Stille Wohnung

Ich habe staubige Hände. Die Nase kribbelt und die Augen sind trocken. Papier um Papier schaue ich durch. Ordner für Ordner. Ein Leben. Ein seltsames Leben eines seltsamen Mannes. Er hat nicht viele Dinge angesammelt. Manche Menschen sind umgeben von tausend und abertausend Sachen, die sie brauchen. Ein Geschirr mit Tellern für sechsunddreißig Personen. Für den Fall, dass einmal eine gewaltige Party stattfinden würde. Wenn man wollte. Und falls es zu der Gelegenheit ein Menü mit vier Gängen gäbe, bräuchte man Vorspeisenteller, Suppenteller, Teller für den Hauptgang und noch welche für das Dessert. Und weil wir daran gewöhnt sind, nicht mit den Fingern zu essen, braucht es für jeden Gang Besteck. Und Gläser, weil das gemeinsame aus der Flasche trinken nicht ganz comme il faut ist.
In der kleinen Wohnung gibt es keine sechsunddreißig Teller. Auch keine sechsunddreißig Gläser. Die Teller und Gläser sind zusammengewürfelt. Gekauft irgendwann in den achtziger Jahren. Mit für diese Zeit typischem Design. Sechs Teller und ein paar Gläser. Dann noch acht große Teller in einem Schrank im Schlafzimmer. Dort stehen auch ein paar Flaschen Rotwein.
Staubig sind meine Hände. Jedes Papier ist sorgfältig abgeheftet. Selbst ausgeschnittene Zeitungsartikel über Ulli Hoeneß, über die Fehler der Sozialdemokraten und was Nostradamus dazu sagt, wie die Welt sich heute dreht.
Dazu eine Liste der Schulnoten der Söhne in den ersten vier Schuljahren.
Ein Ordner mit Rechnungen von der Jahrtausendwende.
Urkunden von der Bundeswehr, Beurteilungen, die sagen, der Soldat wäre durch seine besonnene Art ein guter Soldat gewesen. Sein zurückhaltendes Wesen wäre angenehm und die Kameradschaft verlässlich gewesen.
Andere Papiere zeugen von einer gewissen Streitlust, die sich in dem ein oder anderen Gerichtsurteil zeigte.

Die Wohnung ist sachlich. Der große Sessel und der große Fernseher stehen sich Auge in Auge gegenüber. Könnten sie sprechen, sie würden erzählen von langen Nächten, in denen einer dort saß, allein, vielleicht sich selbst genug. Vielleicht allein. Einsam? Zufrieden mit der eigenen Gesellschaft?
Einer, der für Gefühle nichts übrig hatte; einer, der recht hatte.
Der von sich behauptete, in seinem Leben zwei Fehler gemacht zu haben. Zu rauchen war der eine. Keine Tochter zu haben der andere. Sonst hat er alles richtig gemacht.

Die Blumen sind aus Plastik, ihr Grün ist verblasst und sie verlieren ihre Blätter.
Die wenigen Bilder an den dunklen Wänden sind exakt in gleichem Abstand, gleichem Winkel. In der Vitrine der Schrankwand liegen die Häute der Vogelspinne. Erstarrt, tot liegen sie verteilt auf einem Kerzenständer, in einer kleinen dunkelblauen Kaffeetasse mit Goldrand.

Niemand ist da in dieser Wohnung. Sie ist leer. Sie ist still. Mit staubigen Händen sitze ich am Sekretär und stelle ihn mir vor. Wie er durch die Wohnung geht, um in der Küche Bratkartoffeln aus einer Tüte in eine Pfanne zu schütten und auf dem Herd aufzuwärmen. Dazu öffnet er sich eine Dose Bohnen, für die Vitamine.
Dann sitzt er nicht an den kleinen Tisch, auf den kleinen Stuhl. Er nimmt den Teller mit aus der Küche, schiebt sich die Kartoffeln in den Mund.
Schaut Fernsehen. Wenn der Teller leer ist, ist er satt. Er spült den Teller sofort ab und stellt ihn zurück in den Schrank. Als wäre nichts gewesen, so sieht die Küche aus. Als hätte niemand gekocht. Er geht wieder zum Sessel, schaut weiter.
Fußball. Sport. Tag für Tag. Nacht für Nacht.

Ich sehe ihn, wie er sich auf den Sessel lehnt, die Luft reicht nicht, er kann nicht sagen, was er sagen möchte. Ich nehme seine Tasche und bringe ihn aus der Wohnung zum Auto, auf dem Weg denke ich, was ist, wenn er nie wieder herkommen kann? Was ist, wenn er nun das letzte Mal in seiner Wohnung war? Kein Nach-Hause-Kommen.

Ein hoher Stapel von Papieren, die nach mir niemand mehr anschauen wird, die verschwinden. Papiere, auf denen steht, dass der Soldat zwar in Physik nicht gut, in Wirtschaft aber umso besser war. Papiere mit Danksagungen für seine geleisteten Jahre für das Volk. Papiere, die ihm etwas bedeuteten. Vielleicht. Meine Hände sind staubig von all den Papieren. Meine Augen trocken. Ich fliege über die Worte, an manchen bleibe ich hängen, sie fangen mich und ich denke an den Mann, der diese Blätter sammelte. Frage mich, was ihm wichtig war an dem Strafzettel. Warum er wohl vor über zwanzig Jahren acht Kilometer zu schnell gefahren ist. Warum sich ein Erinnern daran lohnt.

Ich finde nicht eine Antwort. Ich bin in dieser Wohnung und es ist still. Als wäre niemand dort gewesen.

Hollywood lügt

Sterben ist nicht wie im Film. Oder soll ich sagen, Hollywood lügt?
Wirklich? fragt sich der ein oder andere, der gern einmal eine Lüge glaubt.
In der Love Story schloss eine bezaubernde junge Frau engültig die Augen und sah dabei verblüffend gut und gesund aus.
Das passiert ja ganz gern einmal, dass sie so hübsch aussehen, wenn sie sterben, im Film, die jungen Damen.
Und sterbende Herren? Nun, die sind in der Regel kraftvoll und sterben durch dumme Dinge wie gewaltige Orkverbände. Oder Unfälle. „Er ist tot, Jim“ sagt dann jemand. Und man ist ein bisschen traurig, dass wieder ein smarter Kerl in schneidiger Uniform auf irgendeinem fremden Planeten durch die Hand einer fremden Lebensform zu Tode kommen musste.

Ich selbst konnte in jungen Jahren nicht genug davon bekommen, theatralisch zu sterben. Allein in meinem Zimmer legte ich mich auf mein Bett oder wahlweise auf den Teppich. Ich breitete mein Haar, wenn es denn gerade lang genug war, wie einen Strahlenkranz um mein Haupt, was immer ein bisschen schwierig war, weil man dafür ja den Kopf still halten musste. Aber bei der Bewegung der Hände, Arme und Schultern bewegte sich eben auch der Hals und der Kopf und der Haarkranz lag nicht recht zu meiner Zufriedenheit. War das Haar zu kurz für solche Feinheiten, bastelte ich mir einfach etwas aus vielen Wollfäden. Ein ordentliches Sterben war nur mit optimaler Haar-Korona eindrucksvoll.
Wenn ich es geschafft hatte, mein Haar annähernd zu drapieren, schloss ich die Augen und stellte mir intensiv vor, wie ich meinen letzten Atemzug täte. Noch einmal die Luft durch die Nase einsaugen, das Gesicht entspannen, mit einem sanft entrücktem Ausdruck die Lippen leicht öffnen und die Luft zart entweichen lassen.
Der letzte Atem. Das letzte bisschen Leben herausgeben in die Welt und dann fallen in die Unendlichkeit. Wenn ich richtig im Methodacting versank, konnte ich schon einmal völlig panisch aufspringen und nach Luft schnappen, weil mich plötzlich die Gewissheit durchfuhr, mich selbst aus Versehen totgedacht zu haben und nie mehr wieder einatmen zu können.
Vor allem, wenn ich zu der Atemübung noch gedanklich all meine Glieder in einen Zustand der Schwere und Lähmung gedacht hatte.

Von außen betrachtet lag also eine Zehnjährige auf einem spinatgrünen Achtzigerjahreteppich wie aufgebahrt mit drappiertem Haar, um im nächsten Augenblick hochzuschießen wie von der Tarantel gestochen, zu hecheln, zu zappeln und das Gefühl zu haben, gerade noch einmal davongekommen zu sein.

Wenn ich mein Onkelchen, den fast gleichaltrigen, überzeugen konnte, mitzumachen, dann hielt er mich im Arm, hauchte mir ein Adieu ins Gesicht und ich konnte meinen Kopf nach hinten fallen lassen und ich starb nicht allein. Was für das Gesamtdrama ein echter Pluspunkt war. Allein eingebildet zu sterben war deutlich bedrohlicher.
Onkelchen wollte auch manchmal sterben, davon war ich weniger begeistert, er wollte stets von mir erschossen werden. Als es ihn dann wirklich erwischte, war es ein Anblick, den mir der Bestatter nicht erlauben wollte. Kein schönes Sterben mit sanftem Blick, kein Gleiten in andere Sphären.

Und das ist die Wahrheit. Kein Film, kein Weichzeichner, die Wirklichkeit ist eine Herausforderung.
Wie Geburten, so ist auch das Sterben aus dem Blick gerückt. Wer ist heute schon noch zugegen, wenn geboren oder gestorben wird?
Gebären wird seit einigen Jahren im Fernsehen gezeigt, Berichte aus Geburtsstationen, von glücklichen Momenten berichtet, spannenden, gefährlichen, aber meist mit einem Ende, bei dem man trotzdem ruhig schlafen kann. Der Tod?
Der wird nicht im Fernsehen verwurstet. Und warum? Weil es mit dem Glück und dem ruhig schlafen nach einem drei Tage währenden Sterbeprozess vermutlich nicht weit her ist. Das lässt sich nicht in schönen Bildern einfangen.

Eine Hülle, die auf dem Bett liegt, zur Seite gedreht, damit Sekrete ablaufen können, die sonst wie bei einem Springbrunnen im Mund immer wieder hochgeatmet werden, Arme und Beine dünn und nahe an denen einer Mumie, das Gesicht sonderbar gefärbt, eine Mischung zwischen grau, gelb, blass und wächsern. Jeder Atemzug brodelt und wenn einer plötzlich fehlt, ein Bruch im Rhythmus, die Brust sich kurz nicht mehr bewegt, sitzt man da und wird innerlich ganz kalt.
Dann hofft man. Fleht. Schreit im eigenen Kopf: Lass gut sein, jetzt. Es kann dein letzter gewesen sein. Es reicht. Stirb. Ich kann nicht mehr. Ich kann nicht mehr hier sitzen und dir zuschauen. Ich kann nicht mehr zuhören, wie jeder Atemzug dich quält. Du hast keine Schmerzen, sagen sie. An deinem Gesicht können sie das sehen, sagen sie. Aber ich weiß, du bist gequält. Nie wolltest du so sterben. Nie im Leben. Aber Sterben ist auch kein Wunschkonzert. Das sanfte, thaetralische Hinübergleiten, das Drama auf der Bühne, weiche Gesichter, sanfte Züge, all das ist eine Lüge. Kein Hollywood am Sterbebett.
Es ist ein Kampf. Ein Kampf um das Loslassen. Ein Kampf um das Gehen. Das Verschwinden.

Eine Ärztin stand am Bett und sagte, es geht ihm soweit gut. Seine Stirn liegt nicht in Falten.
Und ich sagte, wenn ich mit einem Hund in diesem Zustand zum Tierarzt gehe und sage, geben wir ihm doch ein paar Schmerzmittel und dann lassen wir der Natur ihren Lauf, dann wird der Tierarzt mich anzeigen wegen Tierquälerei. Aber ein Mensch, der darf diesen Kelch bis auf den allerletzten Tropfen ausschlürfen, weil es vielleicht für irgendetwas gut sein könnte. Etwas, dass sich mir nicht erschließt. Nicht einmal ansatzweise. Sterbehilfe? Aktive Sterbehilfe? Ja. Ein großes Ja.

Was hätte ich darum gegeben, es zu dürfen. Ihm zu helfen, diese letzte Klippe zu umschiffen. Eine Abkürzung zu gehen um nicht stundenlang, nächtelang durch diese völlig von Krebs zerstörte Lunge atmen zu müssen. Den Kopf immer ein kleines bisschen zu heben, den Hals zu strecken, um vielleicht noch ein klein wenig mehr Luft zu bekommen. Denn gereicht hat die Luft nicht mehr. Zu wenig Luft. Was das für eine Qual bedeutet, ich kann es mir nicht einmal auf einem grünem Teppich vorstellen.

Nach Stunden die unendlichen wirkten, die nicht vorbeigehen wollten, Minuten, die herauströpfelten aus der Welt, kam der letzte Atemzug. Das Herz schlug noch, ich konnte es sehen, es klopfte am Hals. Aber der Atem hörte auf zu fließen. Er stockte, kam noch einmal zurück, stockte wieder, dann ein leises Stöhnen und noch ein Heben der Brust. Dann war es vorbei und die Sonne schien.

Das ist kein Film, das ist die Wirklichkeit. Es ist nicht weich, sanft, liebevoll. Es ist unsagbar anstrengend, schmerzhaft und kostet Überwindung.
Und ich muss jetzt das zweite Sterbetrauma des Jahres bearbeiten. Denn wenn es ein Geburtstrauma gibt, dann gilt das auch für das Sterben.

Und deshalb werfe ich dem Schwiegervater jetzt noch ein paar Worte hinterher, fernab von Hollywoodharmonie:

Zum Glück ist es jetzt rum, Alter. Echt.

 

(Und jetzt für alle, die zum Schluss noch einen Scherz vertragen können:
Die letzten Atemzüge kündigten sich an. Das Gesicht verrutschte so seltsam nach links und es stockte und röchelte in seiner Brust. „Klingel mal“, sagte der Gutfrisierte. „Meinste echt? Ist doch okay, wenn er jetzt stirbt.“, sagte ich. „Ja, klar, aber klingel trotzdem, bitte.“
„Mach ich.“ Und ich klingelte. Und herein kam nur Sekunden später ein junges Ding. Schwesternschülerin. Noch frisch im Hospizgeschäft.
„Er ist tot.“, sagte der Gutfrisierte. 
„Nein.“, sagte das junge Ding. Und der Vater des Gutfrisierten tat in der Tat noch ein bis zwei sogenannte Nachschnaufer.
„Doch, der ist tot, echt.“
„Aber der atmet noch.“
„Nein, der tut nur so. Der ist wirklich tot.“
„Aha. Ja dann… lass ich Sie mal in Ruhe.“
Sprach`s und entschwand. Und ich konnte nur noch denken:
„Der Vogel is doud… Mausedoud. Der lernt jetzt oben bei den Engeln snacken.“
https://www.youtube.com/watch?v=v_fuUSe1nBs)

Überraschung

Ich habe meine Tränen noch nicht getrocknet, bin noch in anderen Sphären, aber trotzdem geht das Leben weiter. Und das Leben bedeutet: Ich habe heimlich beim Scoyo Eltern! Blog Award mitgemacht. Und bin als Finalistin dabei.

Das hat mich überrascht. Sehr. Ziemlich.
Weil ich tendenziell immer denke, ich bin eh eine Pfeife gewinne nie etwas.
Aber wer weiß. Vielleicht doch. Irgendwann.

Hier https://www-de.scoyo.com/eltern/scoyo-lieblinge/eltern-blogs/eltern-blog-award-2016-voting kann man seine Stimme abgeben.
Für mich. Oder einen anderen.
Aber lieber für mich. Dann könnte ich vielleicht geneigt sein, das Jahr zweitausendsechzehn zwar immer noch für das beschissenste Jahr aller Zeiten zu halten, neben zweitausendzwölf, versteht sich, aber es hätte möglicherweise einen Lichtblick.

Auf jedenfall finde ich es sehr schick, dass ich von siebenundachzig Einsendungen bei den letzten zehn dabei bin.
Und Ihr könnt mein Gesicht sehen. Dieses hübsche Foto habe ich übrigens selbst gemacht. Auf der Couch. Mit ungekämmten Haaren. Und mit den Füßen auf einem Teppich, der durch die Hundehaare seine Farbe von beige zu grauschwarz gewechselt hat und mich lauthals anbrüllte: „Mach mich sauber, du faules Ferkel.“
Und ich brüllte zurück: „Ich habe zu tun, du schmuddeliges Ding.“
„Das ist mir doch egal!“
„Mir aber nicht! Ich habe keine Zeit, ich muss ein Foto von mir machen!“
„Dann sieh bloß zu, dass du mich aus dem Spiel lässt, wenn die Leute mich sehen, halten die dein Zuhause für einen Schweinestall.“
„Ich passe schon auf.“
Und ich machte ein Foto ohne Teppich.

blog-award-vote-for-me-800-800

Und jetzt lege ich mich noch ein bisschen zum Weinen nieder.
(Edit: Aber nicht, wie man fälschlich annehmen könnte, weil ich den deutschen Teilnehmern des Eurovision Contest nacheifere. Es gibt bessere Gründe zu weinen.)

 

„Würdest Du denn gern noch einmal nach Hause kommen?“
„Wenn, dann nur nachts. Ich will nicht, dass mich die Nachbarn so sehen.“

Fünf Wochen, auf den Tag genau fünf Wochen vorher habe ich ihn ins Krankenhaus gebracht.
Fünf Wochen waren wenig Zeit. Aber die letzten drei Tage dauerten ewig.

Gute Reise, alter Grantelhuber.

Heiligs Blechle

Manche Menschen haben plötzlich Schweißflecke, die aussehen wie das Konterfei von Elvis Presley.
Andere haben auf ihrem Toastbrot das Antlitz der heiligen Jungfrau eingeröstet. Oder wahlweise von Jesus.
Dann wird kräftig ausgeflippt, weil es zur Erweckung kommt, oder wie das heißt, wenn man plötzlich zum Glauben findet.
Ich hatte die Erweckung am heutigen Sonntag.
Im nach altem Aquarium stinkenden Kellerabgang. Die Wand dort ist in einem strahlenden Weiß gestrichen worden. Vor ein paar Jahren. Dann lullerte sie voll. Volllullern bedeutet, Flechten, Algen, Katzenpfotenabdrücke, Spinnenkacke und Moderstreifen breiteten sich darauf aus und ließen die Wand aussehen, als wäre sie zum baldigen Abriss bestimmt.
Weshalb ich vorhin im Keller einen alten Eimer Fassadenfarbe hervorkramte, etwas grüne Abtönung, Gummihandschuhe und eine Farbrolle und los ging die wilde Fahrt. Ich pinselte und krickelte und tat und machte, Frau Lavendel im Weiß-Grün-Rausch, künstlerisch ambitioniert. Nicht umsonst macht Killerdog ein Jahrespraktikum bei einer Künstlerin, das färbt auf alle Familienmitglieder ab.

Ich malte, überstrich, matschte, überstrich, pünkelte und kleckste. Herrlich. Heraus kam das:

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Gut, es kommt nicht ganz rüber, in seiner Komplexität und seiner Aussagekraft. Vielleicht hier:

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Eher nicht. Aber egal. Ich stand jedenfalls vor meinem Werk, betrachtete es, war mir sicher, wenn sie das nächste Mal verlullert, die Mauer, dann ist das nicht so auffällig, weil es in der asymetrischen Anordnung der grünen Bremsstreifen an Präsenz verlieren wird.

Aber dann. Die Erweckung. Was hatte ich da gemalt? Oder vielmehr hingeschmiert? Als ich in Trance war, vermute ich. In der Schaffenstrance. Unfassbar. Ich ging näher ran. Ich traute meinen Augen nicht. Sollte etwa ich Ungläubige, ich, die alle Beziehung zu Gott für einen Ausdruck von schlecht zu verarbeitetenden Ängsten hält, sollte ich also hier einen Beweis erbracht haben für die Existenz himmlischer Wesen?

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Seht Ihr ihn? Den Engel? Ich habe einen Engel gemalt. Aus Versehen. Einen Engel. Ich fasse es nicht.
Wer ihn sehen möchte und ausprobieren mag, ob er heilende Kräfte hat:
Mo.-Fr.= neun bis dreizehn Uhr
Eintritt fünf Euro.

So langsam legt sich aber meine heilige Ergriffenheit wieder. Ich schrubbe mir jetzt erst einmal die Kleckse von den Armen und vom Kopf. Und dann werde ich mich vermutlich von den seltsamen Farbdämpfen erholt haben.

Hauptsache du kannst tanzen

Sonntagmorgen, ich liege auf meinem Bett. Es ist schon jetzt sehr warm und die Sonne scheint in mein Gesicht. Darum kann ich auch nicht weiterschlafen. Müde genug wäre ich schon, um noch eine Mütze Schlaf zu nehmen, aber der Schlaf von heute ist nicht mehr der Schlaf von früher. Er verändert sich, wird launisch, unberechenbar. Kommt nicht mehr verlässlich daher sondern ist wie ein Besucher, der nicht pünktlich ist. Man weiß sicher, irgendwann erscheint er. An Absprachen und Uhrzeiten hält er sich jedoch nicht. Und wenn er erst einmal da ist, heißt das nicht, dass er auch bleibt.
Durch Sonnenstrahlen lässt er sich vertreiben.
Helligkeit ist sein Feind. Früher war ihm das egal, heute gibt er die Mimose.

Gestern Abend war ich jung und spontan und machte mich auf zu einer musikalischen Darbietung. Zum ersten Mal konnte ich eine Freundin und ihre Band bei einem Auftritt sehen. Und ich muss schon sagen, ich war sehr froh, nicht zur Qualität des Auftritts befragt worden zu sein. Ich hätte gesagt: „Doch, das war klasse. Ich wusste gar nicht, dass du so gut singen kannst…“ und das hätte auch der Wahrheit entsprochen. Aber die Auswahl der gecoverten Lieder, die ließ mich eher ratlos zurück. Brian Adams, Adele, Queen, Beatles und viele mehr und dann zum Schluss noch Marius Müller Westernhagen. Das hat mich vollkommen überfordert. Und weil ich mit einem muskalischen Mann verheiratet bin, der in seiner Musikauswahl gnadenlos ist und allen Mainstream verdammenswert findet, ich darum immer und drei Tage mit Musik beschallt werde, die für ungeübte Ohren mitunter anstrengend ist, in der Gewöhnung früher oder später aber doch zum Mitträllern führen kann, fiel es mir schwer, mich emotional in das musikalische Erleben hineinzuwerfen.

Letztlich egal, denn trotzdem fühlte ich mich wild, weil ich Samstagabend auf der Piste war. Mit erwachsenen Menschen. Die geraucht haben und Alkohol tranken.
Ich war erst um ein Uhr nachts im Bett. Dann kam der Schlaf zügig vorbei, verschwand bedauerlicherweise mit der Morgensonne wieder und so lag ich im Bett herum und las in meinem Buch. Dabei lauschte ich den Geräuschkaskaden neben meinem rechten Ohr, rhythmisch und sonor. Ich verschickte diesen Sound sogar als Schnarchnachricht Sprachnachricht an den Erzeuger und warte jetzt, dass er mal auf sein Handy schaut.

Nacheinander wurden auch die anderen Mitbewohner von der Sonne wachgekitzelt und irgendwann lag das Wolkenköpfchen dann neben mir und wir plauderten. Ich erzählte von dem gestrigen Abend und dass meine Freundinnen gern im Oktober mitkommen möchten, wenn der Gutfrisierte mit seiner Band auch ein Konzert haben wird. Und wir überlegten, ob es eine gute Idee wäre, die Freundinnen ungewarnt in das Konzert stolpern zu lassen oder ob ein Wort der Warnung angebracht sei. Der Gutfrisierte meinte dazu: „Kostet fünfzehn Euro Eintritt.“, woraufhin ich einwarf: „Gibt`s keine Gästeliste?“
„Weiß ich noch nicht. Muss ich mal fragen.“
Das Wolkenköpfchen sagte: „Fünfzehn Euro? Papa, wir sind doch deine Verwandten, da wollen wir nix bezahlen!“
Dann fuchtelte und zählte sie an ihren Fingern herum.
„Also fünfzehn Euro, da könnte ich… in der Eisdiele… warte,…. zweiviersechsachtzehn… ich könnte dreizehn oder vierzehn Kugeln Eis dafür kaufen!“
„Wolkenköpfchen?“
Ich schaute sie erstaunt an.
„Ja?“
Du weißt schon, dass in der Eisdiele eine Kugel einen Euro kostet. Oder?“
„Ja.“
„Und wieviele Kugeln Eis bekommt man dann für fünnfzehn Euro?“
Schweigen, klackern im Kopf und dann:
„Oh Mama, mach doch was!!! Bitte!“
Das Kind hat eine offizielle anerkannte Diskalkulie. Und wenn sie es merkt, schlägt sie sich vor den Kopf und wundert sich.
Nachdem ich mich fünf Minuten später beruhigt hatte und nicht mehr lachen musste, strich ich ihr tröstend über das wirre Haar und sagte:
„Hauptsache, du kannst tanzen.“

Und jetzt bleibe ich noch ein bisschen auf dem Bett liegen, fühle weiter meine schweren Augenlider und vielleicht kommt er doch noch auf ein Stündchen vorbei, der Schlaf. Dann träume ich von tanzenden Zahlen, die sich zu schlechter Musik mit Eiswaffeln in der Hand in den Hüften wiegen und laute Geräusche in den Sommerhimmel pusten.

Wie man sich nicht verhalten darf

Da klaffen manchmal tiefe Schluchten zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Weil man bestimmte Dinge nicht darf. Sie sind nicht konform mit dem Normalverhalten.
Trotzdem juckt es mich mitunter. Dann möchte ich auf die böse Seite wechseln. Auf die dunkle Seite der Macht.
Dann möchte ich dem Nachbarsmädchen, fünf Jahre alt und immer gut zu hören, gern sagen:
„Hör zu, kleine Dumpfbrumme. Konzentriere dich. Der Hund heißt seit deiner Geburt so. Mit deinen ersten Worten hast du mich gefragt, wie er heißt. Ich habe es dir gesagt. Wieder. Und wieder. Und wieder. Seit sechs Jahren sage ich es dir. Regelmäßig. Was ist los mit dir? Bist du das dämlichste Kind auf dem Planeten? Nicht nur, dass du kreischst, Menschen tyrannisierst, andere Kinder bis zum Heulen kuschonierst, nein, die Frequenz deiner Stimme gleicht einer Kreißsäge auf Speed. Und du bist eine Petze, eine Spielverderberin und frisst zuviele Gummibärchen, weshalb du aussiehst, als wärst du selber eines.
Zum letzen Mal: Der Hund heißt Amy. Merk es dir oder lass es, aber frage mich nie wieder danach. Nie mehr. Sonst nehme ich die Hundeleine, fessle dich im Wald damit an einen Baum und lasse dich da verschimmeln.“
Aber macht man nicht. Die dunkle Seite ist nicht stark genug für echte Taten und Worte.
Darum sage ich meinem Schwiegervater auch nicht:
„Du liegst im Sterben und denkst über dein Geld nach? Ob du tausend Euro mehr oder weniger hast? Und das macht dir Spaß? Jahrelange Abwesenheit im Leben deines ältesten Sohnes? Reaktionäre Sicht auf die Welt? Beziehungskompetenz gleich nullnicht vorhanden? Egal, oder? Hauptsache ist doch, du hast tausend Euro mehr, Dagobert.
Ich finde dich unsympathisch und ja, ich finde dich doof. Weil du doof bist. Und jetzt mach hinne, ich habe keine Zeit mehr.“
Böse. Böseböseböse.

Aber ich bin ja ein Yedi. Darum sage ich nächste Woche wieder, wie der Hund heißt und darum fahre ich ins Hospiz und besuche den Emotionslegastheniker.
Und noch viele andere Dinge.
Aber die dunkle Seite, sie nagt an meinem Herzen.

Man kann der Hälfte der Weltbevölkerung was abschneiden

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Lasst uns doch einfach mal die weibliche Sexualität verringern, denkt er sich, der Mufti von Dagestan. Und bekommt weniger als fünfzig Worte in der Tageszeitung.
Zwar hat er damit nahezu die Hälfte der Weltbevölkerung bedroht, aber was soll es denn. Da braucht es nicht viele Worte.

Die Beschneidung der Frau, treffender als Genitalverstümmelung bezeichnet, ist ein Verbrechen an Frauen. Und der Mufti legt seine Ansicht über Frauen mit seiner Forderung dar. Die Verringerung der weiblichen Sexualität ist sein Ziel.
Da stellt sich mir die Frage, warum er sexuell verringerte Frauen haben möchte.
Ist eine Frau, die durch unversehrte Genitalien beim Sex Spaß haben kann, als Bedrohung anzusehen? Soll beim Sex nur einer Spaß haben?
Oder hat jemand, der solch eine absurde Forderung stellt, mehr Spaß am Sex, wenn er dabei jemanden quälen kann, weil dem Sexualpartner, in diesem Fall der Frau, der Geschlechtsakt Schmerz und Retraumatisierung bereitet?

Ich glaube, ich kenne keinen einzigen Mann, der darauf steht, wenn sich die weibliche Sexualität verringert. Bei Abenden im Kreise trauter Freundinnen ist eher vom Gegenteil zu hören, dass Männer sich eine deutliche Erhöhung der Sexualität wünschen. Aber was ein Mann mit einer Vorliebe für genitalverstümmelte Frauen ist, dem ist ja auch sicher das eigene sexuelle Bedürfnis der Frau egal, darüber setzt er sich hinweg. Und wenn es Schmerz bereitet, keinen Spaß macht, eine Qual ist, dann ist das eben so. Für die Frau. Dem Mufti ist das egal. Seinen Spaß hat er ja. Vermutlich.

Wenn sich nun eine Frau hinstellen würde, eine Rechtsgelehrte und fordern würde, allen Männern solle der Penis entfernt werden, was würde ein Großteil der Männer für ein Reaktionsspektrum zeigen? Und welche Resonanz würde es hervorrufen?
Man kann Vermutungen anstellen.

Ich bin jedenfalls immer wieder erstaunt, was es für Blüten treibt, dieses
„Lasst-uns-Frauen-das-Leben-versauen“-Ding.
Und wie klein die Berichterstattung dazu sein kann.

(Alle Beschimpfungen und Zornesausbrüche habe ich mit mir ausgemacht)

Nachts auf einem Parkplatz

Es ist später Abend, frühe Nacht auf einem Parkplatz nahe der Straßenbahn. Ein paar junge Männer gehen zu einem großen, dunkelblauen Wagen. Es ist ein Familienauto, das sieht man. Ein Auto, mit dem Mütter Kinder zur Schule, zum Ballett oder manchmal sonntagsmorgens um sechs zur Arbeit bringen. Schmucklos, funktional, mit viel Platz für riesige Einkauf.

Später Abend und die jungen Männer albern herum, benehmen sich wie kleine Flachlandgorillas, schlagen sich auf ihre unbehaarten Brüste und vergleichen im übertragenen Sinn ihren Hoseninhalt.
Einer der Kerle setzt sich hinter das Lenkrad des Wagens. Er muss das Auto nach Hause bringen. Sein Auftrag lautet: Um Punkt zwölf steht es vor der heimischen Haustür, sonst verwandelt er sich in einen Kürbis. Der Bursche, nicht das Auto. Darum hat es Cinderella ein kleines bisschen eilig. Es eilig zu haben passt natürlich nicht gut zu einem Flachlandgorilla, die haben alle Zeit der Welt. Aber ein sportlicher Abgang mit dem Auto, der passt auf jeden Fall zu seinem postpubertären Status.

Reingesetzt, noch einmal zu den anderen Gorillas rübergegröhlt, Tür zugeschlagen, die laut piepende Einparkhilfe ausgeschaltet, die lügt doch sowieso mit ihrem hysterischen Gepiepe, da ist doch nichts hinter dem Auto, mit Schwung, Verve und Elan aus der Parklücke herausgeschossen und dann kam es, wie es kommen musste. Man ahnt es schon.
Mit einem hässlichen Knirschen und einem Klirren fährt der junge Mann die Rückseite des Autos irgendwo gegen.
Was war das?, fragt er sich. Und was wird die Mutter sagen?
Seine Kollegen werfen sich auf dem Parkplatz zu Boden, als der Kerl aus dem Auto springt, um es herumrennt und den Schaden begutachtet, den er angerichtet hat. Ach, da war ein Baum? Wirklich? Der war aber vorhin beim Einparken noch nicht da! Wie ist der denn da hingekommen? Der muss doch spontan dort gewachsen sein, der Baum.

Zeitsprung:
Am nächsten Morgen schleicht der Bursche, bevor er auf die Arbeit muss, zu seiner Mutter. Mea culpa, mea maxima culpa murmelt er und hält den Kopf schief. Dann berichtet er von siehe oben.
Die Mutter denkt sich ihren Teil.
Niemand ist verletzt. Außer dem Auto. Das hat eine Blechquetschung, die auf erhöhte Schrittgeschwindigkeit beim Rückwärtsfahren schließen lässt. Und dummerweise ein zerstörtes Rücklicht.
Im Schlafanzug steht die Mutter vor ihrem Auto, denkt an damals, als sie beim Rückwärtsfahren der Einparkhilfe nicht glaubte und gegen das flache, sportliche Auto ihres Herrn Vater fuhr, was sie diesem nie gestand, weil ja auch nichts passiert ist, damals.
Und an Jungs, die sich gegenseitig zum Blödsein anstacheln, weil sie auch mit über achtzehn immer noch hormonverwirrt durch das Leben stolpern.
Der große Bruder, von dem Aufruhr erwacht, kommt herunter, beschaut sich den Schaden, hört sich die Geschichte an und bricht, wie es sich mit zwanzig gehört, vor Lachen zusammen.
Die Mutter schimpft ein bisschen herum. Der Unfallverursacher regt sich ein bisschen auf, dass sein erstes Gehalt für die Reparatur eines Rücklichts draufgehen wird,
Aber ach, was solls.
Der Opa väterlicherseits kommt heute ins Hospiz.
Kein Grund zur Aufregung, das alles.

(Ich plane, das Ordnungsamt zu kontaktieren. Die müssen etwas gegen die marodieren Bäume auf dem Park-and-ride-Parkplatz unternehmen. Geht doch nicht, dass Bäume des Nächtens wehrlose Autos anfallen! Empörend.)

Abtauchen

Ich bin in meinen Gedanken.

Ich fühle, wie es war, auf dem Boden mit dem Kopf auf einem kackbraunen Sessel-Cord-Kissen zu liegen, die Füße zwischen heiße Heizungsrippen geschoben, ein Buch vor der Nase. Drumherum völlige Stille. Die kleine Schwester außer Haus, der Vater auf der Arbeit, die Mutter auf der Couch, den Kopf hinter dem eigenen Buch versteckt.
Ein Moment der Ruhe. Und darin verschwunden zu sein. In Mittelerde, Phantasien oder in einem englischen Internat. Manchmal auch gemeinsam mit den Rittern auf der Suche nach dem Gral zu sein. Oder den Burschen zu begleiten, der versucht ein Schwert aus einem Stein zu ziehen. Und natürlich die Welt zu retten. Vielfach. Ob nun mit dem Stählernen, der Unterhöschen über der Strumpfbuxe trägt oder mit dem Fledermausmann, der ein reicher Playboy sein soll.

Ich sehe den kleinen Flummi, den ich vom Balkon im ersten Stock warf, weil ich wissen wollte, ob er so hoch auch wieder zurückspringen kann. Und die Möbel des Puppenhauses im Sturzflug, bei der Überprüfung von Schwerkraft, Ursache und Wirkung.

Ich wandere durch das alte Haus meiner Großeltern. Ein Ort, der in meiner Seele wohnt. Ein Ort von tausend Erinnerungen.
Jeder Raum ist angefüllt mit Geschichten. Im ersten Raum rechts, früher das Wartezimmer, als Urgroßvater Emil seine Praxis unterhielt, dann als Spielzimmer genutzt. Dort fanden Geburtstagsfeiern meines Onkels statt, der nur zehn Monate älter als ich, zwei Monate nach mir feierte.
Als wir nicht mehr Verstecken im Dunkeln spielten, kein Topfschlagen und kein Hänschen mehr piepte, da wurde die Heißmangel in das Zimmer gestellt und nun roch es immer nach gemangelter Wäsche. Meine Großmutter saß auf einem Stuhl, schob Wäschestück für Wäschestück durch die Mangel, die Laken und Bezüge mit leisem Zischen einzog und auf der anderen Seite glatt und fest wieder heraus schickte.
Ich durfte niemals auch nur ein Geschirrhandtuch zwischen die dicken Rollen stecken, meine Großmutter fürchtete sich zu sehr davor, dass Finger oder gar das ganze Kind hineingeraten könnte.

Gedanken an Flugzeuge, früher mochte ich das Fliegen. Als Kind war ich begeistert. Einsteigen in dieses wunderliche Gefährt mit Flügeln und nach einigen Stunden wieder aussteigen und in einer vollkommen anderen Welt sein.
Anderes Licht, andere Luft, andere Gerüche, Palmen am Weg und flirrende Hitze.

Zurück in Zeiten, die lange vergangen sind.
Meine Schwester, noch klein, die schon mit einem Jahr dank meines leidenschaftlichen Einsatzes anderen Menschen einen Vogel zeigen konnte.
Mein Leben, noch wenig gelebt, und doch voll von Erlebnissen. Guten und schlechten.

Blicke in mein Bücherregel. Soviele Bücher habe ich weggegeben. Ich werde sie nicht mehr lesen. Nur wenige müssen bleiben. Als ich anfing zu arbeiten, wenig Geld hatte, als Köchin in der Ausbildung gab es nicht viel und ich lebte da das erste Mal mit dem Gutfrisierten zusammen, ging ich jeden Monatsanfang in das Buchgeschäft drei Häuser weiter und kaufte mir ein Buch. Manchmal auch zwei. Lieber Leitungswasser trinken als nichts zu lesen haben.

So wandere ich durch meine Erinnerungen, durch meine Gedanken, lasse mich treiben und mache Bögen um die Dinge, die mich verletzen, die mich schmerzen. Fliehe vor dem Jetzt.
Tauche in dem, was war, um nicht zu sehen, was ist.