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Es ist windig draußen. Ich sehe das am sich wiegenden Bambus und am zitternden Kirschlorbeer. Ich vermute, es regnet auch, weil alles im Grau glänzt.
Eine seltsame Stimmung macht sich breit.
Immer nur herumliegen.
Zwischendurch mit dem Ärmel über Displays wischen, die ich kontaminiert habe.
Es liegt irgendwo zwischen Langeweile und Langeweile.
Vorhin war ich kurz im Wald, der Hund geht nicht allein spazieren. Die kürzeste Runde, vielleicht fünfhundert Meter, normalerweise eine Minutenangelegenheit. Heute eine Grenzerfahrung.
Auch in der Kombination Influenza-Beckenboden.
Wie sagt meine Freundin so schön? „Ich geh nicht mehr aufs Trampolin.“
Ich auch nicht.

 

Das männliche Prinzip

Auerhähne hacken sich bei ihrem Balzkampf in die roten Pöppel über den Augen. Und das Huhn schaut zu und wartet ab, wer sich am Besten schlägt und Vater ihrer Küken werden könnte. Es sei denn, die Burschen hacken zu lange, dann verliert sie die Geduld und macht sich vom Acker.
Die Moschus-Ochsen knallen mit ihren Kopfplatten aneinander um zu klären, wer sich vermehren darf und wer nicht. Mit fünfzig Stundenkilometern rennen sie gegeneinander und wer nicht mehr kann, entschwindet. Bei Bären läuft das auch nicht viel anders. Die Bären stellen sich auf die Hinterbeine, schubsen sich hin und her, langen ordentlich zu und wollen sich interessant machen bei der Bärendame.

Und warum tun die das?
Testorsteron.
Elche, Hirsche, Wölfe, egal wer, die entsprechenden Männchen bekommen eine Testosteronvermehrung und schon geht sie los, die wilde Balz.

Ja, ich bin immer noch sehr kränklich und zu nichts zu gebrauchen, außer auf einen Bildschirm zu schauen. Und mittlerweile ist es sogar so weit, dass ich mir fast ausschließlich Dokumentationen reinziehe. Gern auch über Tiere in Europa. Oder die Nordsee von oben. Was mir im Gedächtnis bleibt, neben sexualisierten Rotbauchunken und der Tatsache, dass Elchmänner sich jedes Jahre ein neues und möglichst imposantes Geweih wachsen lassen um zu zeigen, dass sie den Größten haben der Tollste sind, ist eben das männliche Prinzip in der Natur. Und wie von selbst läuft in meinem Kopf die Übertragung auf menschlich-männliche Verhaltensweisen.
Da kommt mir mitunter der Gedanke: Ist doch alles kein Wunder.
Hormone. Darum ist das so schwer für Jungs, heutzutage. Die dürfen ja gar nicht machen, was ihnen die Hormone eigentlich eingeben. Nämlich anderen so richtig eins auf die Fresse geben. Das ist nicht mehr salonfähig. Ich persönlich finde das auch nicht gut, wenn archaisch aufeinander eingedroschen wird. Aber ich frage mich schon, was macht das aus männlichen Menschen, wenn sie immer entgegen ihren hormonellen Befehlen leben müssen.
Ist ja alles nicht so einfach.
Wobei in der Tierwelt ja nicht das ganze Jahr über randaliert wird, sondern in der Brunftzeit.
Und jetzt komme ich an den Kern meiner Überlegung. Vielleicht sollten die Vereinigten Staaten mal über die Terminplanung ihrer Präsidentenwahl nachdenken. Kann ja sein, dass die Wahl genau in der Brunftzeit stattfindet. Würde mir einiges erklären.

 

Vielleicht sollte man diese ganz ursprünglichen Dinge auch im Kopf haben, wenn man sich über Verhaltensweisen der männlichen Mitbewohner und Lebenspartner echauffiert. Wenn man es nüchtern betrachtet: Die Balz ist gelaufen, die Brut ist großgezogen, warum sollte sich das Männchen noch ins Zeug legen? Aufwändige Tänze? Umgarnen und interessant machen? Wofür? Ist doch völlig sinnlos, jetzt. Heute muss man froh sein, wenn man nicht einfach sterben gelassen wird, sondern hin und wieder jemand gucken kommt, ob man noch atmet.

Und im Juni blüht die Glockenheide.

 

(Edit:
Nur fünf Minuten nach Fertigstellung dieses Posts erreicht mich ein Foto vom Wolkenköpfchen aus dem Zug, dazu die Frage, warum manche Männer solche Schuhe tragen:

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Und? Warum wohl? Genau.)

Waagerecht

liegen:

ausgestreckt daliegen/sein, in horizontaler/waagrechter Lage sein, in liegender Stellung sein, sich lagern, ruhen; (gehoben) aufruhen, gebettet sein; (umgangssprachlich) sich aalen, langliegen

Ich aale mich um den Verstand. Ich ruhe, bin gebettet und zwar dermaßen waagerecht, dass mir eventueller Tränenfluss nicht durch das Gesicht sondern direkt in die Ohrmuschel trieft. Die Tränen kommen jetzt nicht vom Heulen. Die kommen von der Nase. Vom schlimmen Schnupfen. Und wenn ich dann einen Hustenschüttel habe, läuft das Geträne im Schwung aus dem Ohr ins Kissen. Ich könnte ja auch auf der Seite liegen. Nur verstopft sich dann sofort ein Nasenloch. Und das mag ich gar nicht.

Und lesen tu ich auch kaum noch. Heute habe ich genau ein Comic-Heft gelesen. Einmal Asterix. Ansonsten habe ich vor mich hin vegetiert wie so ein Veggieschnittchen.
Viel trinken, hat er gesagt, der Herr Doktor. Zum vierten Mal hat er das gesagt. Ich war ja das vierte Familienmitglied, das mit dem Virus bei ihm aufschlug.
So habe ich mir heute einfach mal eine komplette Flasche Limonade verinnerlicht. Leider klebt jetzt auch noch mein Mund und ist irgendwie glitschig durch den ganzen Zucker.
Aber ich wollte keinen Tee mehr. Und schon gar nicht mit Thymian.

Doch, ich muss zugeben, ich werde unleidlich. Unausgelastet. Ungedingst. Ich werde einfach ein Un. Un Ding Lavendula.
Und wenn ich nicht so maßlos kraftlos wäre, würde ich hier mal richtig rabatz machen. Aber selbst das schaffe ich nicht.

Vielleicht lässt es sich ja in dieser Nacht schlafen. Ohne ständiges Husten und Schnauben. Sollte noch jemand wach sein, warum auch immer, sei es durch Viren oder durch Hexenschüsse, lasst uns imaginäre Zwiegespräche führen. Im Bett, auf dem Sofa, auf dem Boden oder Klappstuhl, wir sind nicht allein in unserem Elend. Es fühlt sich nur so an.

(Jetzt sprenge ich mir einen Weg frei durch die Nasenschleimhaut rechtes Nasenloch. Danach kratze ich mir den Rachen mit einer Flaschenbürste.)

Comic-Con

Es ist langweilig. Anders kann man das nicht nennen. Rumliegen, trinken, trinken, rumliegen. Dazu leiden, jammern, jammern, leiden.
Das hält selbst das sonnigste Gemüt kaum aus.
Da kann man froh sein für das Internet. Und all die Serien, die man sich anschauen kann. Und wenn sie noch so doof sind. Wenigstens geht die Zeit dann ein kleines bisschen schneller um.

Ich frage mich, was hat man früher gemacht, wenn man krank danieder lag.
Ganz früher, als ich noch klein war, da lief ja morgens noch nicht einmal etwas im Fernsehen. Man konnte auf eingeblendeten Programmtafeln das Fernsehprogramm für den Tag in der Zeit von Mittag bis Mitternacht auswendig lernen. Mit etwas Glück gab es auch schon einmal ab neun Uhr dreißig Wintersport. Aber nicht im August.
Man lag auf der Couch und schaute wirklich Programmtafeln. Ich persönlich schaute sogar Testbild, wobei mich der Piepton irgendwann nervte. Ich war sehr fernsehgierig.
Es ist einfach nett, wenn man krank ist, das Gehirn in den Alphawellenzustand zu versetzen, dann merkt man das Elend nicht so sehr.

Vielleicht sollte ich auf eine alte, fast vergessene Tradition im Krankheitsfalle zurückgreifen. Dafür müsste ich mich allerdings die zwei Stockwerke unter das Dach hinaufschleppen, denn dort stehen sie im Regal. Asterix-Hefte. Alle. Und sie lesen. In jungen Jahren konnte ich sie auswendig. Oder ich schleppe mich nach nebenan ins Stübchen und hole mir Superman-Hefte. Oder Batman. Spiderman.
Oder ich greife einen Meter neben mich, da steht Prinz Eisenherz.
Wenn ich krank war und rumlag, dann habe ich, sobald es ging, gelesen, gelesen, gelesen. Und heute?
Mit jeder hirnverbrannten Serie töte ich einen kleinen Teil meines Lesevermögens. Ich muss aufhören damit. Jetzt. Sofort.
Ich muss mir Comics holen. Wenn ich weiter dummes Zeug glotze, dann verblöde ich immer mehr und ende mit der Aufmerksamkeitsspanne einer ADHS-Wüstenrennmaus auf Speed.
Wenn ich es schaffe, ein komplettes Asterix-Heft zu lesen, dann kann ich den Glotz-Bann vielleicht zerbrechen und bekomme es hin, in einem Buch zu lesen. Das wäre fein.
Ich könnte danach auch eine Zusammenfassung des Asterix-Heftes Buches verfassen und versuchen, andere Menschen zum Lesen zu animieren. Ich könnte etwas Sinnvolles mit meinem Leben anfangen. Auch mit schlimmstem Würfelhusten kann man noch ein nützliches Mitglied der Familie sein.
Und erhöhte Temperaturen lassen möglicherweise Heizkosten einsparen.

Also nun, nicht mehr lange schwafeln, aufhören, in der Holzmaserung des Schrankes abstruse Dinge zu sehen, auf geht es, Treppe rauf, Treppe runter, Asterix bei den Briten. „Lass uns die Hände schütteln…“.

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(Sehr Ihr das auch?)

Und da lag sie…

Die Grippewelle rollt durch das Land und brandete hier im Hause heftig an.
Erst erwischte es den Fürsten, dann zerbröselte es den Gutfrisierten, anschließend legte sich Killerdog ins Bett und ich gleich hinterdrein.

Und man ist wirklich abartig krank mit so einer Grippe, mein lieber Herr Gesangsverein.
Und ja, da werde ich larmoyant, wenn ich mit über neununddreißig Fieber in der Ecke liege und mein Kopf sich anfühlt, als würde er gleich platzen. Erst sprengen sich die Augen aus den Höhlen und dann drückt es das Hirn aus den Schädelnähten.
Ich habe gar nicht genug Kraftausdrücke für dieses Elend.

Wie gut, dass das Wolkenköpfchen nicht da ist und auch an diesem Wochenende nicht heim kommt. So hat sie eine Chance darauf, verschont zu bleiben.

Und hier jetzt, passend zur Verfassung, ein völlig sinnentleertes, in keinem Zusammenhang stehendes und überflüssiges Waschstraßenbild. Damit verabschiede ich mich in den nächsten Fieberwahn und grüße all die anderen armen Wichte, die sich auch mir dieser Pestilenz herumplagen.
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Die Phantasie ist voll

Geht das jetzt nur mir so oder haben auch noch andere Assoziationen in Richtung Herr der Ringe und Ober-Nazguls Krone auf dem Kopf, wenn sie die Elbphilharmonie anschauen?
Jedes Mal, wenn ich ein Foto davon in einer bestimmten Perspektive sehe, denke ich: Oha, spooky.
Und das denke ich genau so. Also nicht irgendwie gewählter. Sondern einfach nur: Oha, spooky.
Und dabei grusele ich mich.
Aber vermutlich geht da wieder meine Phantasie mit mir durch. Das ist manchmal so. Meine Phantasie und ich. Also besonders gut kann ich Katastrophen. Die zusammenzuphantasieren habe ich zur wahren Meisterschaft gebracht.
Kommt jemand fünf Minuten zu spät, sehe ich ihn schon zerschnetztelt durch einen Unfall mit einem LKW im Graben liegen.
Ein leichtes Unwohlsein ist mindestens eine tödliche Erkrankung. Wenn nicht sogar zwei.
Das Knirschen meines Autos beim Anfahren am Berg bedeutet bald das Chaos, ein neues Auto beschaffen zu müssen.
Ein ausgefallenes Haar droht mit der Glatze. Meiner Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.
Es sei denn, ich setze ihr selbst welche. Das ist auch der Grund, warum wir keine Raufaser mehr im Haus haben, sondern schön glatt verputzte Wände. Weil die Pöppel von Raufaser eben nicht nur Pöppel sind. Nein. Das können Gesichter sein. Oder Tiere. Oder ganze Landschaften. Da kannst du nie einfach nur die Wand anglotzen, nein, da wirst du unablässig von irgendwelchen Dingen, die nur du selbst siehst, belästigt. Aber sag das mal.
Sag mal: Ich werde von der Raufaser belästigt.
Zack, so schnell bist du dann weg vorm Fenster, so schnell kannst du gar nicht gucken.
Holzmaserung. Auch so eine Sache. Da erscheint mir mit Vorliebe Sakrales. Über Kirchen bis hin zur Mutter Gottes. Wenn man abends im Bett liegt und auf den Schrank glotzt, wo soll man denn auch sonst hinglotzen, dann macht einen die Maserung vom Kleiderschrank ganz kirre.
Auf der Tischplatte meines Schreibtischs erschien mir eine Zeitlang ein Reh. Herrjeh. Ständig schaute es mich an. Und ich schaute zurück. Eines Tages war es fort, keine Ahnung, wohin, und ich glotzte nun suchend auf der Tischplatte herum und fühlte mich nicht wirklich besser.
Als ich klein war, da haben mich die Lichtstrahlen von Glühbirnen an den Rand der Verzweiflung gebracht. Weil, wenn ich den Lichtstrahlen beim Leuchten durch die Wimpern zugesehen habe, dann hat es mir immer an der Nasenwurzel gejuckt. Leider konnten meine Eltern das nicht verstehen und waren sauer, wenn ich heulen musste, weil es so juckte.
Im Moment hoffe ich, so ganz allgemein, dass meine Phantasie durchdreht.
Dass meine Vorstellungen von der Zukunft ähnlich wahrscheinlich sind, wie die heiligen Erscheinungen an meinem Kleiderschrank.
Aber wenn ich mir die Nachrichten anschaue und das Treiben der Populisten aller Länder vergegenwärtige, dann weiß ich nicht, was ich denken soll.
Ist meine Phantasie so ausgeprägt, dass ich mir wirklich vorstellen kann, was da auf uns zurollt? Oder bin ich ganz einfach wieder im Katastrophenvorstellungsmodus und letzten Endes ist alles nur Raufaser?

Insgesamt fühle ich mich diesbezüglich etwas unwohl, meine Nasenwurzel juckt und hier und da könnte ich heulen.

Der Tag von seiner schönsten Seite

Man darf das nicht. Anstand und Erziehung verbieten einem, das zu tun. Die innere Verhaltenspolizei tut ihre Arbeit und ich reiße mich zusammen. Ich beschimpfe die junge Frau in der Tankstelle nicht, denn sie kann ja nichts dafür. Auch die Frau im SUV beschimpfe ich nicht. Die kann ebenfalls nichts dafür. Ich werfe nicht mit Schokoriegeln um mich, selbst wenn sie Griffweite liegen und sich quasi für einen Rundumwurf geradezu aufdrängen.
Mag sein, ich beschimpfe den Chef. Wenn der Chef irgendwann von seinen vielen Fortbildungen zurückkommt, um bei seiner Tankstelle nach den Rechten zu sehen.
Kann sein, ich meckere. Dass er sich mal eine gescheite Strategie überlegen soll,wie das Personal reagieren sollte, wenn eine Frau ihr Auto nicht rechtzeitig aus der Waschstraße herausbewegt und die folgende Frau ihr Auto nicht hineinbekommt und ihre Autowaschung dann die Erstere genießen kann.
„Ich kann da jetzt nix machen!“ ist nicht das, was eine Kundin mit maximal verdrecktem Auto hören möchte.
Generell ist es mir ja scheißegal, wenn das Auto vor Schmutz strotzt. Wenn ich mir aber ständig die Hände waschen muss, nur weil ich ins Auto ein- und wieder ausgestiegen bin und dauernd meine Hosenbeine auf Kniehöhe vom Kofferraum verunreinigt werden, dann muss das mal geändert werden, sprich, das Auto braucht eine Dusche, so wie der Hund vorgestern.
Der sieht seitdem aus, als wäre etwas unter seinem Fell explodiert, weil ich sensitives Volumenshampoo genommen habe. Und er riecht sehr merkwürdig. Egal, das tut jetzt nichts zur Sache.
Es gibt also nicht das Geld zurück und auch keine neue Wäsche, es gibt einfach mal nichts. Und wie gesagt, es ist auch niemand zuständig, nur der Chef und der ist nicht da.
Ob sie mir kurz bestätigen könnte, schriftlich, dass ich nicht die Waschstraße genutzt habe, fragte ich. „Nein.“
Klare Frage, klare Antwort. Wie ich denn nachweisen solle, dass ich wirklich ein Problem mit der Waschstraße hatte, wenn ich denn irgendwann einmal den Chef treffen würde.
Ist nicht ihr Problem, weiß sie auch nicht, tut ihr leid.
Ich sagte, es würde mir so langsam eine Wut hochbrodeln. Kann sie verstehen, schließlich ist sie auch manches Mal in ihrem Leben Kundin.
Nur, einen Rat hat sie nicht.
Ich schreibe ihr dann meine Adresse und Telefonnummer auf und sage ihr, ich würde auf einen Anruf vom Chef warten.
Zum Schluss sagt sie mir, dass ich den Zettel mit dem Barcode noch nicht hätte eingeben dürfen, so lange noch ein anderes Auto in der Waschstraße gewaschen worden sein würde. Oder wäre.
Was ich direkt konterte.

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Mit Hilfe meines fotofähigen Smartphones. So ja nicht. Ich bin doch nicht zu doof für in die Waschstraße, Menschenskinder.

Also fuhr ich mit ungewaschenem Auto zum Wochenendeinkauf, weil mir ja diverse Mitmenschen empfohlen haben, samstags auf Einkäufe zu verzichten, für eine Schonbehandlung des Nervenkostüms.
Und kaum hatte ich den Kofferraum das erste Mal geöffnet, hatte ich Driss am Knie. Natürlich.
Anschließend klemmte ich mir den Finger im Einkaufswagenchip-Schiebefach. So ein kleines bisschen Fingerspeck. Jetzt habe ich einen blauen Fleck an der Stelle und möchte den Einkaufswagenchip-Schiebfachhersteller auf Schadensersatz verklagen. Was ich nicht tue. Ich habe keine Rechtsschutzversicherung. Denn wer sich Trulliranz-Versichert, der ist ganz und gar versichert, der spürt vom ersten Augenblick ein festes Bündnis mit dem Glück, eine Trulliranz fürs Leben.
Danke.
Ohrwurm. Das war ja klar.
Im Getränkemarkt sollte ich eine ganz bestimmte Orangenlimonade holen. Für den Fürsten mit der Influenza. Der Tee läuft ihm aus den Ohren und er möchte etwas mit Kohlensäure. Ich bin eine gute Mutter und eine noch bessere Krankenschwester, weshalb ich das Schwesternhäubchen in Platin besitze. Die gewünschte Orangenlimonade gibt es nicht. Zumindest in diesem Laden nicht.
Ich greife mir jede andere Orangenlimonade, die ich finden kann und verlasse den Laden mit Orangenlimonade im Gegenwert von sechsunddreißig Euro vier.
Und zittrigen Nervenbahnen, leise Trulliranz summend.
Im Lebensmittelgeschäft eskaliere ich ein bisschen und kaufe ein, dass ich damit fünf Influenzakranke und drei Fälle von Ebola über die Runden bringen könnte.
Noch dazu Diätetisches für das Wolkenköpfchen, welches die obligatorische Tanz-Essstörung pflegt, weshalb nur noch Lebensmittel mit null Kalorien über die Schwelle kommen. Sollen. Ich koche dagegen an mit Köstlichkeiten, zu denen sie nicht nein sagen kann. Ich bin ein Schwein. Aber ein leckeres.

Kurz vor der Tiefkühlung treffe ich eine ewig nicht gesehene Bekannte, man plaudert und ich denke ganz leise im Hinterkopf, ja, gut, weiß ich das jetzt auch, weiter geht es.
Meine Ungeduld wird langsam zum Problem.
Zuhause angekommen wird Killerdog dazu verdonnert, den Wagen zu entladen, wobei er sich die Knie schmutzig macht, was aber egal ist, denn das lässt sich mit einem Lappen wegwischen, er trägt Hosen ohne Knie. Und bezahlt dafür viel Geld. Irre.
Und plötzlich hat er auch eine sehr kurze Frisur. Monatelang ließ er sich das Haar in die Augen hängen, bis schließlich das komplette Gesicht dahinter verschwand. Ich bot ihm zwischendurch Haarspangen an, wenn ich mich nicht mehr nur mit seinem Pony unterhalten wollte.

Ein paar Lebensmittel räumte ich selbst weg. Das Eis zum Beispiel, weil das meine Privatsache ist. Das Eis. Meins. Mein Eis.
Irgendwie kam dabei etwas Klebriges an meine Hände, die ich schon wieder waschen musste, nachdem ich sie schon gewaschen hatte, weil ich das Auto angefasst hatte. Und als ich mir das Küchenhandtuch nahm, um meine Hände abzutrocknen, was bei manchen Menschen ja verpönt ist, weil man da die Hände nur und ausschließlich mit Frottee abtrocknen darf, da war was? Was war da?
Ein weiterer Höhepunkt eines an Höhepunkten nicht gerade armen Tages, der auch sofort eine Reaktion meinerseits hervorrief.

Mein Handtuch. Mein Geschirrhandtuch. Mein liebstes Geschirrhandtuch. Es hat Karos und eine Blümchenborte. Eines der wenigen verspielten Accessoires (musste ich auch erst mal schauen, wie man den Scheiß schreibt), die ich im Haushalt habe. Sonst eher Freundin der klaren Linie und Vertreterin des Anti-Deco gehörte diesem Handtuch mein ganzes Herz. Und?

Ein Winkelriss. Aber nicht nur so ein kleiner, nein, ein veritabler Komplettzerstörer.
Und? Wer war das?
Der Niemand, das dämliche Arschloch. Wusste ich doch. Der hat auch die Waschstraße verwirrt und das Einkauswagenchip-Schiebefach verklemmt.
Dem Niemand werde ich irgendwann so dermaßen eine verbraten, dass er wünscht, er hätte mich niemals kennen gelernt. Der beantragt dann Asyl. In Amerika.
(An dieser Stelle sollte sich ein Foto befinden von meinem misshandelten Handtuch und einem großen Zettel, auf welchem ich „WER WAR DAS?“ fragte; da aber heute heute ist, lädt das Gerät das Foto nicht. Ein Schelm, wer böses dabei denkt.)

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(Und jetzt geht das elende XXXXXXXX-Ding doch, also schaut es Euch an!!)

Außerdem hat in der Zeitung heute gestanden, wer den Treppenlauf im Empire State Building gewonnen hat. Ich habe vergessen, wie er hieß und auch überhaupt keine Lust, nachzuschauen, wie der Name war. Irgendwas mit L. Und mit A. D. Z war auch dabei.
Egal.
Auf jeden Fall war der vermutlich nach 10 Minuten raufrennen erschöpft. Ich bin auch erschöpft. Und ich habe Waden, hart wie Kruppstahl. Mit Muskelkater.
Weil ich gesamtgesehen vermutlich in den vergangenen Tagen acht Mal soviele Treppen gestiegen bin. Der kranke Fürst liegt nämlich in seinem Zimmer, in seinem Bett und das ist unter dem Dach. Da läuft sich in der Summe so einiges zusammen, wenn man Tee kocht und hochbringt, Wärmflasche hochbringt, Lebensmittel, Tabletten, Asthmaspray, wieder Tee, wieder dies, wieder das, Melone, Zitrone, Halsbonbon…
Meine Beine tun weh. Ich soll es als Fitnesstraining sehen, sagt das Wolkenköpfchen. Der trete ich bald auch mal vor das trainierte Schienbein. Verdammich.

Und dann, ja dann hatte ich auch noch Apfelmus gekauft. Nicht Kompott. Mus. Ohne Stücke. Oh. Du. Liebe. Güte.
Und es sollte doch Kompott sein.
Ich bin am Ende. Da hilft kein Trulliranz-Geträller mehr, der Wahnsinn beißt sich immer fester in das Kostüm meiner Nerven.
Und ich bekomme Phantasien, die kein Dario Argento Film in blutiger Ausführlichkeit hätte darstellen können….

Übrigens ist gerade auch der Computer abgestürzt. Erstaunlicherweise war alles Geschreibsel in einem Zwischenspeicher gelandet, weshalb ich keinen endgültigen Nervenzusammenbruch praktizieren muss.
Mit dieser glücklichen Fügung höre ich dann jetzt auch lieber auf und fordere das Schicksal nicht weiter heraus.
Oder esse Schokolade.

 

NACHTRAG:
AUF DER STOCKFINSTEREN LANDSTRAßE STATT SIEBZIG KM/H FÜNFUNDACHTZIG GEFAHREN. PLÖTZLICH EIN BLITZ. IN ZWEI BIS DREI WOCHEN GIBT ES POST VOM LANDRAT. DANKE.
VOR SCHRECK FAST IM GRABEN GELANDET.
JETZT AB INS BETT.

Immer wieder in die Hölle

Und dann hockt man wieder da. Um einen herum wuseln die Leute in blauen Klamotten oder weißen Kitteln. Man schaut sich die Neonröhren an, den Bildschirm hier, die Tastatur da, hört das Piepen von Monitoren und Perfusoren und fragt sich, wieso man schon wieder dort gelandet ist, wo man nicht mehr so bald hin wollte.

Und während ich gegen die Kreislaufversackung ankämpfte, darüber sinnierte, wie sehr ich Ambulanzen mittlerweile hasse und dabei meinen Kranken Fürsten anschaute, der mit über vierzig Grad Fieber wie ein angefahrenes Reh auf der Trage lag, hätte ich gern etwas zertrümmert.
Oder jemanden getreten.
Ganz ehrlich, einfach mal wem die Fresse poliert. Ich war extrem angespannt und hätte etwas gebraucht, um ein bisschen davon loszuwerden.
Aber gut, ich konnte ja dem Pfleger Bert nicht ans Leder, der sollte ja die Infusion an die Rosine hängen, auf dass sie sich wieder ausbeulen und ein junger Mann werden sollte.
Trotzdem.
Was da heute wieder alles an krankenhaustechnischen Auffälligkeiten vor meinen Augen ablief, war spektakulär.
Es gipfelte darin, dass ein schnöseliger Hipster-Arzt mit Dutt und gewaltigem Vollbart den Fürsten bei seinem ersten Keks des Tages abends um sieben anherrschte, er solle nicht kauen, wenn er mit ihm spreche. Um dann gleich die Eltern anzuranzen, die absolut unverantwortlich handeln, wenn sie ihren Sohn einfach gegen ärtzlichen Rat und trotz Influenza einfach wieder mit nach Hause nehmen, anstatt ihn in einem vermieften Vier-Bett-Zimmer ohne Klo und Waschbecken, dafür mit drei sehr alten, röchelnden und offensichtlich bakteriell erkrankten Männern, zu belassen.
Und nach getaner Beschimpfung türenknallend davon zu stürmen.

Dieser Assistenzarzt im ersten oder zweiten Jahr, sicher an der Grenze zur Ohnmacht wegen Überlastung (alles Verständnis der Welt!) bekommt noch einmal ein Feedback für sein unverschämtes Benehmen.
Und wir? Nun, vielleicht sind wir unverantwortlich. Der Bursche ist schon sehr krank. Aber seit wann wird man im Krankenhaus gesund?
Umgeben von Kranken.

Ich. Hasse. Krankenhäuser.

Morgens. Mittags. Abends. Egal wann.
Ich möchte in den nächsten achtunddreißig Jahren kein Krankenhaus mehr von innen sehen.
Verdammt.
Der Fürst darf jedenfalls jetzt nicht in die Voliere und nicht in den Schweinestall. Damit die armen Viehcher sich nicht bei ihm anstecken.
Und nach Spanien darf er auch nicht.

Und mit viel Tee und Liebe und schmerzstillenden Medikamenten und etwas Fiebersenkung und ein klein wenig Übelkeitsblockung wird er auch zuhause weiterleben. Vermute ich.

Und dem Herrn Dokta schreibe ich noch.
Der kann sich mal eine schön warme Mütze anziehen.

Scherzle am Abend

Es ist schon spät am Abend und ich bin eine Frau mit einem Auftrag.
Wie James Bond. Einem wichtigen Auftrag. Es geht um Leben und Tod. Fast.
Nicht ganz. Aber beinahe.
Ich bekam eine Nachricht, ich solle doch bitteschön etwas bloggen. Etwas Lustiges. Harharhar. Weil ich so eine rheinische Frohnatur bin und mit einem lustigen Blogeintrag vielleicht ein Leben im fernen Brandenburg retten kann, nehme ich diesen Auftrag natürlich sehr ernst und gebe hier und jetzt und sofort mein Bestes.
Ich denke erst einmal über alle Witze nach, die ich lustig finde. Ich vermute jedoch, dass ich diese Witze schon alle der Frau in der Ferne erzählt habe. Mehrfach.
Und der Witz über den Frosch, der in einem Lebensmittelgeschäft nach Quark fragt, den fand ich noch nie lustig. Frösche sind nicht lustig, auch Kermit fand ich nie lustig. Dafür war der viel zu depressiv. Ich meine, Frösche haben Froschschenkel mit Quarkgesicht. Das ist kein Grund zu lachen.

Dann überlege ich natürlich, welche heiteren Erlebnisse ich hier niederschreiben könnte. Lustige Begebenheiten von früher. Als ich mich zum Beispiel im zarten Alter von zwölf auf einem Flug von Köln nach London, auf dem Weg zu einem zweiwöchigen Besuch (allein!) in England in der Flugzeugtoilette eingesperrt hatte und die Tür nicht mehr aufbekam. Was einen hysterischen Anfall meinerseits zur Folge hatte. Gerettet wurde ich von einer englischen Stewardess.
Wobei, ein Schenkelklopfer war das nur für unsere schadenfrohe Mutter.

Gut, extrem lustig war es damals, als ich nach einigen Schlucken eines Bieres, fortan genannt das Witzbier, eskalierte und den Gutfrisierten mit dem letzten Einhorn verglich. Aber dieser Scherz ist eindeutig ein Insider-Gag. Darüber kann jemand, der nicht dabei war, auch kein kleines bisschen lachen.

Ich merke schon, ich muss es wohl hinnehmen, heute in Sachen Witzbold zu versagen. Und was rettet einem den Arsch, wenn man selbst keinen Scherz zustande bringt?
Genau, die hirnverbrannten Witzchen anderer Leute.
Mit wieviel Witz man bei mir landen kann, zeigt einmal mehr die Liste der Suchbegriffe, dank derer irgendjemand in meinem Blog gelandet ist.
Und das ist dann mitunter wirklich nicht unspaßig. Darum hier das Feuerwerk der Lustigkeit:

Erstens:
liufeßs a peaxce of shit when you look at it
Bitte was? Da ist jemand des Englischen nicht mächtig. Oder hat zu schnell getippt. Kann passieren. Ab zum VHS-Kurs „English for beginners“. Sonst kann man sich in einem Flugzeug nicht von einer englischsprachigen Flugbegleiterin aus dem Klo retten lassen.

Zweitens:
grace anatomy wo war meredith als wegflog nicht beim derek
Fragen gleich selbst zu beantworten, erübrigt doch die Frage. Sie war nicht bei Derek. Es reicht ja, wenn man weiß, wo sie nicht war. Das ist, wie heutzutage die Nachrichten. Da wird auch gefragt: Was wissen wir über den Täter?, um gleich hinterher zu schieben: Was wir nicht wissen.
Findet das außer mir noch jemand merkwürdig, dass Dinge, die nicht gewusst werden, eine Nachricht sein können? Aber wie lustig ist das?
Nun, ich beantworte die Frage auch selbst.
Nicht lustig. Also weiter.

Drittens:
in kürze verstehen sie nur hauptbahnhof
In Kürze? Oder dauerhaft? Ich verstehe häufiger Hauptbahnhof. Bevorzugt, wenn ich versuche, die Welt zu verstehen. Oder meine Mitbewohner.
Und am Hauptbahnhof versteht man sowieso nichts. Ich vermute, die Durchsager der Durchsagen besuchen, bevor sie durchsagen dürfen, einen Nuschelkurs.

Viertens:
verwirrte frau läuft im nachthemd aus dem haus
Na und? Noch nie jemanden in Nachtwäsche im Wald getroffen? Ist doch nichts dabei. Macht doch jeder. Verwirrt oder nicht. Oder? ODER?
Und das kann sehr lustig sein.
Vor allem, wenn man eine Sternchenschlafanzughose in lila gepunkteten Gummistiefeln trägt. Wem das kein Lächeln ins Gesicht zaubert, der hat eine Sehstörung oder eine Lächelstörung.

Fünftens:
auf links gestülptes arschloch
Drei Minuten lang musste ich darüber den Kopf schütteln.
Warum kommt man zu meiner Seite, wenn man so etwas sucht? Und wie soll das denn gehen, so rein physiologisch? Das tut doch sicher weh und ist mit Komplikationen verbunden. Es sei denn, hier ist eine gesellschaftspolitische Sichtweise angesprochen und das Arschloch nicht als Körperausgang sondern als Person gemeint.
Darüber kann man einmal nachdenken. Und auch wenn es möglicherweise nicht so witzig klingt, musste ich doch in den drei Minuten Kopfgeschüttel lachen, weil ich daran dachte, wie mich eine Freundin in einem griechischen Restaurant fragte, ob ich wüsste, wie Kalamaris-Ringe hergestellt würden. Ich wusste von nichts und sie erklärte mir, dass es sich dabei um umgestülpte und panierte Hühnerarschlöcher handeln würde, weil es gar nicht so viele Tintenfische gäbe, auf der Welt.
Sprachs und aß mit Genuss ihre fritierten Ringe mit Mayo.

Sechstens:
ich bin keine prinzessin mit einem goldenen löffel im arsch
Nein, das bin ich nicht. Ich habe keine goldenen Löffel und bin nicht adlig und über meinen Hintern werde ich Stillschweigen wahren, denn der geht niemanden etwas an. 
Besonders lustig ist der nämlich nicht, mit seinem Hang zur Expansion. Wobei, wenn ich genauer darüber nachdenke, unterstelle ich manchmal den Kindern, sie hätten goldene Löffel drin. Und Zucker. Und noch dies und das, was reingeblasen wird. Ob man sich mit einem goldenen Löffel auch Humor einführen kann, wage ich zu bezweifeln.

Siebtens:
ich hab nix gemacht
Natürlich nicht. Wie käme ich dazu, irgendwas zu machen. Ich hab nix gemacht, ich bin nix schuld. Obwohl, halt, Moment mal. Ich bin eine Mutter… .
Gut. Ich bin alles schuld und hab alles gemacht. Und zwar falsch.
Wie konnte ich das vergessen. Kann man darüber lachen?
Eigentlich schon. Denn wenn die Kinder immer nie was Schuld sind und die Mutter immer alles, dann ist das lachhaft. Aber sowas von.
Und jetzt denke ich ein bisschen über meine Mutter nach.

Achtens:
was benötigt eine wolke, die es juckt?
Was für eine schöne Frage.
Ich habe keine Ahnung. Kortisoncreme? Eine Kratzbürste? Lange Fingernägel?
Und warum juckt es die Wolke? Und wo genau? Und würde es der Wolke helfen, wenn sie ein bisschen mehr Humor hätte und einfach lachen würde darüber, dass es sie juckt?
Ich weiß es nicht. Ich bin kein Wolkologe.

Neuntens:
lobotomie vorher und nachher
Bei manchen zeigt sich da kein großer Unterschied, vermute ich. Es gibt sogar Menschen, die können trotz eines solchen Eingriffs präsidiale Posten in fernen Ländern übernehmen und keiner merkt es. Ich habe auch schon oft darüber nachgedacht, ob es hilft, mit weniger Hirn durch das Leben zu laufen.
Es könnte sein, dass man dann auch mehr lacht. Weil es doch eine menschliche Eigenschaft ist, zu lachen, wenn man etwas nicht kapiert. Oder? Hihihihihiiiii…

Zehntens:
ohne bh im einkaufszentrum
Ja. Das bin ich. Und ich gebe es offen und ehrlich zu.
Ich traue mich ohne BH in Einkaufszentren. Meine Güte, bin ich wild.
Gestern war ich sogar ohne BH zu einer Kulturveranstaltung gegangen. Und ich vermute mal sehr stark, dass es niemand merkte.

Die Kulturveranstaltung war übrigens sehr lustig, nicht zuletzt, weil Killerdog dort arbeitete und die blödesten Nachbar auch da waren.
So konnte ich allerhand beobachten.
Killerdog ist ein sehr höflicher und hilfsbereiter Mensch. Wenn man nicht zu seiner direkten Kernfamilie gehört, darf man diese Eigenschaften genießen.
Und die blödesten Nachbarn sind überall blöd, nicht nur nebenan.

 

So. War das lustig?
Ganz ehrlich? Nö. War es nicht.
Ich bin auch viel zu müde für lustig. Und zu müde, was Vernünftiges zu schreiben. Das ist also jetzt ein Geschreibsel, nur damit Du hier was zu lesen hast. Bitte schön.
Lass mal morgen quatschen. Dann sage ich Dir auch, wie das mit der Entwicklung vom Äffchen zum Menschen weiter ging und ich kann Dich näher darüber informieren, dass der Mensch zwei verschiedene Arten von Läusen haben kann. Die Kopfläuse und weiter unten die Filzläuse, die übrigens direkt verwandt sind mit den Läusen, die sich bei Gorillas finden, weshalb man annimmt, dass der Mensch die Filzläuse aus seiner Zeit als behaarter Primat mitgenommen hat.
Und jetzt schlaf gut, Schwesi.
Küsschen.
Wenn was ist, ruf an. Ich komme Dich retten. Immer.

Alte Kamellen lesen

Vorgestern habe ich alle Bücher und Hörbücher in die Bücherei gebracht.
Und ich habe keine mit nach Hause genommen. Damit ist mein Büchereikonto seit ewigen Zeiten das erste Mal auf Null.

„Warum?“, fragte mich der Gutfrisierte, der profitiert von meiner Ausleihsucht und jetzt selber sehen muss, wo er etwas zu Lesen herbekommt.
Ich bringe ihm nämlich in der Regel auch ein Buch mit, wenn ich von diesem einem meiner Lieblingsorte wiederkomme.
Ich hatte schon den Damen an der Ausleihtheke gesagt, dass ich wirklich gern dort einziehen würde, was sie mit einem müden Lächeln quitierten. Sie sind wohl froh, wenn sie nach getaner Arbeit die Bücherei wieder verlassen dürfen.
In jungen Jahren wollte ich wirklich sehr gern in einer Bücherei arbeiten. Ich hatte mich sogar einmal für einen Studiengang im Bereich Bibliotheks- und Dokumentationswesen beworben.
Hat nicht geklappt.
Bin ich eben Köchin geworden.
Und von dem Geld, dem wenigen, das ich damit verdiente, kaufte ich mir Bücher. Am Liebsten waren mir die Hardcover. Da hatte man richtig etwas in der Hand.
Ständig hatte ich ein Buch vor meiner Nase.
Eine Freundin hat noch vor wenigen Tagen erzählt, wie es war, als wir uns das erste Mal trafen. Ich wohnte mit dem Gutfrisierten mitten in der großen Stadt, am Puls des Geschehens, in einer schicken Altbauwohnung (Beziehungen, Freundschaft, Sympathie, Eltern, all das war von Nöten für diese Wohnung), die tiefe Fensterbänke hatte. Die Freundin fand mich cool. Ich schaute sie an, als hätte sie einen Dachschaden und erklärte ihr, dass ich mich mit Anfang zwanzig als extrem uncool empfunden habe (ich hatte eine Dauerwelle, eine Dauerwelle! Und sah aus wie meine eigene Omma, was überhaupt nicht cool ist).
Sie widersprach mir energisch. Ich hätte immer auf diesen Fensterbänken der Wohnung gehockt, Karamellbonbons gegessen und dazu dicke Bücher gelesen und mich nur widerwillig davon abbringen lassen. Sie hätte das cool gefunden.
Ihre Erzählung erinnerte mich daran, wie es damals war. Und wie ich in Büchern abtauchte.
Schon als Kind diese anderen Welten brauchte, um die Welt um mich herum zu vergessen.

Warum habe ich also keine Bücher aus der Bücherei mitgenommen?
Weil ich immer wieder gedacht habe, ach, dieses Buch müsstest du noch einmal lesen. Damals war es für dich so und so, wie mag es heute für dich sein?
Diese Bücher schwirrten mir durch den Kopf, an manche erinnerte ich mich besser, an andere nicht so gut.
Wenn ich immer neue Bücher um mich herum habe, dann nehme ich die alten eben nicht. Dann lasse ich sie links liegen und sage: Später, später, ein andern Mal.

Aber jetzt ist es soweit.
Ich lese die ollen Kamellen. Die Fensterbänke hier sind zu schmal um darauf zu sitzen und würde ich die gleichen Mengen Bonbons zu mir nehmen wie damals, ich würde anschließend wegen Stoffwechselstörungen und einem Bodymass-Index von 52 in eine Rehaklinik müssen.
Also liege ich lieber komfortabel in der Sofaecke oder dem Bett herum, schön ausgepolstert, ein Glas Wasser dazu und etwas Schokolade Bananenmuffin Obst, die Plus-Zwei-Lesebrille auf der Nase und los geht die Fahrt.

Ich fange an mit:

„Drei Männer im Schnee“ von Erich Kästner.
Was ich noch weiß:
Drei Männer begegnen sich in einem Hotel, einer ist ein Millionär und tut so, als wäre er es nicht. Sie freunden sich miteinander an und irgendwann verliebt sich der eine Mann in die Tochter des anderen, was aber in Ordnung ist.
Der Millionär fährt nach vielen Jahren zum ersten Mal wieder Schlittschuh und legt sich aufs Eis. Er beschimpft sich selbst als alten Esel.
Am Ende geht alles gut aus.

Ich bin gespannt, was wirklich drin steht und ob ich es genauso mögen werde wie vor über dreißig Jahren, als ich es das erste Mal las.