Es war nämlich gut, die Lage des Bestecks zu kennen, die Position der Gläser, die verschiedenen Formen gefalteter Servietten, für den Fall, dass man später einmal große Gesellschaften geben und zu denen wichtige und sehr wichtige Persönlichkeiten eingeladen werden würden.

Auch für die Möglichkeiten der anschließenden Verlustierung wurde geübt. Das Klavierspiel und der sittsame Gesellschaftstanz.

Ich wusste gar nicht, dass meine Urgroßmutter Klavier spielen konnte. Jetzt weiß ich.

Mit den weißen Kopftüchern sehen die jungen Damen aus, als würden sie in einem Lazarett Dienst tun. Die uniformierten Burschen im Wagen verstärken den Eindruck. Allein, davon weiß ich nichts, ob meine Urgroßmutter in den Wirren des ersten Weltkrieges irgendwelche Dienste verrichtete.

Das dritte Türchen

Ur-Urgroßmutter steht mit meiner Urgroßmutter am Fenster und schaut in die Stadt hinein. Der Sohn der Ur-Urgroßmutter spielt auf der Mandoline, ein riesiges Schneckenhaus liegt auf der Fensterbank und die Tapete ist wunderbar blumig.
Ob sie zufrieden waren? Vielleicht sogar glücklich?

Ich liebe solche hohen Fenster und in meiner Phantasie stelle ich mich dazu, schaue mit ihnen auf das Treiben vor dem Haus und lasse mir erzählen, wie das Leben so ist, in dieser Zeit, dem beginnenden zwanzigsten Jahrhundert.

Das zweite Türchen

In dem Haus lebte meine Ur-Urgroßmutter.

Eine stattliche Frau. Und eine vornehme Frau. Mit einem Haushalt, in dem es Dienstmädchen gab. Eine Frau, die ihre Tochter in ein Pensionat für höhere Töchter schickte. Der Koffer, mit dem es zum Pensionat ging, steht heute bei mir im Stübchen auf einem Schrank. Ich möchte ihn dort herunterholen. Aber wohin damit? Es ist nicht einfach ein Köfferchen, es ist ein Koffer. Ein Schrankkoffer. Ein ordentlicher Koffer, in dem man seinen halben Hausrat mit auf Reisen nahm.
Was meine Urgroßmutter wohl eingepackt hatte?

 

Das erste Türchen

War nicht der Sommer noch vor fünf Minuten im Garten?
Doch, ich weiß es genau. Es ist bestimmt erst ein paar Minuten her. Winteranfang heute? Meteorologischer Winteranfang? Jetzt? Wo ich vor einigen wenigen Augenblicken noch barfuß und mit einem Eis in der Hand im Garten über die Wiese lief? Das kann nicht sein, ist aber doch so.
„As time goes by“ summe ich leise vor mich hin und denke darüber nach, wie schnell diese Zeit vergeht. Wie sie immer schneller zwischen meinen Händen verrinnt.

Wo komme ich her, wo gehe ich hin, wieviele Adventszeiten habe ich noch, wie schnell wird das nächste Jahr vergehen?

Vor langer, langer Zeit, die vielleicht doch nur ein Wimpernschlag lang ist, lebten in diesem Haus Menschen, die zusammen die Adventszeit verbrachten und die Dinge taten, in deren Folge ich heute hier sitze und zum fünfzigsten Mal auf das Christkind warte.

Wie war mein Tag, Liebling?

Das soll man sich ja gern auch selbst einmal fragen, wenn es kein anderer tut. Also zumindest niemand von den Personen, mit den man sich Tisch und Klo teilt.
Damit sich überhaupt jemand interessiert. Also, wie war er denn, mein Tag?

Ich sag mal so, ich liege gerade auf meinem Bett und erfreue mich des nahenden Tagesendes (ist lass das jetzt mal so stehen, obwohl das eventuell fragwürdig formuliert ist mit des Endes). Ein Stockwerk unter mir toben zwei fast Postpubertierende und necken sich.
„Aua, aua, nicht die Kniescheibe…“
„Du haarige Omma, huiiii, Schnuffel…“
Es ist fast wie früher, aber nur fast, denn früher musste ich einschreiten, heute hören sie von allein auf.
„So, ich muss los, die Kumpels warten.“
„Du kannst doch nicht deine Schwester immer allein lassen, das ist nicht in Ordnung!“
Meine Wampe ist voll mit Wrap und viel Salat, weswegen ich mich kurzatmig fühle. Ich war heute lange mit dem Hund im Wald, habe den Keller aufgeräumt, der von der Familie als Rumpelkammer benutzt wird (Dinge aus dem Regal holen, mitnehmen, nicht mehr brauchen, in den Keller werfen) und Wäsche gewaschen.
Und ich habe ein Päckchen bekommen.

Von wem habe ich ein Päckchen bekommen?
Von der Pistazienfirma. Die haben mir nämlich geantwortet auf mein heiteres Anschreiben. Und gleich noch eine Ersatztüte Pistazien geschickt. Und eine Beeren-Nuss-Mischung. Und getrocknete Apfelringe. Pistazien, darüber habe ich mich gefreut. Der Rest wird im Küchenschrank liegen, entweder bis zum Sanktnimmerleinstag oder bis zu dem Moment, an dem eine nationale Lebensmittelkrise mich dazu zwingt, getrocknete Apfelringe zu essen. Weil alles andere schon weg ist. Sogar der Klee auf der Wiese. Aber dann werde ich mich sehr über die Apfelringe freuen.
Oder es kommt jemand zu Besuch, der Apfelringe in getrockneter Form furchtbar gern mag.
Oder ich drehe sie meiner Nichte an, statt Gummibärchen. Das könnte erheiternd werden.

Wie war der Tag also?
Unspektakulär. Aber ich habe ein sehr gutes Buch ausgelesen.
„Mein Ein und Alles“
Ich war ein bisschen traurig, dass ich es ausgelesen habe, und ich war erleichtert, dass ich es ausgelesen habe, denn es war emotional herausfordernd.
Wenn jemand sich gerade fragt: „Verdammich, was soll ich nur lesen?“, ich würde „Mein Ein und Alles“ empfehlen.
Ich hatte es aus der Bücherei ausgeliehen, werde es mir aber noch selbst zulegen, denn Bücher, die mir ans Herz wachsen, habe ich gern in meiner Nähe.

Ansonsten hatte ich zum ich weiß nicht wievielten Male eine amerikanische Kiefernwanze im Bett. Die gehen mir maximal auf den Keks, diese stinkigen Mistviehcher. Plattklatschen geht nicht, weil sie stinken. Anfassen geht aus gleichem Grund nicht. Wegsaugen geht nicht, da stinkt der ganze Staubsauger. Also muss man sie möglichst vorsichtig einfangen und vor die Tür setzen. Und ist man nicht vorsichtig genug, stinken sie.
Und sie verlieren ganz schnell Beine. Da kann schon mal ein Bein auf dem Kopfkissen bleiben und wenn man ein bisschen sensibel ist, was Insektenextremitäten angeht, muss man sich mindestens das Kopfkissen frisch beziehen.
Ich hoffe, diese Mistwanzen frieren sich jetzt langsam endlich den Arsch ab und ich kann das Fenster wieder entspannt aufstehen lassen, in der Nacht, ohne dass ich solche Stinker zu Besuch bekomme.

Mein Tag, Liebling, war ein normaler Tag.
Und Deiner, Schatz?

Vorhin, im Auto

Schon dämmernd, da draußen, wenn man am Nachmittag mit dem Auto fährt. Der Rückweg von der Bücherei und dem Einkaufen. Ganz allein im Wagen.
Und dann fällt mir ein, dass die Zeiten, in denen ich nie allein war, gar nicht sehr lange her sind. Die Zeiten, in denen ich nicht allein im Auto saß, in denen ich nicht allein auf der Couch saß, ein Buch in der Hand, in denen ich nicht allein auf dem Klo saß.
Die Zeiten, in denen es um mich herum wuselte. In denen es keinen stillen Augenblick gab.
Im Radio läuft

und ich werde geflutet von einem Gefühl der Liebe und Zärtlichkeit für diese kleinen Teufel, die mich über Jahre im Auto begleiteten. Schon bei den ersten zwei Sekunden dieses Liedes fingen sie an zu kichern, jedesmal, wenn er lief, dieser Song. Und spätestens beim Refrain hingen drei sich wild hin und her werfende kleine Wichte laut lachend und singend in ihren Kindersitzen und ließen ihrer Freude freien Lauf.

Und die Lebensfreude spülten sie über die Sitze nach vorn zu mir und ich konnte diese Kinder mit jedem Millimeter meines Herzens spüren.

Klappt heute immer noch, obwohl sie nicht im Auto sitzen, obwohl ich allein fahre, obwohl es schon dunkel wird. Ich kann sie immer noch fühlen, sie sitzen auf der Rückbank und lösen sich in bunt-blubberndem Gelächter auf, fliegen um mich herum und ich lache.

November? Drogen?

Ich habe dann eine Menge zu tun. November, da wird der Toten gedacht und ich bekomme richtig Stress, weil ich überhaupt nicht weiß, wem ich jetzt zuerst gedenken soll und wem als zweites und wem dann und dann und dann.
Ich komme ja schon gar nicht mehr klar, wer überhaupt wann gestorben ist, wo ich doch kein Held der Jahreszahlen bin. Ich weiß ja nicht mal, ob ich schon vierzehn oder fünfzehn Jahre hier wohne, oder ob es vielleicht auch erst dreizehn sind.
Wie soll ich mir da merken, wann wer gestorben ist, zumal manche von denen, die mir jetzt ein Gedenken wert sind, schon in den Achtzigern ihren Abgang vollzogen.

November also, als Totenmonat bekannt. Bin ich froh, dass ich keiner kirchlichen Vereinigung mehr angehöre, sonst würde ich vermutlich noch auf irgendwelchen Friedhöfen herumstolpern und in Kirchen hocken, alleweile mir jemand vorerzählt, was es rund um Tod und Fegefeuer zu sagen gibt.
Dabei würde ich mich innerlich entsetzlich aufregen und bräuchte danach sehr viele Drogen, um mich zu beruhigen. Wie oft habe ich mir eigentlich schon gewünscht, ich würde richtige Drogen nehmen können?
Aber nein, ich bin eine Nullnummer, was den Drogenkonsum anbelangt. All das gute Zeug, angefangen bei Alkohol über Canabis hin zu tablettenförmigen Stoffen, kommt bei mir nicht gut an. Mein Körper ist ein Fimsch. Der verträgt nichts. Mein letztes Glas Wei hatte ich vor vierzehn Jahren. Oder zwölf. Es können auch dreizehn gewesen sein. Es war ein Grauburgunder vom Schwager des Mannes der Nachbarin, ein Winzer, und wurde von mir in einem sonnengewärmten Abendgarten getrunken. Noch nicht einmal ein ganzes Glas. Dreiviertel. Und schon war es vorbei mit mir. Die Beine fühlten sich an, als wären sie mit Blei ausgegossen und das Atmen fiel mir schwer. Kann sein, ich bin allergisch gegen Alkohol. Canabis versuchte ich mit sechzehn. Es war komplett für den Arsch. Die ganze Nacht hockte ich verstört in der Ecke. Danach habe ich nur noch anderen Menschen beim Konsum zugeschaut und mich gewundert, wie ihnen das soviel Freude bereiten konnte.
Andere Stöffchen waren mir seit je suspekt. Und so bin ich nur zu wenigen Gelegenheiten in den Genuß des Rausches gekommen. Einmal, ein einziges Mal habe ich es mit Alkohol vollbracht, auch mit sechzehn, danach war ich mit dem Thema durch. Vor anderen Sachen hatte ich soviel Angst, ich wäre schon vor der Einnahme zusammengebrochen.
Außerdem hatte ich in sehr jungen Jahren, als Kind von echten Achtundsechzigern mit großer Freude am Rauschen, schon genug gesehen.

Aber trotzdem habe ich meine Erfahrungen gemacht. Später. Medizinisch überwacht. Und das, ja das, das war wirklich fesch.
Kurz vor einer Operation, wenn der Sandmann sagt, gleich wird es schön, wird es so schön.
Die ganze Welt ist dann eine Blumenwiese. Nur als Beispiel. Es gab auch einmal eine kleine Tablette, die meinen Ruhepuls von hundertachtzig wieder auf ein Normalmaß senkte. Diese Tablette war ein Highlight. Fließende, bordeauxfarbene Samtstoffe zogen an meinem inneren Auge vorbei und ich fühlte mich, als hätte ich eine warme, weiche Wollkugel im Mund. Ich war sehr entspannt und ungestresst und alles war mir scheißegal. Sogar meine Kinder, und das kam eigentlich nie vor.

Aber ich gehe in keine Kirche, also brauche ich keine Drogen.
Ich mache mir meinen Totenmonat November selber. Ich denke an alle. Der Reihe nach, aber ohne Reihenfolge.
Und damit ich dabei nicht endgültig übern Bach gehe, mache ich mir eine Liste und zu jedem erinnere ich mich an etwas Nettes. Sonst wird das ein dermaßen trübsinniger Scheiß, soviel Propofol gibts nicht auf der Welt, dass man das erträgt.

Den Anfang auf der Liste macht die Person, durch die ich als Grundschulkind gemerkt habe, dass Menschen genauso sterben wie Hamster und weiße Mäuse. Ich war neun Jahre alt und von unserem Balkon konnte man in einen wunderschönen Bauerngarten sehen.
Oppa Schmitz. 
In diesem Garten habe ich mit den Enkeltöchtern von Oppa Schmitz Hindernisparcours aus Klapp-Gartenliegen, Springseilen und Ästen gebaut, die wir uns bei „Spiel ohne Grenzen“ im Fernsehen abgeschaut haben.
Und Oppa Schmitz hat uns in Ruhe dort spielen lassen, dieser hutzelige, kleine Mann in blauen Arbeitshosen, kariertem Hemd und Schiebermütze. Er hatte keine Angst um seine Dalien, Rosen oder Sonnenblumen, er wollte nur Ordnung nach dem Spiel. Das haben wir gemacht und alles war gut. Wenn wir genug Zeit mit dem Parcour verbracht hatten, sprangen wir über den Zaun und liefen durch Oppa Schmitz Felder, auf denen der Weizen stand und im Wind wogte, wie ein gelbes Meer, bis unsere Beine rotpockig juckten und wir uns noch ein bisschen im Garten auf die Wiese legten.

Oppa Schmitz starb. Seine Enkeltöchter weinten. Ich verstand nichts, sah aber, dass der Garten verschwand und stattdessen ein großes Haus entstand. Das Feld verschwand ebenso und eine komplette Neubausiedlung verdrängte den wunderschönen Weizen.
Ich weiß nicht mehr genau, wie sein Gesicht aussah. Ich weiß, wie sein Körper geformt war, was für Kleidung er trug, ich höre noch einen winzigen Ton seiner Stimme.

Man muss nicht immer Erbsen zählen

Es ist regnerisch und ich habe einen Deal ausgehandelt. Killerdog geht mit dem Hund in das stürmische und nasse Wetter hinaus und ich räume dafür die Küche auf, die er mit seinen Kochanfällen verunreinigt hat.
Fünfhundert Gramm Käsetortellini mit Tomatensoße hat er sich gekocht und brav alles aufgegessen. Danach beklagte er sich über Magendrücken und so empfahl ich ihm eine Runde mit dem Hunde und ich machte es ihm schmackhaft mit dem Reinigungsverzicht seinerseits meinerseits. Oder so.

Ich denke, es war eine Win-Situation für mich, denn auf Regenwetter habe ich zwar generell schon Lust, denn hier ist es immer noch trocken wie in der Wüste, aber auf Rumlaufen im kühlen Nass kann ich sehr gut verzichten.

Nachdem ich die Küche gereinigt hatte, was exakt drei Minuten dauerte (und wieder ein Win für mich!), schnappte ich mir ein Tütchen Pistazien und legte mich aus gesundheitlichen Gründen in die Ecke.
Ich riss das Tütchen auf, nahm die erste Pistazie zur Hand und ohweh, es war nichts drin. Aber als alter Pistazienvernichter weiß ich, dass Pistazien gern aus der Schale flüchten und dann am Tütengrund auf mich warten.
Die zweite Pistazie war leer. Die dritte? Leer. Und so ging das weiter und weiter.
Und ich war irgendwann enttäuscht. Sehr enttäuscht. So enttäuscht, dass ich anfing, die leeren Pistazien zu zählen. Und dann zählte ich die gefüllten Pistazien. Und die losen. Als ich alles durchgezählte hatte, dachte ich, es sein an der Zeit, der Pistazienfirma einmal ein paar warme Worte zu schicken, wo ich doch kürzlich schon ans Radio geschrieben hatte. Also nicht lange gezaudert und eine Nachricht verfasst:

„Sehr geehrte Damen und Herren,
gestern kaufte ich mir eine Tüte Kalifornische Pistazien.
Voller Vorfreude öffnete ich heute die Tüte, nahm die erste Pistazie heraus und wollte mit dem Genießen loslegen.
Die Pistazie war leer.
Kein Problem, dachte ich, sie wird irgendwo in der Tüte herumschwirren.
Und nahm mir die nächste. Die Pistazie war leer.
Und wieder dachte ich, da bekomme ich gleich Pistazien, bei denen muss ich gar nicht erst die Schale knacken.
Die dritte Pistazie war leer. Die vierte ebenfalls.
Nun wurde ich etwas unruhig und schüttete den Inhalt aus der Tüte.
Von den insgesamt 122 Pistazien in der Tüte, ja, ich hatte gerade nichts anderes zu tun und habe sie gezählt, was ich selbst höchst verwunderlich finde, da ich eigentlich nicht auf Erbsenzählerei, geschweige denn Pistazienzählen stehe, von den 122 Pistazien waren 21 leer. Einfach nichts drin. Und es befanden sich gerade einmal 2,5 Pistazien lose in der Tüte.
Die restlichen 101 Pistazien waren natürlich perfekt.
Nur die 21 leeren Hüllen haben mich schon verwundert.
Vielleicht kontrollieren Sie einmal Ihre Pistazieneintütmaschine, ob da alles richtig läuft.
Damit nicht noch mehr Tüten bei mir landen, bei denen ich Anwandlungen von Pistazienzählerei erleide.

Vielen Dank.

Mit freundlichen Grüßen,

Frau Lavendel“

Jetzt geht es mir wieder besser. Und nach all der Zählerei fiel mir ein, dass ich wirklich gern einmal wieder etwas mit Erbsen essen würde.